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Steinhudes Chancenfestival ohne Happy End - Losheim siegt eiskalt 0:1

Es gibt Fußballabende, an denen man sich fragt, ob der Ball vielleicht einen eigenen Willen hat - und beim SC Steinhude war dieser am Freitagabend offenbar gegen die Hausherren. Trotz eines Feuerwerks an Chancen, stolzen 56 Prozent Ballbesitz und einem Dutzend Torschüsse stand am Ende auf der Anzeigetafel nur: 0:1. Der SV Losheim nahm drei Punkte mit, die er vermutlich selbst noch nicht ganz begreifen kann.

Schon die ersten Minuten ließen erahnen, was kommen sollte: Steinhude dominierte, lief an, kombinierte, scheiterte. In der 5. Minute prüfte Torvald Kristoffersen erstmals Losheims Keeper Werner Weber, der mit Katzenreflexen parierte. "Ich hab den schon im Netz gesehen", murmelte Kristoffersen später, als er mit hängenden Schultern vom Platz ging. Auch Niklas Rodriguez versuchte es - mal in der 19., mal in der 28., mal in der 75. Minute. Immer wieder flog der Ball gefährlich nah am Pfosten vorbei.

Trainer Xaver Zaske stand an der Seitenlinie, die Hände tief in den Taschen vergraben, und rief irgendwann ins Feld: "Jungs, das Tor ist da, wo das Netz hängt!" Sein Kollege von Losheim grinste nur und flüsterte einem Assistenten zu: "Wenn die weiter so schießen, überstehen wir das schon." Und tatsächlich - die Gäste überstanden es. Mit nur drei Torschüssen im ganzen Spiel. Aber was für ein dritter Schuss das war.

In der 78. Minute, als das Publikum sich schon auf ein torloses, aber unterhaltsames Unentschieden eingestellt hatte, zog Losheim einen ihrer seltenen Konter auf. Björn Rothe, bis dahin eher unauffällig, eroberte links den Ball, sprintete an der Seitenlinie entlang und legte mustergültig auf Ivan Baiao ab. Der Portugiese nahm Maß, drehte den Fuß leicht nach innen - und schlenzte den Ball über Steinhudes Keeper Luis Seiler hinweg ins lange Eck. Eiskalt, präzise, wie aus dem Lehrbuch. 0:1.

"Ich dachte erst, das sei Abseits", gab Baiao später schmunzelnd zu. "Aber dann hab ich einfach geschossen - sicher ist sicher." Die 1.972 Zuschauer im Steinhuder Stadion verstummten kurz, bevor sie in ein kollektives Stöhnen verfielen. Mancher Fan ließ seinen Frust an der Sitzschale aus, andere sahen einfach nur fassungslos auf die Anzeigetafel.

Steinhude versuchte danach alles - Nico Geiger zog in der 84. Minute noch einmal ab, wieder knapp vorbei. Kristoffersen köpfte in der Nachspielzeit, aber Weber hielt auch diesen Ball fest, als wäre er aus Gold. "Wir hätten heute bis Mitternacht spielen können, der Ball wollte einfach nicht rein", seufzte Zaske nach dem Spiel. "Manchmal ist Fußball einfach gemein."

Statistisch gesehen war das Ganze fast ein Paradoxon: Steinhude mit 56 Prozent Ballbesitz, 12 Torschüssen, die Gäste mit gerade einmal dreien - und trotzdem der Sieger. Dazu zwei gelbe Karten für die Hausherren (Uwe Foerster und der junge Stephane Haddock) und eine für Losheims Abwehrhüne Marwin Conrad, der sich in der 40. Minute etwas zu beherzt in einen Zweikampf warf.

Losheims Trainer - der seinen Namen lieber nicht auf dem Mannschaftsbogen lesen wollte, um "den Aberglauben nicht zu brechen" - lobte sein Team für die "defensive Disziplin". Übersetzt heißt das: Sie standen tief, schlugen die Bälle weit und hofften auf einen Moment des Glücks. Der kam, und er reichte.

Im Steinhuder Vereinsheim war nach Abpfiff trotzdem gute Stimmung - zumindest, nachdem das erste Bier floss. "So viele Chancen hatten wir schon lange nicht", sagte Innenverteidiger Haddock, erst 19 Jahre jung, mit erstaunlicher Gelassenheit. "Ich bin mir sicher, nächste Woche fällt der Ball auch mal auf die richtige Seite der Linie."

Die Fans sahen das ähnlich. "Das war Pech, kein Versagen", meinte ein älterer Herr mit Vereinsmütze. "Aber vielleicht sollte der liebe Gott mal seine Torquote anpassen."

So endet ein Abend, der eigentlich einer für Sieger hätte sein müssen - nur eben für die Falschen. Losheim fährt mit drei Punkten heim, Steinhude mit leeren Händen, aber erhobenem Haupt. Und wenn man den Blick von Trainer Zaske richtig deutete, dann wird im nächsten Training kein Spieler mehr vergessen, wo genau das Tor steht.

Ein kleiner Trost bleibt: Wer so spielt und trotzdem verliert, hat meist nicht alles falsch gemacht - nur das Ergebnis.

25.07.643990 11:01
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Man darf das Spiel doch nicht so schlecht reden wie es wirklich war.
Olaf Thon
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