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Ein kalter Januarabend, Flutlicht, 2000 Zuschauer mit heißen Getränken - und eine Partie, die das Herz jedes Landesliga-Romantikers höherschlagen ließ. Stadtallendorf besiegte Wirges am 10. Spieltag der Landesliga 21 mit 4:2 (3:1), und das in einem Spiel, das so früh Fahrt aufnahm, dass einige Fans noch an der Bratwurstschlange standen, als der Ball schon im Netz zappelte. Gerade einmal drei Minuten waren gespielt, da hatte Oscar Schramm offenbar beschlossen, keine Zeit zu verlieren. Nach einem feinen Zuspiel von Bernd Friedrich zog der flinke Rechtsaußen ab - 1:0. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, aber Oscar hat einfach draufgehalten", grinste Friedrich nach dem Abpfiff. Schramm selbst tat bescheiden: "Ich wollte nur den Torwart prüfen. Dass der Ball reingeht, war ein netter Nebeneffekt." Stadtallendorf, taktisch wie gewohnt ausgewogen, aber mit viel Spielfreude, drückte weiter. In der 20. Minute kombinierten sich die Hausherren über links nach vorne. Christian Arnold flankte maßgenau, und Berndt Kolb nickte zum 2:0 ein - ein klassisches Stürmertor, das man in dieser Liga nicht alle Tage sieht. "Der Ball roch schon nach Tor", meinte Arnold trocken. Nur fünf Minuten später wiederholte sich die Szene fast identisch, diesmal flankte Robin Schüler, Kolb lauerte - und vollendete zum 3:0. Wirges, das mit offensiver Grundhaltung angereist war, wirkte geschockt, kämpfte sich aber noch vor der Pause zurück. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte war es der erfahrene Heinrich Kaiser, der nach Vorarbeit des jungen Pascal Bachmann den Ball humorlos in die Maschen drosch. 3:1 - und plötzlich war wieder Pfeffer in der Partie. "Wir haben uns in der Kabine gesagt: Noch ist nichts verloren. Und dann kam der Kaffee vom Betreuer - der war stärker als unsere Abwehrleistung in der ersten halben Stunde", witzelte Wirges-Trainer nach dem Spiel. Die zweite Halbzeit begann mit einem offenen Schlagabtausch. Stadtallendorf hatte mehr Ballbesitz (am Ende 55 Prozent), Wirges mehr Wut im Bauch. Der 18-jährige Bachmann, der sich im Mittelfeld die Hacken wundlief, zeigte, warum viele ihn für einen kommenden Star halten. In der 69. Minute belohnte sich Wirges für den Einsatz: Linus Meyer legte clever quer, und Walther Kaufmann schob zum 3:2 ein. Plötzlich lag Spannung in der eiskalten Luft. Doch Stadtallendorf wäre nicht Stadtallendorf, wenn man sich das Butterbrot vom Teller nehmen ließe. Mit stoischer Ruhe und einem Hauch Ironie in den Pässen kontrollierte man das Geschehen. 15 Torschüsse verbuchten die Gastgeber insgesamt - und der letzte saß. In der 89. Minute krönte Moritz Meyer eine starke Vorstellung: Nach schöner Vorarbeit des omnipräsenten Bernd Friedrich traf er trocken zum 4:2-Endstand. "Ich wollte eigentlich flanken", lachte Meyer, "aber der Ball war anderer Meinung." Wirges versuchte noch einmal alles, rannte an, doch Stadtallendorfs Abwehr - angeführt von Friedrich Gross, der in der 83. Minute sogar selbst noch zum Schuss kam - hielt stand. Torhüter Olaf Foerster musste zwar elf Mal eingreifen, doch er blieb ruhig wie ein Mann, der weiß, dass seine Vorderleute heute einfach mehr Lust auf Fußball haben. Kurios am Rande: Robin Schüler sah schon in der 18. Minute Gelb, blieb danach aber der Gentleman unter den Flügelspielern. "Ich hab dem Schiri dann einfach nichts mehr erklärt", meinte er augenzwinkernd. Am Ende stand ein verdienter Sieg für Stadtallendorf, der auf dem Papier klar, auf dem Platz aber hart erarbeitet war. 4:2, vier unterschiedliche Vorlagengeber, eine geschlossene Mannschaftsleistung - und ein Publikum, das trotz klammer Finger begeistert applaudierte. "Das war ein schöner Abend für unsere Fans", sagte Trainer Stadtallendorfs in der Pressekonferenz und ergänzte trocken: "Und für meine Stimme weniger schön. Ich hab sie in der 25. Minute verloren, als Berndt das dritte Tor machte." Wirges’ Coach nahm die Niederlage sportlich: "Wenn du vier Tore kassierst, darfst du dich nicht über den Schiedsrichter beschweren. Höchstens über die eigene Defensive - aber das machen wir intern, bei Tee und Taktiktafel." So endete ein Spiel, das alles hatte: frühe Tore, hitzige Zweikämpfe, Humor auf der Bank und ehrliche Fußballarbeit auf dem Rasen. Die Fans gingen mit roten Nasen, aber warmen Herzen nach Hause - und wer weiß, vielleicht war das schon das Spiel, das Stadtallendorf endgültig in die Spitzengruppe der Landesliga 21 katapultiert. Ein Reporterfazit zum Schluss: Wenn Stadtallendorf so weitermacht, wird’s für die Gegner ungemütlich. Und für die Zuschauer ein Fest - Bratwurst hin oder her. 03.05.643987 13:20 |
Sprücheklopfer
Die Meisterschaft ist viel mehr wert als dieses Scheiß-X.
Stefan Effenberg zur Verleihung des FuX des Jahres an Emerson