De Standaard
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St. Truiden trotzt Preußen Münster - 1:1 nach wildem Kartenfestival

Es war ein Abend, der in St. Truiden noch länger nachhallen dürfte: 20.000 Zuschauer erlebten beim 1:1 gegen Preußen Münster ein Spiel, das weniger von Taktik als von Temperament geprägt war. Zwei Tore, zwei Platzverweise, drei Gelbe - und ein Gefühl, als hätte der Fußballgott an diesem 19. Spieltag der belgischen Liga seine ganz eigene Dramaturgie geschrieben.

Schon vor dem Anpfiff um 20:30 Uhr schien die Luft elektrisiert. "Wir wussten, dass Münster über die Flügel kommen will", meinte St. Truidens Rechtsverteidiger Ake Sundström, der später noch eine Hauptrolle spielen sollte - nicht nur sportlich, sondern auch farblich, denn Gelb passte an diesem Abend hervorragend zu seinem Trikot.

Die Gäste aus Deutschland begannen wie eine Dampflok, die Bremsen vergessen hatte. Bereits in den ersten 20 Minuten feuerten sie vier Mal aufs Tor - Ersen Dilmen, Jason Van Moer und Lewis Hennessy prüften die Reflexe von Keeper Benjamin Veesaert. Der hatte alle Hände voll zu tun, hielt aber, wie er später lächelnd erklärte, "einfach alles, was nicht zu fest geschossen war".

Und dann kam Minute 33: Aus dem Nichts, aus der ersten wirklichen Offensivaktion der Hausherren überhaupt, segelte eine Flanke von Sundström in den Strafraum. Traianos Galakos stieg hoch, nickte den Ball wuchtig ins lange Eck - 1:0 für St. Truiden. Ein Tor wie ein Donnerschlag. "Ich hab’ einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass er reingeht", grinste Galakos später.

Doch die Freude dauerte ganze sechs Minuten. Münster antwortete prompt, diesmal nach einem ruhenden Ball. Innenverteidiger Zekeriya Bilgin verlängerte eine Hereingabe per Kopf, und Ersen Dilmen stocherte das Leder über die Linie - 1:1 (39.). "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", lachte Trainer Waldemar Reger nach der Partie, "aber Ersen hat offenbar den längeren Atem."

Kurz vor der Pause wurde es dann bunt: Sundström kassierte für ein rustikales Einsteigen die Gelbe Karte, und Münster wechselte gleich doppelt - unter anderem kam der 20-jährige Keeper Thomas Van Guyse zu seinem Debüt. "Ich war nervöser als bei meiner Fahrprüfung", gab er nachher zu, "aber immerhin musste ich diesmal keinen Kreisverkehr meistern."

Die zweite Hälfte begann, wie die erste aufgehört hatte: Münster drückte, kombinierte, schoss - 13 Abschlüsse insgesamt, während St. Truiden sich mit einem einzigen begnügte. Doch was half’s? Der Ball wollte einfach nicht mehr rein. Veesaert im Tor wuchs endgültig zum Helden des Abends heran; selbst als Dilmen in der 88. Minute aus spitzem Winkel abzog, war der belgische Schlussmann zur Stelle.

Dann, Minute 78, die Szene, die alles veränderte: Münsters Bilgin, bis dahin zweikampfstark, aber unauffällig, ging mit gestrecktem Bein in Galakos hinein - Rot! Das Stadion tobte, und Trainer Reger gestikulierte wild an der Seitenlinie. "Da war der Ball schon halb im Nachbarland", schimpfte er später, "aber gut, der Schiri hatte wohl Adleraugen."

Kaum hatte sich die Aufregung gelegt, sah St. Truidens Abwehrchef Alexander De Ryck erst Gelb (81.) und kurz vor Schluss Gelb-Rot (89.) - ironischerweise wegen Zeitspiels, obwohl sein Team längst froh war, überhaupt noch Zeit zu haben. "Ich wollte nur den Ball sauber legen", verteidigte sich De Ryck, "aber der Schiedsrichter wollte wohl Feierabend."

So endete ein hitziges Duell mit einem 1:1, das keinem so richtig schmeckte. Münster hätte nach Chancen klar gewinnen müssen, St. Truiden hätte sich nach dem Platzverweis fast noch selbst geschlagen - und beide Trainer wirkten nach Abpfiff, als hätten sie gerade ein Drei-Gänge-Menü aus Zitrone, Chili und Aspirin serviert bekommen.

"Unser Passspiel war wie belgische Schokolade - manchmal zu süß, manchmal zu klebrig", sagte Reger mit einem bitteren Lächeln. Sein Gegenüber, der belgische Coach (der offenbar lieber anonym blieb), fasste es pragmatischer: "Ein Punkt ist ein Punkt. Und wenn man nur einmal aufs Tor schießt, muss man halt treffen."

Unterm Strich bleibt ein Spiel der verpassten Gelegenheiten - und eines, das zeigte, dass Statistik nicht alles ist: 52 Prozent Ballbesitz, 13 Abschlüsse, ein Tor - das war Münster. 48 Prozent Ballbesitz, ein Schuss, ein Tor - das war St. Truiden. Oder, wie es ein Fan auf der Tribüne trocken formulierte: "Effizienz schlägt Ästhetik - zumindest bis zur nächsten Gelb-Roten."

Und so verabschiedeten sich beide Teams in die belgische Januar-Nacht: St. Truiden erleichtert, Münster frustriert, der Schiedsrichter vermutlich froh, dass er seine Karten jetzt wieder in der Tasche lassen darf. Bis zum nächsten Mal - wenn Fußball wieder beweist, dass Logik auf dem Platz nur selten mithält.

27.08.643987 03:37
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