Noticiero VeneVision
+++ Sportzeitung für Venezuela +++

Sporting Petare verzweifelt am Beton von Maracaibo

Es war ein lauer Abend in Petare, 49.412 Fans hatten sich eingefunden, um ihre Mannschaft am 13. Spieltag der 1. Liga Venezuela zum Sieg zu schreien. Am Ende aber stand ein 2:3 gegen CF Maracaibo - und viele zerknirschte Gesichter auf den Rängen. "Wir haben das Spiel gemacht, aber die Tore schießen die anderen", knurrte Sporting-Trainer Marcel Skupzig nach dem Abpfiff. Man konnte ihm nicht widersprechen.

Denn die Zahlen erzählen eine Geschichte, die so alt ist wie der Fußball selbst: 56 Prozent Ballbesitz, 16 Schüsse aufs Tor - und trotzdem verloren. CF Maracaibo dagegen, das Team von Taktikfuchs Sprego Boss, hatte kaum 43 Prozent Ballbesitz und nur acht Torschüsse, aber drei davon saßen. Effektivität in Reinkultur - oder Glück, je nachdem, wen man fragte.

Dabei begann alles so vielversprechend. In der 24. Minute zirkelte Francisco Adao nach schöner Vorarbeit von Oliver Abercrombie den Ball trocken ins Eck - 1:0 für Sporting. Das Stadion bebte, Kinder winkten mit Fahnen, und jemand in der Pressetribüne schrieb schon "Pflichtsieg" in die Überschrift.

Doch dann passierte, was Petare-Fans nur zu gut kennen: ein kurzer Moment der Schläfrigkeit, und schon klingelte es hinten. Acht Minuten später, in der 32. Minute, traf Ramon Andrade nach Pass von Xabi Salinas - 1:1. Andrade jubelte mit ausgestreckten Armen vor der Kurve, während Salinas sich das Trikot über den Kopf zog und dafür vom Schiedsrichter einen missmutigen Blick kassierte.

Und als alle schon auf die Halbzeitpause warteten, kam der nächste Nackenschlag: In der 44. Minute rauschte Rechtsverteidiger Nevio Olazabal heran und drosch den Ball nach Vorlage - wieder von Salinas - humorlos unter die Latte. 1:2. Die Fans von Petare rieben sich die Augen: Ein 33-jähriger Verteidiger als Vollstrecker? "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", lachte Olazabal später. "Aber wenn er kommt, warum nicht?"

Skupzig reagierte in der Pause mit drei Wechseln und viel Gestik. "Wir wollten frischen Wind bringen", erklärte er. "Und vielleicht etwas weniger Chaos im Strafraum." Tatsächlich lief Sporting nach Wiederanpfiff wütend an, presste hoch, kombinierte gefällig - aber das Tor fiel auf der anderen Seite.

In der 63. Minute, kurz nach der Einwechslung des 20-jährigen Nelson de los Reyes, entwischte der flinke Finne Kari Suhonen der Petare-Abwehr und traf eiskalt zum 1:3. Der Jubel der Gäste war laut, aber kurz - man spürte, dass hier noch nichts entschieden war.

Denn Petare gab nicht auf. Carl Nene, der bereits in der ersten Halbzeit mit Schüssen um sich geworfen hatte wie ein Westernheld in der Mittagssonne, versuchte es wieder und wieder. In der 85. Minute belohnte er sich endlich: Nach Vorarbeit des eingewechselten Alfonso Melendez drückte er den Ball über die Linie - 2:3! Das Stadion erwachte noch einmal zum Leben, Trommeln dröhnten, und irgendwo rief eine Stimme: "Jetzt packen wir sie!"

Aber Maracaibo blieb cool. Sprego Boss stand stoisch an der Seitenlinie, Hände in den Taschen, und rief ab und zu "Lang spielen!", was seine Spieler offenbar wörtlich nahmen. "Wir wussten, dass sie kommen würden", sagte Boss später. "Aber wer hinten gut steht, darf vorne träumen."

Sporting drückte, flankte, schoss - insgesamt sechzehn Mal, aber immer wieder landete der Ball in den Armen von Keeper Manuel Semprun oder flog knapp vorbei. Als der Schiedsrichter nach 93 Minuten abpfiff, sank Adao auf die Knie. "So viele Chancen, und doch leer ausgegangen", murmelte er.

Die Statistik sprach für Petare, das Ergebnis für Maracaibo. Und während Skupzig noch über vergebene Möglichkeiten grübelte, grinste Boss in die Kameras: "Das war kein schönes Spiel, aber ein gutes Ergebnis."

Vielleicht ist das das Fazit dieses Abends: Schönheit schießt keine Punkte. CF Maracaibo hat aus wenig viel gemacht, Sporting Petare aus viel zu wenig.

Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions sagte, während er seine Fahne zusammenrollte: "Wir hätten gewinnen müssen. Aber müssen tun viele - gewinnen tun die anderen."

Und so leuchtet über Petare wieder dieser kleine Satz in der Tabelle: "Unnötige Niederlage." Doch wer weiß - vielleicht wird ja irgendwann aus Ballbesitz wieder Erfolg. Bis dahin bleibt das Gefühl, ein gutes Spiel gesehen zu haben - nur eben von der falschen Seite des Ergebnisses.

06.06.643987 22:46
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