// Startseite
| Noticiero VeneVision |
| +++ Sportzeitung für Venezuela +++ |
|
|
|
Petare, 29. Januar 2026 - Ein lauer Abend, ein volles Stadion und zwei Mannschaften, die offenbar beschlossen hatten, dass Verteidigen völlig überbewertet ist. 54.385 Zuschauer sahen ein 2:1-Spektakel zwischen Sporting Petare und Estella Roha, das so viel Pfeffer hatte, dass selbst der Linienrichter zwischendurch nach Wasser verlangte. Schon in der ersten Minute setzte es Gelb für Estellas Linksaußen Felix Sorglos - der ironischerweise alles andere als sorglos zur Sache ging. "Ich wollte nur zeigen, dass wir da sind", sagte er nach der Partie mit einem Grinsen, das sein Trainer Christian Jonack weniger charmant fand. "Das war kein Zeichen, das war ein Tritt", knurrte der Coach später in der Pressekonferenz. Sporting Petare übernahm von Beginn an die Initiative. Offensiv, aggressiv, mit dem Mut derer, die offenbar nie an Rückpässe glauben. In der 11. Minute dann der erste Jubelorkan: Pekka Aaltonen legte mit einem blitzsauberen Pass auf, und José Verdasco schob den Ball eiskalt zum 1:0 ins Netz. "Ich hab gedacht, der Torwart bewegt sich noch - tat er aber nicht", lachte Verdasco später, während er sich von den Fans feiern ließ. Doch Estella Roha ließ sich nicht aus dem Konzept bringen. Francisco Bernal, der Mittelstürmer mit der Ruhe eines Zen-Mönchs und dem Schuss eines Presslufthammers, schlug in der 31. Minute zurück. Nach schöner Vorarbeit des 18-jährigen Silvestre Eusebio traf er zum 1:1-Ausgleich. "Ich hab den Ball einfach gespürt", meinte Bernal kryptisch - was offenbar bedeutet: Er wollte draufhauen, hat getroffen, und gut war’s. Statistisch lag Estella zur Pause mit 54 Prozent Ballbesitz leicht vorn, aber Sporting hatte die klareren Chancen - 19 Schüsse auf das Tor sprechen eine deutliche Sprache. Trainer Marcel Skupzig lobte dennoch verhalten: "Wir hätten schon zur Halbzeit führen müssen. Aber wenigstens hat keiner versucht, den Ball mit der Hacke ins eigene Tor zu befördern." Nach dem Seitenwechsel drehte Sporting richtig auf. Das Pressing wurde intensiver, der Einsatz härter - und das Stadion lauter. In der 51. Minute fiel der Siegtreffer: Der quirlige Rahman Tütüneker tankte sich über rechts durch und legte punktgenau auf Sergi Capucho, der aus der Drehung traf. 2:1 - und das Stadion bebte. Capucho kassierte später zwar noch Gelb (Minute 58), aber das störte niemanden. "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch defensiv kann", witzelte er nach dem Spiel. Estella Roha rannte an, doch der Ball wollte einfach nicht mehr ins Tor. Bernal scheiterte mehrfach an Keeper Caio Maniche, der über sich hinauswuchs und sich nach der Partie mit einem Augenzwinkern als "der brasilianische Fels von Petare" bezeichnete. Die Schlussphase war dann eine Mischung aus Drama und Improvisation. In der 71. Minute wechselte Skupzig gleich doppelt: Giuseppe Caloveto kam für Verdasco und Oscar Stack ersetzte Mathias Siebert. Caloveto fügte sich sofort ein, prüfte den Torhüter zweimal (75. und 85. Minute), traf aber nur das Fangnetz. In der 88. Minute kam noch Carl Nene für Capucho - vermutlich, um die Uhr zu töten, was ihm auch hervorragend gelang. Estella Roha hingegen sammelte weiter Gelbe Karten wie Briefmarken: Costinha (77.) und Galvez (86.) sahen ebenfalls Gelb. "Wir wollten Druck machen, aber der Schiri hatte wohl andere Pläne", murrte Jonack. Als der Schlusspfiff ertönte, wirkte Skupzig erleichtert. "Das war ein Sieg des Willens - und vielleicht ein bisschen des Zufalls", gab er zu. "Aber wenn man 19 Mal aufs Tor schießt, darf man auch mal Glück haben." Die Fans sahen es ähnlich: Jubel, Gesänge, Fackeln - Petare feierte, als wäre der Titel schon sicher. Dabei war es "nur" der 28. Spieltag der 1. Liga Venezuela. Doch wer Sporting Petare kennt, weiß: kleine Siege werden hier groß gelebt. Und Estella Roha? Die traten enttäuscht ab, aber nicht ohne Würde. Bernal versprach: "Wir kommen zurück. Vielleicht nicht morgen, aber bald. Und dann nehmen wir auch die Gelben Karten wieder mit." Fazit des Abends: Leidenschaft schlägt Ballbesitz, Humor hilft über Gelb hinweg, und manchmal ist Fußball eben genau das - ein herrlich unberechenbares Chaos mit einem Ball in der Mitte. 09.12.643987 06:37 |
Sprücheklopfer
Vieles was darin geschrieben wurde, ist auch wahr.
Werner Lorant über sein Buch 'Eine beinharte Story'