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Es war einer dieser Abende, an denen der Fußball seine unbarmherzige Seite zeigt. Der FC Lubin machte das Spiel, SK Pruszkow machte das Tor - und zwar spät, sehr spät. In der 88. Minute war es der 19-jährige Zbigniew Spizak, der mit jugendlicher Unbekümmertheit das tat, was 20 000 Zuschauer im Stadion eigentlich von der Heimmannschaft erwartet hatten: er traf. Endstand 0:1, und Lubin dürfte sich noch tagelang fragen, wie das passieren konnte. Dabei hatte alles recht verheißungsvoll begonnen. Schon nach drei Minuten prüfte Louis Badham den Pruszkower Torhüter Pedro Sousa mit einem satten Schuss aus 18 Metern - ein Wachmacher für alle, die noch an der Stadionwurst kauten. Lubin dominierte in der Folge, hielt mit 54 Prozent Ballbesitz den Ball meist in den eigenen Reihen und ließ ihn zirkulieren, als ginge es um einen Schönheitswettbewerb im Mittelfeld. Nur: Schönheit schießt keine Tore. Pruszkow hingegen lauerte auf Momente. Und sie kamen. Amadeus Kowalik (12.), Dario Poggi (17.) und Constantin Furtok (19.) prüften den Lubiner Keeper Burak Ogaza gleich mehrfach. "Wir wussten, dass Lubin gerne den Ball hat. Also ließen wir ihn ihn haben", grinste Pruszkow-Trainer Stefan Petruck nach dem Spiel. Ein Satz, der so trocken war wie der Rasen an diesem frischen Märzabend. Zur Halbzeit stand es 0:0, aber man hatte das Gefühl, dass irgendwas in der Luft lag - vielleicht ein Tor, vielleicht nur die kalte Abendluft. Lubin kam mit Elan aus der Kabine, doch das Tor blieb wie vernagelt. Slawomir Zurawski scheiterte in der 41. Minute aus spitzem Winkel, Bartosz Trytko kurz vor der Pause per Kopf. Trainer Petruck stand in der Coaching-Zone und kaute nervös an seiner Jacke - oder war es Kaugummi? Die zweite Halbzeit brachte zunächst mehr Gelb als Glanz. Erst sah Pruszkows Innenverteidiger Ilja Malachow früh Gelb (15.), später traf es den jungen Philip Szamotulski (65.), ehe auch Lubins Erland Gregersen (84.) den Karton sah - passenderweise kurz vor dem entscheidenden Gegentor. Gregersen stapfte danach Richtung Linienrichter und murmelte etwas, das nicht für Kinderohren bestimmt war. Während Lubin weiter kombinierte, wechselte Petruck klug. Mit 73 Minuten kam der junge Spizak für den müden Kowalik - und der Rest ist, nun ja, Geschichte. In der 88. Minute startete der 19-Jährige über rechts, bekam den Ball von seinem Verteidiger Vitorino Mascarenhas, nahm ihn mit der Brust an, schaute kurz, und drosch ihn dann eiskalt ins lange Eck. "Ich hab einfach draufgehauen", sagte Spizak später schüchtern. "Der Trainer meinte, ich soll mutig sein. Ich dachte, schlimmer als daneben geht nicht." Lubin versuchte es danach noch einmal mit allem, was sie hatten - was allerdings nicht viel war: ein Weitschuss von Gregersen in der Nachspielzeit, der aber eher ins Abendprogramm der Balljungen passte. "Wir hatten alles im Griff - außer das Ergebnis", knurrte Lubins Kapitän Michail Wisio nach dem Schlusspfiff. Sein Trainer, der sich lieber nicht zitieren lassen wollte, soll in der Kabine deutlich geworden sein. Nur so viel sickerte durch: Die Wände halten. Statistisch gesehen war Lubin dem Gegner leicht überlegen - zumindest auf dem Papier. 54 Prozent Ballbesitz, sieben Torschüsse, eine Tacklingquote von 45 Prozent. Das klingt nach Kontrolle, aber Kontrolle ist eben kein Garant für Punkte. Pruszkow kam dagegen auf 16 Schüsse, also mehr als doppelt so viele - und bewies, dass Quantität manchmal doch Qualität schlägt. Die 20 000 Zuschauer im Stadion gingen mit gespaltenen Gefühlen nach Hause. Einige applaudierten sogar dem jungen Spizak, der nach dem Spiel noch von seinen Teamkollegen in die Luft geworfen wurde. "Er ist unser Babyface-Killer", witzelte Mitspieler Jerzy Zurawski, der mit 34 Jahren als Mannschaftsopa gilt. So bleibt ein Abend, der in Lubin noch lange für Gesprächsstoff sorgen dürfte. Ein Spiel, das man hätte gewinnen, vielleicht sogar klar gewinnen können - und dann durch einen einzigen Moment verliert. Fußball kann grausam sein. Aber manchmal ist er eben auch einfach schön, wenn man Zbigniew Spizak heißt. Und irgendwo in Pruszkow wird ein 19-Jähriger heute Nacht mit einem Lächeln einschlafen - während in Lubin vermutlich niemand ruhig schläft. 30.07.643993 09:22 |
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