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Es war einer dieser Abende, an denen der Fußball seine ganz eigene Grausamkeit entfaltet. 16.000 Zuschauer im Estadio Gran Canaria hatten sich schon mit einem torlosen Unentschieden abgefunden, als der 18-jährige Jamie Wyler in der 87. Minute die Bühne betrat - und sie gleich in Brand setzte. Der Youngster von UD Elche schlenzte den Ball nach feinem Zuspiel von Routinier Daniel Bernard ins rechte Eck. 0:1, Endstand. Und während die Gäste jubelten, blickten die Hausherren vom Gran Canaria FC konsterniert auf die Anzeigetafel. Dabei hatte das Spiel alles andere als nach einem späten Drama ausgesehen. In der ersten Halbzeit belauerten sich beide Teams, als ginge es um das letzte Stück Tapas in der Bar. Gran Canaria kam über Joseba Baro und Ivan Muno zu ein paar Halbchancen (1., 32., 38. Minute), doch Elches Keeper Duarte Derlei blieb weitgehend beschäftigungslos - zumindest so beschäftigt wie ein Student im Pflichtseminar. "Wir wollten kontrolliert spielen, nicht kopflos", meinte Gran-Canaria-Kapitän Volker Holz später mit leichtem Seufzer. Elche dagegen zeigte von Beginn an, dass sie mehr wollten. Mit 13 Torschüssen - mehr als doppelt so viele wie der Gegner - und 54 Prozent Ballbesitz bestimmten sie das Geschehen. Daniel Bernard, der 31-jährige Taktgeber im Mittelfeld, zog die Fäden, mal über die Mitte, mal über die Flügel. "Wir wussten, dass Gran Canaria tief steht. Also mussten wir geduldig sein", erklärte Trainer Mike Johnson nach dem Spiel. Geduldig - und ein wenig frech: Schon in der 4. Minute prüfte Bernard den Heimkeeper James Graves, später folgten Abschlüsse von Veloso (10.), Hernando (12.), Assis (19.) und wieder Bernard (31.). Doch Tore blieben Mangelware - bis zur Schlussphase. Der junge Javi Hernando holte sich in der 67. Minute noch Gelb ab, weil er Xavi Gutierre etwas zu stürmisch den Ball abjagen wollte. Daniel Bernard hatte schon drei Minuten zuvor den Karton gesehen, ebenfalls Gelb - für ein taktisches Foul, das er mit einem Lächeln quittierte: "Ich wollte nur mal Hallo sagen." Als die Minuten verrannen, schien das Spiel auf ein 0:0 zuzusteuern. Gran Canaria warf noch einmal alles nach vorn, Ivan Muno prüfte in der 78. Minute den Elche-Keeper, und in der 89. Minute hatte Joseba Baro den Ausgleich auf dem Fuß - doch Derlei reagierte glänzend. Dann kam die 87. Minute. Bernard eroberte den Ball im Mittelfeld, sah Wyler startend auf der linken Seite, und der 18-Jährige tat, was man in diesem Alter manchmal einfach tut: nicht lange nachdenken. Ein Schlenzer, ein Raunen, ein Tor. "Ich hab gar nicht richtig gesehen, wie er reinging", grinste Wyler nach Abpfiff. "Ich wollte einfach schießen, weil der Trainer immer sagt, wir sollen mutig sein." Trainer Johnson lachte nur: "Na also, einer hört mir wenigstens zu." Gran Canarias Coach - der nach Spielende lieber kein Mikrofon vor der Nase hatte - soll in der Kabine gesagt haben: "Wenn man so viele Chancen liegen lässt, braucht man keinen Gegner." Seine Spieler wirkten niedergeschlagen, aber nicht zerbrochen. "Wir haben gut verteidigt, aber im letzten Drittel fehlte die Präzision", murmelte Rechtsverteidiger Gutierre, der in der Nachspielzeit noch Gelb sah (92.). Statistisch betrachtet war der Sieg der Gäste verdient. 54,4 Prozent Ballbesitz, 13:6 Torschüsse, mehr Zweikampfhärte - Elche zeigte die reifere Leistung. Und doch: Es war kein Spektakel, sondern ein Lehrstück in Geduld. Wer am Ende jubelte, war der, der hartnäckiger blieb. Vielleicht war es sinnbildlich, dass der jüngste Spieler auf dem Platz den Unterschied machte. Wyler, 18 Jahre jung, feierte sein erstes Zweitliga-Tor - und das auswärts, unter Flutlicht, auf den Kanaren. "Ich werde heute nicht schlafen", gestand er in der Mixed Zone, während ihm Mitspieler Bernard scherzhaft die Schulter tätschelte: "Dann träum wenigstens von der Tabelle." UD Elche klettert mit diesem Sieg weiter nach oben, während Gran Canaria FC im grauen Mittelfeld verharrt. Die Fans der Insel-Elf verabschiedeten ihre Mannschaft mit höflichem Applaus - vielleicht auch, weil man spürte, dass hier mehr drin war. Und irgendwo im Stadiongang sagte ein älterer Zuschauer, halb schmunzelnd, halb resigniert: "Wir spielen, als würden wir die Sonne schonen wollen." Vielleicht braucht Gran Canaria FC einfach ein bisschen Regen - oder wenigstens ein bisschen mehr Mut vor dem Tor. 14.05.643987 22:13 |
Sprücheklopfer
Verstärken können die sich, aber nicht auf der rechten Seite. Da bin ich. Ich komme selber aussem Pott. Mein Vater war auf der Hütte. Wenn ich wieder fit bin, zeig ich denen, wat malochen heißt.
Torsten Legat