L’Equipe
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Spätes Glück für Nancy - Bachellier stiehlt Cannes den Abend

Manchmal reicht ein einziger Moment, um einen ganzen Fußballabend umzuschreiben. Am Freitagabend im Stade Pierre-de-Coubertin war es die 82. Minute, als Jean Bachellier, der flinke Rechtsaußen des FC Nancy, die 32.000 Zuschauer kollektiv erstarren ließ - die einen vor Freude, die anderen vor Fassungslosigkeit. Sein Treffer bedeutete den 1:0-Auswärtssieg gegen AS Cannes, ein Ergebnis, das wohl noch eine Weile in den Köpfen der Fans nachhallen dürfte.

Dabei hatte eigentlich alles danach ausgesehen, als würde Cannes das Spiel kontrollieren. 51,9 Prozent Ballbesitz, acht Torschüsse, und zwischendurch Szenen, die nach mehr schmeckten - nur das Tor blieb aus. Esteban Carvalho prüfte bereits in der ersten Minute Nancys Keeper Connor McGowan mit einem satten Flachschuss, den dieser mit einer Mischung aus Glück, Reflex und Akrobatik parierte. "Ich musste mich schon strecken, aber das war ein schöner Start ins Spiel", grinste McGowan später, als müsse er sich selbst dafür loben, dass er nach 90 Minuten immer noch ein sauberes Trikot trug - na ja, fast.

Cannes versuchte es weiter, über beide Flügel, mit dem quirligen Göran Johnsen auf rechts und Henri Pelletier auf links. In der 29. Minute zirkelte Pelletier den Ball so knapp am Pfosten vorbei, dass selbst der Linienrichter kurz nach Luft schnappte. "Wir hätten früher das 1:0 machen müssen", maulte AS-Coach (dessen Name man sich an diesem Abend besser nicht merken musste) nach dem Spiel, "aber wenn du vorne nicht triffst, bekommst du hinten irgendwann die Quittung."

Diese Quittung kam - in Gestalt eines blitzsauberen Konters. Nancy, bis dahin defensiv wie eine Betonwand, lauerte auf genau diese eine Gelegenheit. Didier Lamarliere, der bereits in der 19. Minute Gelb gesehen hatte, weil er eher einen Gegner als den Ball abgeräumt hatte, schlug einen weiten Ball nach vorn. Bachellier startete durch, nahm den Pass mit der Brust, ließ Cannes-Verteidiger Lucas Krug alt aussehen und drosch die Kugel aus 14 Metern flach ins Eck. 1:0, und plötzlich war das Stadion leise.

"Ich habe einfach nur draufgehalten", erklärte der Torschütze hinterher mit einem verschmitzten Lächeln. "Didier sagt immer, ich solle öfter laufen - diesmal hab ich’s gemacht." Trainer Manuel Schaminet grinste daneben: "Wir spielen defensiv, ja, aber nicht zum Einschlafen. Wir warten auf unsere Momente, und Jean hat ihn genutzt."

Nancy hatte insgesamt 15 Torschüsse, Cannes nur acht. Die Gäste wirkten abgebrühter, geduldiger, fast stoisch. Ihr Taktikzettel hätte auch von einem Zen-Meister stammen können: defensive Ausrichtung, kein Pressing, keine Hektik, einfach atmen und auf den Fehler des Gegners warten. Cannes hingegen suchte die Balance, fand aber eher das Gleichgewicht zwischen Hoffnung und Verzweiflung.

In der Nachspielzeit wurde es noch einmal wild. Erst sah Nancys Rechtsverteidiger Gérard Gauthier Gelb, weil er einen Konter mit einem rustikalen Griff ins Trikot stoppte ("Ich wollte nur helfen, die Uhr runterzuspielen", sagte er ehrlich). Dann kam Cannes in der 94. Minute tatsächlich noch zu einer letzten Chance: Johnsen, der unermüdliche Flügelflitzer, zog aus spitzem Winkel ab - doch McGowan stand wieder goldrichtig.

Der Schlusspfiff klang für Cannes wie ein Wecker, der viel zu früh klingelt. Für Nancy dagegen war es Musik. Die Spieler fielen sich in die Arme, Bachellier tanzte mit Lamarliere wie auf einer Hochzeitsfeier, und Trainer Schaminet klatschte seelenruhig mit den Fans ab.

"Wir haben gezeigt, dass man nicht 70 Prozent Ballbesitz braucht, um ein Spiel zu gewinnen", sagte er später auf der Pressekonferenz. "Manchmal reicht ein Pass, ein Lauf, ein Schuss."

Und Cannes? Die Spieler schlichen vom Platz, während einige Fans noch pfiffen, andere tapfer applaudierten. Carvalho kommentierte trocken: "Wenn man 90 Minuten klopft und keiner macht auf, sollte man vielleicht mal am anderen Tor versuchen."

So bleibt Cannes trotz couragiertem Auftritt punktlos und Nancy jubelt über einen Auswärtssieg, der in seiner Schlichtheit fast poetisch war. Fußball kann grausam sein - aber manchmal ist er einfach ehrlich.

Vielleicht bringt’s der nächste Spieltag besser. Oder, wie ein Zuschauer beim Hinausgehen seufzte: "Wir haben’s ja versucht." Und manchmal, das wissen alle im Stadion, ist das im Fußball schon die halbe Miete - nur leider keine Punkte wert.

30.09.643987 19:18
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He, Brrrand, du - du bist doch bolitisch, bist du doch, du Grüner, machst auf sozial und hetzt hier den Schirri gegen uns auf.
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