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Es war einer dieser Abende, an denen Fußballgötter offenbar Spaß daran haben, mit menschlichen Nerven zu spielen. 29.831 Zuschauer im frostigen Montreal-Stadion sahen am 16. Spieltag der 1. Liga Kanada ein Duell zwischen Montreal Power und den Quebec Blues, das in der 93. Minute entschieden wurde - natürlich gegen die Heimmannschaft. 0:1 hieß es am Ende, ein Ergebnis, das Montreal-Coach Cristiano Ronaldo nach Abpfiff nur kopfschüttelnd quittierte: "Wenn du 92 Minuten lang alles im Griff hast und dann so ein Ding kassierst, willst du einfach nur den Rasen fressen." Der portugiesische Superstar, seit dieser Saison an der Seitenlinie, klang dabei eher wie ein enttäuschter Stürmer als ein Stratege. Dabei hatte das Spiel eher schleppend begonnen. Quebecs Guillaume Williamson prüfte Montreals Keeper Michel Castel schon in der 8. und 12. Minute mit zwei ordentlichen Distanzschüssen - der eine flog über die Latte, der andere direkt in Castels Arme. Danach passierte lange Zeit wenig, außer dass Joseba Escudero nach 19 Minuten Gelb sah, weil er offenbar vergessen hatte, dass Trikottauschen erst nach dem Spiel erlaubt ist. Montreal tat sich schwer, ins Spiel zu finden. Zwar hatten sie mit 48 Prozent Ballbesitz fast Gleichstand, doch die Blues wirkten zielstrebiger - neun Torschüsse gegenüber sechs der Gastgeber sprechen eine klare Sprache. Quebec kombinierte gefällig, Montreal verteidigte diszipliniert, aber ohne Esprit. "Wir wollten kompakt stehen, aber irgendwann stand halt nur noch der Bus", witzelte Montreals Verteidiger Erland Molgaard später. Die beste Szene der ersten Halbzeit gehörte Montreal: Rechtsverteidiger Henrick Barhydt zog in der 13. Minute einfach mal ab - der Ball rauschte nur knapp am Pfosten vorbei. Quebecs Trainer Gerd Froebe kommentierte das trocken: "Da hab ich kurz vergessen zu atmen. Dann hab ich’s wieder gelassen - war eh vorbei." Nach der Pause nahm das Spiel kurz an Fahrt auf. Montreals junger Mittelfeldspieler Kamil Zytko, zarte 17 Jahre alt, hatte in der 60. und 61. Minute gleich zwei gute Gelegenheiten. Doch Quebecs Torwart Martin Gontan reagierte wie ein Eishockey-Goalie - schnell, laut und unbarmherzig. "Ich hab einfach gehofft, er schießt dahin, wo ich schon stehe", grinste Gontan nach Schlusspfiff. Hoffnung erfüllt. Dann kam die 78. Minute und der Schockmoment: Michel Castel, Montreals Keeper, verletzte sich bei einem unglücklichen Zusammenprall. Der junge Ersatzmann Alkinoos Konstantinou, gerade einmal 20, musste ran - und machte seine Sache bis zur Nachspielzeit tadellos. Fast tadellos. Denn dann kam Evan Reid. Der 30-jährige Rechtsaußen der Blues, bis dahin eher unauffällig, verwertete in der 93. Minute eine flache Hereingabe von Karl Berger eiskalt. Ein Schuss, trocken, präzise, unhaltbar. 0:1. Das Stadion verstummte, nur der Gästeblock explodierte. Froebe rannte an der Seitenlinie entlang wie ein Teenager beim ersten Konzert seiner Lieblingsband. "Ich hab’s ehrlich nicht mehr erwartet. Aber Evan ist halt einer, der lieber spät arbeitet als gar nicht", lachte der Trainer. Montreal versuchte in den letzten Sekunden noch einmal alles, brachte mit dem 17-jährigen Laurent Deschanel frische Beine für den müden Emilio Ferreira - doch die Schlussoffensive blieb aus. Vielleicht, weil die Köpfe längst unten waren. Statistisch gesehen war das Spiel ausgeglichen: 48,5 Prozent Ballbesitz für Montreal, 51,5 Prozent für Quebec. Beide Teams neutralisierten sich über weite Strecken, doch die Blues zeigten das Quäntchen mehr Entschlossenheit - und hatten am Ende den einzigen, der wirklich wusste, wo das Tor steht. "Wir müssen lernen, bis zur letzten Sekunde wach zu bleiben", sagte Ronaldo nach dem Spiel. Froebe konterte mit einem Lächeln: "Oder einfach bis zur letzten Sekunde glücklich." Die Quebec Blues festigen mit diesem späten Sieg ihren Platz im oberen Tabellendrittel, während Montreal Power weiter nach Form sucht - oder nach einem Tor, das länger als 92 Minuten Bestand hat. Und irgendwo in der Kabine summte Evan Reid leise vor sich hin - vermutlich keine Hymne, sondern einfach das zufriedene Brummen eines Mannes, der weiß, dass er den Blues in Montreal perfekt gespielt hat. 11.07.643987 18:08 |
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