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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob das Schicksal Humor hat - oder einfach nur einen seltsamen Sinn für Timing. 44.692 Zuschauer auf Lanzarote sahen am Samstagabend ein Spiel, das man freundlich als "abwehrbetont" bezeichnen könnte. Und als sich alle schon mit einem torlosen Remis abgefunden hatten, kam in der 87. Minute Santa Eulalias linker Verteidiger Tomislav Budan aus dem Nichts und köpfte die Kugel ins Netz. 0:1. Ende. Lanzarote weinte, Santa Eulalia jubelte - und der Rest der Liga gähnte kurz auf und dachte: "Na endlich!" Dabei hatte sich die Partie von Beginn an einer klaren Dramaturgie verweigert. Lanzarote CF unter Trainer Meister Leverkusen verteidigte stoisch, als ginge es um den letzten Parkplatz vor dem Stadion. Die Gäste aus Santa Eulalia hingegen schossen aus allen Lagen - 21 Mal, um genau zu sein. Und doch landete der Ball 20 Mal irgendwo zwischen Vulkanasche und Zuschauerrängen. Nur einmal, kurz vor Schluss, fand er den Weg ins Glück. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass er reingeht", grinste Budan nach dem Spiel. "Und dann war er drin - vielleicht sollte ich das öfter machen." Der Torschütze, eigentlich Linksverteidiger, hatte sich bei einer Ecke nach vorne geschlichen. Sein Mitspieler Tomas Zabavnik flankte präzise, Budan stieg hoch und nickte ein. Lanzarotes Torwart Vincent Maurice streckte sich vergeblich. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte er später und starrte ins Leere, als hätte ihn der Fußballgott persönlich verhöhnt. Bis dahin hatte Santa Eulalia eine Überlegenheit an den Tag gelegt, die fast schon grotesk wirkte. Schon in der 13. Minute prüfte Oscar Kenny den Lanzarote-Keeper mit einem satten Schuss, dann folgten reihenweise Versuche von Josef Bischara, Martin Gil und Joseba Aznar - aber entweder war Maurice im Weg oder die Präzision irgendwo auf der Fähre von Ibiza verloren gegangen. "Wenn du 20 Mal draufhaust und das Ding nicht reinmachst, fängst du an, an Voodoo zu glauben", meinte Santa Eulalias Trainer Dede Dedede mit einem schiefen Lächeln. Lanzarote hingegen: ein Paradebeispiel an taktischer Konsequenz. Defensive Grundordnung, kein Pressing, kaum Risiko - ein Bollwerk aus Geduld und Beton. Ballbesitz? Mit 49 Prozent fast ausgeglichen. Torschüsse? Einer. Manuel Tiago, Innenverteidiger, versuchte sich in der 79. Minute aus der Distanz - ein Versuch, der so harmlos war, dass Santa Eulalias zweiter Torwart Diego Simao (gerade eingewechselt) ihn wohl auch mit der Kappe hätte fangen können. "Wir wollten auf Konter spielen", erklärte Trainer Leverkusen nach dem Abpfiff. "Leider kam der Ball nie in unsere Hälfte, um zu kontern." Santa Eulalia dagegen zeigte, warum man auch mit Geduld Spiele gewinnen kann. Trotz vier Gelber Karten - Leon Hunt (21.), Bruno Bedard (32.), der unermüdliche Bischara (75.) und Torschütze Budan (84.) - blieb die Mannschaft diszipliniert. Dedede wechselte spät, aber clever: In der 72. Minute kam Luís Gimenez für den müden Aznar, kurz darauf Zabavnik für Gil - und genau dieser Zabavnik war es, der die entscheidende Flanke schlug. "Dede hat uns gesagt, wir sollen dranbleiben und nicht aufhören zu glauben", erzählte Gimenez. "Ich hab ihm geantwortet: ’Chef, wir glauben schon seit 80 Minuten, irgendwann muss es ja klappen!’" Und es klappte. Als der Schlusspfiff ertönte, lagen Budan und Dedede sich in den Armen, während Lanzarotes Spieler stumm in den Boden starrten. Meister Leverkusen stapfte mit versteinertem Gesicht in die Kabine. "Wir haben fast alles richtig gemacht - außer eben das mit dem Toreschießen", sagte er später in der Pressekonferenz. Ein Satz, der in Stein gemeißelt werden könnte, so oft wie er in dieser Saison schon gefallen ist. Statistisch gesehen war es ein ungleiches Duell: 21:1 Torschüsse für Santa Eulalia, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe für die Gäste, und doch stand es bis kurz vor Schluss 0:0. Man könnte sagen: Lanzarote verteidigte heldenhaft - oder Santa Eulalia traf einfach nicht. Wahrscheinlich beides. Für Santa Eulalia bleibt ein Arbeitssieg, der mehr Mühe als Glanz brachte. "Schön war’s nicht", lachte Kapitän Bischara, "aber drei Punkte sind schöner als jedes Gemälde." Lanzarote dagegen muss sich fragen, ob man mit einer einzigen Torchance pro Spiel auf Dauer bestehen kann. Auf der heimischen Insel wird der Vulkan wohl in den nächsten Tagen wieder ruhiger sein als die Fans auf der Tribüne. So endet ein Spiel, das keiner vermissen wird - außer vielleicht Tomislav Budan. Der hat jetzt eine Geschichte, die er seinen Enkeln erzählen kann: "Einst, auf Lanzarote, hab ich das einzige Tor geschossen." Und die werden antworten: "Opa, erzähl lieber was Spannendes." 08.01.643994 12:53 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack