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Es war ein kalter Januarabend, jener 16. des Jahres 2026, an dem die 26.850 Zuschauer im ausverkauften Stadion von Höchst nicht ahnten, dass sie bis zur letzten Minute frieren und zittern würden - um dann in der 90. Minute in kollektive Ekstase auszubrechen. Der FC Höchst besiegte Austria Wels mit 1:0 und zog damit in die nächste Pokalrunde ein. Das Ergebnis liest sich nüchtern, aber was sich zwischen Anpfiff und Abpfiff abspielte, war ein Pokaldrama im klassischen Stil: viele Chancen, noch mehr Fehlpässe und ein spätes Happy End. Austria Wels begann forsch. Schon in der achten Minute prüfte Benjamin Bock, der flinke Linksaußen der Gäste, Keeper Alexandre Marchand mit einem satten Schuss - und wieder in der 14., 16. und 21. Minute. Marchand war der beschäftigste Mann auf dem Platz und ließ sich später mit einem Grinsen zitieren: "Ich hatte heute so viele Bälle auf mich zufliegen, ich fühlte mich wie ein Magnet." Trainer Ronnie Ekström nickte trocken: "Ja, aber zum Glück ein Magnet mit guten Händen." Höchst wirkte in der ersten Halbzeit erstaunlich passiv, ließ Wels den Ball laufen und sich selbst in Sicherheit wiegen. 50 zu 49 Prozent Ballbesitz - ein statistisches Patt, das sich auf dem Platz allerdings wie ein leichter Vorteil für die Gäste anfühlte. "Wir hatten das Spiel im Griff. Nur das Tor hat gefehlt", meinte Wels-Coach Großvater Dragon nach der Partie. Seine Spieler schossen zehnmal aufs Tor, aber das Netz blieb unberührt - ein Muster, das sich durch den Abend zog. In der 34. Minute meldete sich Höchst erstmals offensiv zu Wort: Adam Malfoy, der rechte Flügelflitzer mit dem Namen eines Filmcharakters, prüfte Foerster im Welser Tor. Der klärte spektakulär - und das Publikum seufzte kollektiv. Kurz vor der Pause hatte Adriano Ramallo noch eine Gelegenheit aus der Distanz, die aber genauso wirkungslos verpuffte wie die meisten Bemühungen zuvor. Zur Halbzeit stand es 0:0, und die Fans wärmten sich mit Glühwein und gepfefferten Diskussionen über den Schiedsrichter auf. Nach dem Seitenwechsel brachte Ekström frischen Wind, zumindest mental. "Ich habe den Jungs gesagt: Wenn ihr schon friert, dann lauft euch wenigstens warm!", erzählte er später mit einem Augenzwinkern. Und tatsächlich, Höchst kam besser ins Spiel. Tiago Morte hatte in der 48. und 64. Minute zwei gute Möglichkeiten, doch der Ball wollte einfach nicht rein. Wels wechselte gleich dreimal zwischen der 55. und 59. Minute - Dragon setzte auf jugendliche Frische. Der 18-jährige Alexander Schmidt kam für Uwe Schreiber, und auch Guy Bettencourt durfte ran. "Ich dachte, wir bringen ein bisschen Chaos rein", gab Dragon später zu. Das klappte auch: allerdings mehr in der eigenen Abwehr. In der 66. Minute brachte Höchst-Coach Ekström Peter Sommer, einen bulligen Mittelstürmer, der anfangs etwas verloren wirkte. "Ich wusste gar nicht, wo ich stehen sollte", gestand Sommer hinterher lachend. "Ronnie rief mir zu: ’Einfach Richtung Tor, Peter!’ - also bin ich gegangen." Und er ging richtig: Als die Uhr die 90. Minute anzeigte und die Fans schon an die Verlängerung dachten, zog Nevio Hartung auf der rechten Seite an, flankte halbhoch in den Strafraum, wo Sommer lauerte. Mit dem Rücken zum Tor, ein kurzer Dreh, ein Schuss - und plötzlich bebte die Arena. 1:0! Ein später Sieg, wie aus dem Drehbuch eines romantischen Pokalabends. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Sommer, "und gehofft, dass keiner im Weg steht. War wohl keiner." Ekström rannte jubelnd die Seitenlinie entlang, während Dragon auf der Gegenseite resigniert die Arme hob. "So ist Fußball", sagte der Welser Trainer später, "90 Minuten besser, aber 91 Sekunden unaufmerksam." Die Statistik unterstreicht den bitteren Beigeschmack für Austria Wels: zehn Torschüsse, kein Treffer. Höchst hatte nur sieben und machte daraus das Tor des Abends. Der Ballbesitz war nahezu ausgeglichen, die Zweikampfquote leicht zugunsten der Gäste - aber die Pokalformel lautet bekanntlich: Effektivität schlägt Eleganz. Im Presseraum nach dem Spiel scherzte Ekström: "Manchmal gewinnst du mit Fußball, manchmal mit Geduld. Heute mit Glück und Peter Sommer." Der Held des Abends saß neben ihm, noch leicht verschwitzt, und murmelte: "Hauptsache weiter." So zieht der FC Höchst in die nächste Pokalrunde ein - mit einem Sieg, der spät, aber verdient kam. Und während die Fans noch immer von Sommers goldenem Treffer singen, weiß man in Wels: Es gibt Niederlagen, die mehr schmerzen, weil sie so unnötig waren. Aber vielleicht, ganz vielleicht, war das einfach nur der Fußball, wie er sein soll - unberechenbar, gemein und wunderschön. 11.07.643987 14:57 |
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