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Es war einer dieser Abende im kalten Januar, an denen man sich fragt, ob das Flutlicht wirklich heller leuchtet, wenn die Hoffnung langsam schwindet. 14.702 Zuschauer im Stadion der Hull Tigers sahen ein Pokalspiel, das lange Zeit nach einem torlosen Pflichtprogramm roch - bis Antonio Hernando in der 86. Minute den Ball und die Stimmung explodieren ließ. 1:0, Arbeitssieg, Herzklopfen inklusive. Dabei begann alles recht munter. Schon nach zwei Minuten prüfte Alexander Bancroft mit einem satten Schuss die Handschuhe von Gäste-Keeper Antonio Antonio (ja, der Mann heißt tatsächlich so - Doppelname, doppelter Reflex). Auf der Gegenseite antwortete Nick Born in der 6. Minute mit einem Versuch, der eher die Tribüne als das Tornetz traf. Danach entwickelte sich eine Partie, die zwischen vorsichtigem Abtasten und unbeabsichtigter Ballbesitzgymnastik pendelte. Hull etwas dominanter (54,7 % Ballbesitz), Midlands Villa mit der besseren Körpersprache - zumindest bis zur 60. Minute, als Innenverteidiger Isaac Lankford sich eine gelbe Karte einfing und danach erst einmal so tat, als hätte er nie einen Zweikampf gesucht. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", grinste Lankford nach dem Spiel, "der Schiri wollte mir zeigen, dass er auch da ist." Trainer Mathias Oergel stand derweil an der Seitenlinie wie ein Dirigent, dem das Orchester ständig in Moll spielt. Immer wieder forderte er "mehr Mut", "mehr Tiefe", "mehr irgendwas". Die Tigers kombinierten sich zwar oft gefällig durchs Mittelfeld, doch vor dem Tor fehlte die letzte Idee. 13 Torschüsse, aber bis kurz vor Schluss kein Treffer - das sagt alles. Midlands Villa hielt mit 12 Abschlüssen tapfer dagegen, blieb aber im Abschluss so zahm wie ein Kätzchen auf Valium. Gästecoach Ron Li, ein Mann, der selten lacht, kommentierte das Geschehen nach der Partie trocken: "Wir hatten den Plan, Hull zu frustrieren. Das hat bis zur 86. Minute wunderbar funktioniert." Und tatsächlich: Erst als Oergel in der Halbzeit Hernando für den müden Lewis Payne brachte, kam so etwas wie Leben in die Offensivreihe. Der junge Ewan Caviness (18) wirbelte auf links, flankte, stolperte, kämpfte - und brachte die Fans mit seinem jugendlichen Übermut zum Schmunzeln. In der 86. Minute dann die Szene, die den Abend rettete: Bancroft, der alte Haudegen auf der linken Seite, setzte sich mit einer Finte durch, legte quer, und Hernando rauschte heran wie ein verspäteter Bus zur Rushhour. Ein Schuss, ein Jubel, ein ganzes Stadion stand Kopf. "Ich habe einfach draufgehalten", sagte der Torschütze, "und gehofft, dass der Ball nicht in den Humber fliegt." Die letzten Minuten waren dann ein einziger Nerventest. Midlands Villa warf alles nach vorn, wechselte frische Offensivkräfte ein - der 17-jährige Harvey Longfellow durfte noch ein paar Minuten Bundesliga-Luft schnuppern, pardon: Pokalluft - und Javier Martins hämmerte in der Nachspielzeit den Ball knapp über die Latte. Trainer Li verschränkte die Arme und murmelte etwas, das wohl nicht für Kinderohren bestimmt war. Statistisch gesehen war das Spiel fast ausgeglichen: Hull mit minimal mehr Ballbesitz und Schüssen, Villa mit etwas besserer Zweikampfquote (50,2 %). Doch Fußball wird bekanntlich nicht nach Prozentpunkten entschieden, sondern nach Toren - und da stand es am Ende 1:0. Im Presseraum nach dem Spiel wirkte Oergel erleichtert, aber nicht ganz zufrieden: "Wir haben es uns selbst schwer gemacht. Aber so ein Sieg in der 86. Minute - das schweißt zusammen. Und Antonio hat sich heute ein Steak verdient." Hernando grinste daneben und raunte: "Oder zwei." Was bleibt, ist ein typischer Pokalabend: viel Kampf, wenig Glanz, ein spätes Tor und jede Menge Gesprächsstoff. Die Hull Tigers sichern sich mit diesem Sieg drei wichtige Punkte in der Gruppenrunde des Liga-Pokals (2. Liga England) und dürfen weiter vom Weiterkommen träumen. Midlands Villa dagegen fährt mit leeren Händen, aber erhobenem Kopf nach Hause - immerhin war man bis kurz vor Schluss ebenbürtig. Oder, um es mit den Worten eines älteren Fans auf der Tribüne zu sagen, der seine Thermoskanne hob, als der Schlusspfiff ertönte: "War kein schönes Spiel - aber schön, dass es vorbei ist." Und manchmal ist genau das der schönste Satz eines Fußballabends. 09.04.643987 22:50 |
Sprücheklopfer
Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
Berti Vogts