Sportwoche
+++ Sportzeitung für Österreich +++

Später Knockout: Höchst siegt in Bleiburg mit späten Nadelstich

Ein kalter Februarabend, Flutlicht, 32.036 Zuschauer - und zwei Mannschaften, die sich nichts schenken wollten. Der FC Bleiburg empfing am 2. Spieltag der 1. Liga Österreich den FC Höchst, und wer nach dem frühen Schlagabtausch dachte, hier stünde ein gemütlicher Fußballabend bevor, wurde spätestens in Minute 89 eines Besseren belehrt. Denn da tauchte Robert Bossong auf, der 22-jährige Linksaußen der Gäste, und schoss Höchst zum 2:1-Auswärtssieg - eiskalt, präzise, unverschämt spät.

Dabei hatte alles so verheißungsvoll begonnen - zumindest aus Sicht der Gäste. Schon in der 9. Minute schlenzte Filippo Platania, jener Mittelfeldmotor mit italienischem Temperament, den Ball nach feiner Vorarbeit von Jacques Edgecomb ins Netz. "Ich hab einfach draufgehalten, ich schwöre, ich wollte den so gar nicht treffen", grinste Platania später, während Trainer Ronnie Ekström im Hintergrund nur trocken meinte: "Wenn er das öfter so ’nicht will’, darf er das ruhig fortsetzen."

Bleiburgs Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Zehn Minuten später, in der 19. Minute, war es Mikael Söderberg, der die Arena zum Beben brachte. Der Schwede hatte zuvor schon zweimal am Torwart gescheitert, aber diesmal passte alles: Der Pass kam von Joel Schneider, 19 Jahre jung und mit mehr Mut als Bartwuchs, Söderberg zog ab - 1:1. "Ich hab einfach gespürt, dass es jetzt knallen muss", sagte er später mit einem schelmischen Lächeln.

Von da an übernahm Bleiburg das Kommando. 14 Torschüsse insgesamt, satte 56 Prozent Ballbesitz - das Team von Trainer Siegi Kowa dominierte das Mittelfeld, suchte über links den Weg nach vorn und schnürte Höchst phasenweise ein. Nur der Ertrag blieb aus. "Wir haben sie laufen lassen wie beim Intervalltraining", knurrte Kowa nach dem Spiel, "aber Tore zählen halt mehr als Laufleistung."

Höchst dagegen blieb geduldig, lauerte auf Konter und hatte mit Platania und dem unermüdlichen Lajos Kocsis zwei Dauerläufer, die jeden zweiten Ball jagten. Je länger das Spiel dauerte, desto deutlicher wurde: Bleiburg wollte, Höchst wartete. Und als die Gastgeber in der Schlussphase müde wurden - der junge Alexander Rieger hatte sich schon früh Gelb abgeholt und musste aufpassen -, griff Ekström tief in die Wechselkiste. Drei frische Kräfte brachte er zwischen Minute 74 und 78, darunter Adriano Ramallo im Mittelfeld, der sofort Struktur reinbrachte.

Dann kam diese verhängnisvolle 89. Minute. Ein hoher Ball nach vorn, Jürgen Held, eigentlich Innenverteidiger, schaltete sich mit ein, verlängerte per Kopf - und Bossong schoss trocken ins rechte Eck. Torwart Walther Kohl streckte sich, kam aber zu spät. Das Stadion verstummte. "Ich dachte, der Ball wäre schon draußen", meinte Kowa später mit einem bitteren Lächeln.

In den letzten Minuten warfen die Bleiburger alles nach vorn, Lars Stoll prüfte den Höchster Keeper Jörg Pan in der 85. Minute mit einem wuchtigen Schuss, doch der 19-Jährige im Gästetor hielt, als hätte er schon 200 Spiele auf dem Buckel. "Ich hab nix gesehen, nur den Ball gespürt", lachte Pan nach Abpfiff.

Die Zahlen sprachen am Ende eine andere Sprache als das Ergebnis: Bleiburg 14 Torschüsse, Höchst nur acht. Mehr Ballbesitz, mehr Zweikämpfe gewonnen, mehr Ecken - aber weniger Tore. Fußball kann eben grausam ehrlich sein.

Trainer Ekström kommentierte den späten Sieg gewohnt nordisch kühl: "Wir sind nicht hier, um schön zu spielen. Wir sind hier, um Punkte zu holen." Sein Gegenüber Kowa dagegen blieb trotzig optimistisch: "Wenn wir so weitermachen, wird der Fußballgott schon mal hinschauen. Heute war er halt in Höchst-Laune."

Ein Spiel, das vieles bot: Tempo, Emotionen, junge Talente und einen Schuss Dramatik zum Schluss. Höchst klettert mit dem Sieg auf die Sonnenseite der Tabelle, während Bleiburg sich fragt, wie man ein Spiel verlieren kann, das man eigentlich kontrolliert.

Vielleicht war es einfach einer dieser Abende, an denen der Fußball seine alte Regel bestätigt: Wer seine Chancen nicht nutzt, bekommt hinten einen rein. Oder, wie Bleiburgs Kapitän Kai Raab es zusammenfasste: "Das war kein schlechter Film, aber leider mit falschem Happy End."

Und so ging ein kalter Winterabend zu Ende, an dem Höchst nicht höher spielte, aber cleverer.

22.06.643990 03:10
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Ich glaube, daß der Tabellenerste jederzeit den Spitzenreiter schlagen kann.
Berti Vogts
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager