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Ein Dienstagabend im März, Flutlicht über dem Mittelkalbacher Sportpark, 3682 Zuschauer mit Bratwurst in der einen und Hoffnung in der anderen Hand - und am Ende ein 1:1, das keiner so richtig feiern wollte, aber auch keiner so richtig bedauerte. Der SV Mittelkalbach und der Vfb Hamburg trennten sich am 24. Spieltag der Oberliga D mit einem Ergebnis, das so gerecht wie unbefriedigend war. Die Partie begann mit einem Paukenschlag - allerdings nur akustisch, denn ein zu enthusiastischer Fan hatte seine Trommel schon vor dem Anpfiff zerbeult. Auf dem Rasen taten sich die Mittelkalbacher schwer, die defensiv eingestellten Hamburger zu knacken. Trainer Moinsn Eins hatte seine Elf tief gestaffelt und auf Konter eingestellt. "Wir wollten erstmal sehen, ob die Mittelkalbacher überhaupt wissen, wo unser Tor steht", witzelte der Coach später trocken. Und tatsächlich: Nach einer halben Stunde hatte Mittelkalbach zwar mehr Ballbesitz (am Ende 53,9 Prozent) und ganze 23 Torschüsse, doch Zählbares sprang nicht heraus. Hamburg lauerte - und schlug eiskalt zu. In der 40. Minute kombinierte sich der 30-jährige Mittelfeldstratege George Rushton durch das Zentrum, sah den jungen Karsten Stoll starten und bediente ihn mustergültig. Der 19-Jährige blieb cool wie ein alter Hase und netzte zum 0:1 ein. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn man nicht schießt, kann man auch nicht treffen", grinste Stoll nach der Partie mit jugendlicher Unschuld. Bis zur Pause blieb Hamburg gefährlich, Mittelkalbachs Keeper Wolfgang Köhler verhinderte Schlimmeres, während vorne Sadun Kiskanc und Heinz Burger reihenweise am glänzend aufgelegten Gäste-Torwart Nick Steffen scheiterten. "Der hat heute alles gefangen - sogar die Fliegen, die über die Latte wollten", stöhnte Mittelkalbachs Trainer nach dem Spiel. In der Kabine muss es dann laut geworden sein. Zumindest deutete Kapitän Timm Schmidt später an: "Der Coach hat keine Taktiktafel gebraucht, seine Worte waren deutlich genug." Und siehe da: Nach Wiederanpfiff rollte Angriff auf Angriff in Richtung des Hamburger Strafraums. Die Nordlichter reagierten mit noch mehr Beton - ein Fünferblock, der aussah, als hätte jemand die Hafenmauer von St. Pauli in den Strafraum verlegt. Ein Schreckmoment dann in der 51. Minute: Hamburgs Luca Ebert ging nach einem Zweikampf zu Boden und musste verletzt raus - bitter für die Gäste, die daraufhin Heinz Jaeger brachten. "Luca hat sich am Knöchel wehgetan, wahrscheinlich vom vielen Verteidigen", meinte Trainer Eins mit einem Augenzwinkern. Mittelkalbach ließ sich nicht beirren. Kiskanc prüfte Steffen in der 52. und 70. Minute, doch der Torwart hielt weiter alles, was kam. Erst in der 76. Minute fiel endlich der verdiente Ausgleich: Pascal Koch flankte von links butterweich auf den zweiten Pfosten, wo Timm Schmidt per Direktabnahme traf - 1:1! Das Stadion jubelte, die Grillstände wurden nochmal gestürmt, und selbst der Stadionsprecher klang kurz euphorisch, bevor er sich wieder in seine Statistikblätter vertiefte. Danach drückte Mittelkalbach, als ginge es um die Meisterschaft. Hamburg stand tief, konterte sporadisch über den nimmermüden Stoll, der noch zwei gefährliche Schüsse abgab (79. und 81. Minute). Doch am Ende blieb es beim Remis. "Wir wollten mehr, klar. Aber immerhin haben wir gezeigt, dass wir Charakter haben", sagte Torschütze Schmidt nach dem Abpfiff. Sein Trainer nickte, schaute aber sichtlich genervt auf den Boden: "Wenn du 23 Mal schießt und nur einmal triffst, dann musst du dich fragen, ob du Fußball oder Dart spielst." Hamburg-Coach Eins sah das naturgemäß anders: "Ein Punkt hier ist Gold wert. Mittelkalbach war druckvoll, aber am Ende zählen Ergebnisse, nicht Statistiken." So endete ein Spiel, das alles hatte: Chancenwucher, Flutlichtromantik und ein bisschen Hamburger Betonkunst. Für die Tabelle bringt es beiden Teams wenig, für die Fans immerhin Gesprächsstoff bis zum nächsten Wochenende. Oder, wie ein Zuschauer beim Rausgehen sagte: "War kein Sieg, aber wenigstens hat keiner verloren - und das Bier war kalt." 24.06.643993 01:59 |
Sprücheklopfer
Man darf das Spiel doch nicht so schlecht reden wie es wirklich war.
Olaf Thon