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Southampton zerlegt die Rovers - ein Abend voller Lehrstunden

Es war einer jener Abende, an denen man sich fragt, ob die Ewood Rovers vielleicht das Navi falsch eingestellt haben. Gespielt wurde zwar im heimischen Stadion vor 34.011 Zuschauern, aber die Richtung, in die sich das Spiel entwickelte, sprach klar dafür, dass man irgendwo zwischen Verunsicherung und Verzweiflung falsch abgebogen war. Am Ende stand ein 0:5 gegen den FC Southampton - ein Ergebnis, das so deutlich war, dass selbst die Anzeigetafel kurz Mitleid zu haben schien.

Southampton-Coach Michael Böning hatte vor dem Spiel gesagt: "Wir wollen offensiv denken, aber klug handeln." Klug war das Stichwort des Abends - und es gehörte ausschließlich den Gästen. Schon nach 13 Minuten brachte Liam Allington die "Saints" in Führung, nach feiner Vorarbeit von Jan Ovesen, der auf dem rechten Flügel ein Dauerabo für Überholmanöver gelöst hatte. "Ich hab’ nur geschaut, ob jemand mitläuft - und Liam war da. Dann war’s einfach", grinste Ovesen später.

Während Ewood-Trainer Stephan Trajes an der Seitenlinie noch wild gestikulierte, rollte der nächste Angriff. Die Rovers verteidigten wie bei einem Freundschaftsspiel im Park - höflich, mit Abstand. In der 32. Minute durfte sogar Rechtsverteidiger Leo Broderick einmal zeigen, dass Außenverteidiger-Tore keine Sage sind. Sein Schuss aus 18 Metern schlug unhaltbar ein, vorbereitet vom stets präsenten Stürmer Manuel Tiago.

Sechs Minuten später, gerade als die Heimfans hofften, mit einem 0:2 in die Pause zu kommen, setzte Gabri Yanez noch einen drauf. Der flinke Rechtsaußen, assistiert vom zentralen Antreiber Nicolaas Derrick, traf zum 0:3. Derrick sah dabei kurz darauf Gelb - vermutlich die einzige Farbe, die Southampton an diesem Abend nicht dominierte.

In der Pause versuchte Trajes, die Moral seiner jungen Truppe zu retten. "Ich hab’ ihnen gesagt, sie sollen mutiger auftreten", erklärte er später. "Leider haben sie das wohl auf die Zuschauertribüne bezogen." Denn dort fanden sich die meisten mutigen Gesichter wieder - auf dem Feld war Southampton weiter Chef im Ring.

Nach 58 Minuten machte Innenverteidiger Carles Ordono das 0:4. Ein Kopfballtor nach einer Ecke - und ein Sinnbild dafür, wie konsequent und körperlich präsent die Gäste agierten. Währenddessen wechselte Ewood hektisch: Juschkewitsch, Bosworth, Hennessy - Namen, die so schnell auf der Anzeigetafel aufblinkten, dass man sie kaum buchstabieren konnte. Doch egal, wer kam - das Spielgeschehen änderte sich nicht.

Die Rovers kamen immerhin zu zehn Abschlüssen, meist aus der zweiten Reihe, aber Gästetorwart Gabriel Clancy durfte sich über einen ruhigen Arbeitstag freuen. Southampton hatte 15 Torschüsse, 53 Prozent Ballbesitz und eine unverschämt lässige Körpersprache. "Wir wollten Spaß haben, aber nicht respektlos sein", sagte Böning nach dem Spiel. "Ich glaube, das ist uns gelungen."

Ganz am Ende, als manch ein Zuschauer schon beim Bierstand war, setzte Billy Benett in der 91. Minute den Schlusspunkt. Der 21-Jährige, gerade erst eingewechselt, verwandelte eine Vorlage von - natürlich - Nicolaas Derrick zum 0:5. Man hätte fast meinen können, Southampton spielte auf einem anderen Planeten.

Der Ewood-Kapitän Samuel Dunne, mit 33 Jahren einer der wenigen älteren Spieler, versuchte nach dem Spiel Fassung zu bewahren: "Wir sind jung, wir lernen. Heute haben wir halt fünf Lektionen auf einmal bekommen." Trainer Trajes nickte nur still daneben und fügte später sarkastisch hinzu: "Wenn man fünfmal den Ball aus dem Netz holt, kennt man wenigstens das Tornetz gut."

Southampton dagegen jubelte ausgelassen, aber ohne Übermut. Die Gäste wirkten wie eine Mannschaft, die genau weiß, was sie tut - offensiv, zielstrebig und mit einer Prise englischer Effizienz. Besonders Allington, Yanez und der unermüdliche Tiago wirkten, als hätten sie noch zwei Tore in der Hinterhand gelassen.

So blieb dem Publikum nur, höflich zu applaudieren und auf bessere Tage zu hoffen. Die Rovers haben Talent, keine Frage - aber Talent ohne Struktur ist wie Tee ohne Wasser: theoretisch nett, praktisch nutzlos.

Zum Schluss fasste es ein älterer Fan im Ewood Park trocken zusammen: "Früher sind wir hierhergekommen, um Siege zu sehen. Heute kommen wir, um Charakter zu bilden." Vielleicht war das der ehrlichste Kommentar des Abends.

Ein 0:5 der Kategorie "bitter, aber lehrreich". Southampton auf dem Weg nach oben, Ewood auf der Suche nach Trost - und irgendwo dazwischen der Fußball, der bekanntlich manchmal grausam ehrlich ist.

07.07.643993 09:25
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Klaus Toppmöller
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