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Southampton stolpert über Swindon - ein Abend voller verpasster Chancen

Wenn 51.719 Zuschauer im St. Mary’s Stadium bei Flutlicht aufstehen, weil sie glauben, jetzt müsse der Ball endlich rein - und dann doch wieder nur das Fangnetz zittert -, dann weiß man: Es war ein typischer Abend für den FC Southampton. Trotz drückender Überlegenheit und 56 Prozent Ballbesitz unterlag das Team von Trainer Michael Böning am 9. Spieltag der 1. Liga England mit 1:2 gegen frech aufspielende Gäste von Swindon Town.

Dabei begann alles nach Maß: Bereits in der 5. Minute erzielte der junge Rechtsaußen Gabriel Nilsson nach Vorarbeit von Owen Hartshorn das 1:0. Ein Tor aus dem Lehrbuch - schneller Flügelangriff, präzise Flanke, entschlossener Abschluss. Böning drehte sich jubelnd zur Bank, rief "So will ich das sehen!" und klatschte mit seinem Co-Trainer ab. Zu diesem Zeitpunkt ahnte er wohl noch nicht, dass dies der einzige Grund zum Lächeln bleiben würde.

Swindon reagierte keineswegs geschockt. Im Gegenteil: Nach einer Viertelstunde übernahmen die Gäste immer öfter das Kommando. Ihre Angriffe wirkten weniger spektakulär, aber erstaunlich effizient. In der 35. Minute traf Mittelstürmer Bradley Cromwell nach einem weiten Ball aus der eigenen Abwehr - von Innenverteidiger Bradley Corraface, der offenbar vergessen hatte, dass er eigentlich Verteidiger ist. Sein Pass segelte über die halbe Spielfeldlänge, Cromwell nahm ihn mit der Brust an und schob überlegt zum Ausgleich ein. "Ich hab’ einfach draufgehalten", grinste der Torschütze später, "und Bradley hat den Ball besser gespielt als mancher Zehner."

Die zweite Halbzeit begann mit einem Paukenschlag - leider aus Sicht der Gastgeber. Sechs Minuten nach Wiederanpfiff rauschte Swindons Rechtsverteidiger Joel Simpson in den Strafraum und traf aus spitzem Winkel zum 2:1. Mason Hathaway hatte mit einem cleveren Steilpass vorbereitet. "Wir wollten zeigen, dass auch Außenverteidiger Tore schießen dürfen", erklärte Simpson schmunzelnd.

Böning reagierte sofort, brachte in der 46. Minute Gabri Yanez für den erst 17-jährigen Alfie Nicksay, später kamen Ovesen und Pizanti. Doch trotz frischer Beine und zehn Torschüssen blieb der Ballbesitzfußball der Saints zahnlos. Manuel Tiago vergab in der 69. Minute freistehend, Gabriel Beecroft scheiterte gleich dreimal - zuletzt in der 82. Minute, als der Ball Millimeter über die Latte strich.

Swindon hingegen verteidigte mit Leidenschaft, manchmal auch mit übertriebener. Connor Bosworth kassierte in der 53. Minute Gelb und durfte nach einer übermotivierten Grätsche in der 75. mit Gelb-Rot zum Duschen. Trainer Barney Cheep kommentierte süffisant: "Connor hat wohl gedacht, wir spielen Rugby." Trotzdem brachten seine verbliebenen zehn Mann das Ergebnis über die Zeit.

Die letzten Minuten waren ein einziges Powerplay Southamptons. Torwart Gabriel Clancy stand zeitweise an der Mittellinie, Böning fuchtelte wild mit den Armen, und von der Tribüne hallte ein verzweifeltes "Shoot!" durchs Stadion. Tiago traf in der 95. Minute tatsächlich noch einmal - allerdings nur den Torhüter. Und als Cromwell in der 96. Minute auf der Gegenseite beinahe das 3:1 nachlegte, war endgültig klar, dass es kein Happy End geben würde.

"Wir haben alles versucht, aber Fußball ist manchmal grausam", seufzte Böning nach dem Spiel. "Wenn du 56 Prozent Ballbesitz hast, aber die anderen zwei Mal aufs Tor zielen und treffen, dann musst du dich fragen, ob du vielleicht zu schön spielen willst." Sein Gegenüber Cheep grinste nur: "Ich mag hässliche Siege."

Statistisch gesehen war die Partie ein Musterbeispiel für verkehrte Fußballlogik: mehr Schüsse, mehr Ballbesitz, gleiche Zweikampfquote - und doch null Punkte. Swindon, das mit einer aggressiven, aber organisierten Spielweise auftrat, zeigte, dass Effizienz eben doch sexy sein kann.

Als die letzten Fans das Stadion verließen, murmelte ein älterer Herr im Southampton-Schal: "Früher hätten wir das noch gedreht." Sein Enkel antwortete trocken: "Früher gab’s auch noch Flügelspieler mit Flanken."

Ein bitterer, aber lehrreicher Abend für die "Saints". Und Swindon? Die reisen mit breiter Brust und drei Punkten heim - und vermutlich mit der Erkenntnis, dass man auch mit zehn Mann und einer Portion Glück Geschichte schreiben kann.

Oder, wie Torschütze Simpson es zusammenfasste, während er sich die Schweißperlen von der Stirn wischte: "Manchmal ist Fußball einfach nur ein Ball, der die richtige Richtung findet - und ein Torwart, der kurz wegguckt."

Endstand: FC Southampton - Swindon Town 1:2 (1:1). Tore: Nilsson (5.), Cromwell (35.), Simpson (51.). Gelb-Rot: Bosworth (75.). Zuschauer: 51.719.

12.02.643994 03:05
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Wie immer, wenn man Koffer packt, ist das alles nicht so spaßig, Hemden zusammen legen oder Hosen. Vor allem, wenn die eigene Frau nicht dabei ist.
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