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Der FC Southampton hat am 23. Spieltag der 1. Liga England einen zähen, aber verdienten 2:1-Heimerfolg gegen den Außenseiter Tiverton Town eingefahren. 47.636 Zuschauer im St. Mary’s Stadium sahen ein Spiel, das in den ersten 45 Minuten ordentlich Tempo bot - und in der zweiten Halbzeit an den Charme einer Autokolonne im Feierabendverkehr erinnerte. Schon in der Anfangsphase machten die "Saints" klar, wer hier das Sagen haben wollte. Gerade einmal vier Minuten waren gespielt, da kassierte Linksverteidiger Kai Whitman eine gelbe Karte - "um gleich mal zu zeigen, dass wir wach sind", grinste Trainer Michael Böning nach der Partie. Wach waren seine Offensivkräfte allemal: Bailey Kendall prüfte in der dritten Minute erstmals Tivertons Keeper Zoltan Filkor, und was folgte, war ein Dauerbeschuss, der eher an ein Schießtraining erinnerte als an ein ausgewogenes Ligaspiel. Die Belohnung ließ nicht lange auf sich warten. In der 19. Minute steckte der erst 19-jährige Liam Allington, der auf der Sechs das Spiel klug lenkte, den Ball durch die Gasse, Bailey Kendall zog von rechts in den Strafraum und versenkte trocken ins lange Eck - 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du zu viel nachdenkst, geht’s eh drüber", erklärte Kendall später mit einem Schulterzucken. Nur fünf Minuten später dasselbe Drehbuch - fast. Wieder Allington mit dem feinen Pass, diesmal auf Gabriel Beecroft. Der 20-jährige Flügelspieler blieb cool und schob zum 2:0 ein. "Wenn du solche Vorlagen bekommst, musst du dich fast entschuldigen, wenn du nicht triffst", lachte Beecroft, dessen Jubel in Richtung Trainerbank deutlich machte: hier wächst was zusammen. Doch Tiverton Town, das kleine gallische Dorf der Liga, wollte sich nicht einfach ergeben. Mit nur 47 Prozent Ballbesitz für Southampton und 52 Prozent für die Gäste zeigte sich: ganz so einseitig war’s nicht. Trainer Andi Lipa hatte sein Team auf kontrolliertes Ballbesitzspiel eingestellt - und tatsächlich gelang es den Gästen, in der 38. Minute den Anschlusstreffer zu markieren. Der 18-jährige Cesar Meireles, links außen, zog nach einem feinen Pass von Noe Costa von der Strafraumkante ab - und der Ball schlug unhaltbar im kurzen Eck ein. "Ich sah nur, wie’s flatterte", stöhnte Saints-Keeper Alberto Mancuso, "und plötzlich war’s drin." Nach dem Halbzeitpfiff wurde es deutlich ruhiger. Southampton blieb zwar offensiv ausgerichtet, schraubte aber das Pressing zurück - wohl um die Nerven der Zuschauer zu schonen. Statt wilder Angriffe gab’s viel Ballgeschiebe, einige harmlose Abschlüsse (am Ende 20:8 Torschüsse für die Hausherren) und die Erkenntnis, dass auch junge Beine irgendwann müde werden. Böning wechselte früh: In der 30. Minute kam Jan Ovesen für den starken Kendall, der nach seinem Tor und mehreren Sprints sichtbar platt war. Ovesen sorgte immerhin für frischen Wind und zwei ordentliche Abschlüsse (in der 52. und 55. Minute), ehe wieder das große Verwalten begann. Tiverton versuchte es in der Schlussphase mit langen Bällen, aber weder Ramon Guillen noch Yves Abbadie konnten Mancuso ernsthaft prüfen. "Wir haben uns nicht belohnen können", seufzte Lipa, "aber meine Jungs haben hier Charakter gezeigt. Und wer weiß, vielleicht gibt’s ja irgendwann Punkte für Moral." Der Rest war englischer Winterfußball pur: viele Flanken, wenig Genauigkeit, und ein Publikum, das sich zwischen "Komm schon, Saints!" und "Jetzt pfeif endlich ab!" nicht entscheiden konnte. Als Schiedsrichter Webb schließlich nach 93 Minuten abpfiff, fielen die Spieler einander erleichtert in die Arme. Statistisch gesehen war’s ein enges Ding - 47,5 Prozent Ballbesitz für Southampton, 52,5 für Tiverton. Doch die deutlich bessere Zweikampfquote (54,6 Prozent) und die klar höhere Chancenanzahl machten den Unterschied. Trainer Böning zeigte sich nach dem Spiel gewohnt trocken: "Schön war’s nicht, aber wir haben drei Punkte. Und ich sag immer: Fußball ist kein Schönheitswettbewerb." In der Mixed Zone grinste Torschütze Beecroft noch einmal in die Kameras: "Ich hab gehört, wir hatten 20 Schüsse. Dann waren meine zwei wohl die besten." - Und irgendwie hatte er damit recht. Ein Abend also, an dem die Jugend des FC Southampton glänzte, das Publikum frierend, aber zufrieden nach Hause ging - und Tiverton Town trotz Niederlage mit erhobenem Haupt den Bus bestieg. Ein ehrlicher Fußballabend, einer jener, bei denen man merkt: Nicht immer gewinnt der, der schöner spielt - manchmal einfach der, der zwei Minuten mehr Druck macht. Und das, liebe Leser, ist im Grunde die ganze Magie dieses Spiels. 12.10.643987 10:51 |
Sprücheklopfer
In diesem Scheißverein kann man nicht mal richtig feiern.
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