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Es war ein kühler Freitagabend im City Ground, 48.859 Zuschauer eingepackt in Schals und Hoffnung. Hoffnung darauf, dass ihre Nottingham Magpies gegen den FC Southampton endlich wieder so etwas wie Spielfreude zeigen würden. Am Ende blieb von dieser Hoffnung wenig mehr übrig als das fahle Licht der Flutlampen - Southampton siegte verdient mit 2:0, und wer ehrlich war, musste zugeben: Das Ergebnis war noch schmeichelhaft für Nottingham. Die Magpies begannen zwar mutig, aber harmlos. Dusko Neziri prüfte in der 15. Minute Southamptons Keeper Gabriel Clancy - der erste von nur zwei Torschüssen der gesamten Partie für die Gastgeber. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, bevor ich schoss", grinste Neziri später sarkastisch in die Mikrofone. Sein Trainer, Christoffer Reedtz, verzog daneben keine Miene. "Zwei Schüsse aufs Tor sind immerhin einer mehr als letzte Woche", murmelte er trocken. Southampton dagegen spielte, als hätten sie ein Abonnement auf Torchancen. Bereits nach drei Minuten zwang Gabriel Beecroft Magpies-Torhüter Antonio Jordao zu einer Glanzparade. Danach folgten Angriffe im Minutentakt: Kendall, Broderick, Allington - sie alle durften sich im Abschluss versuchen. Doch das Tor blieb in der ersten Halbzeit wie verhext. "Wir hätten zur Pause schon 4:0 führen müssen", schimpfte Gästecoach Michael Böning später, "aber offenbar brauchen wir immer erst einen kleinen Schreck, um wach zu werden." Dieser Schreck kam in der 47. Minute, als Nottingham-Verteidiger Marcio Ze Castro nach einem rustikalen Einsteigen Gelb sah - und kurz darauf fast das 0:1 verschuldete. Nur der Pfosten rettete die Magpies. Reedtz reagierte zur Pause gleich dreifach, brachte unter anderem den 18-jährigen Keeper Marek Szymanowski. Ein mutiger, vielleicht verzweifelter Schritt. "Ich wollte dem Jungen zeigen, wie sich Druck anfühlt", erklärte Reedtz später mit einem bitteren Lächeln. Southampton blieb unbeeindruckt. Nach 71 Minuten fiel endlich das längst überfällige 1:0: Der 20-jährige Liam Allington traf nach feinem Zuspiel von Gabriel Beecroft aus 18 Metern flach ins Eck. Clancy, der Torwart, rannte über den halben Platz, um den Schützen in die Arme zu schließen. "Ich habe Liam gesagt, wenn er diesmal nicht trifft, darf er den Bus putzen", witzelte Böning hinterher. Allington selbst blieb bescheiden: "Ich hab einfach draufgehalten. Zum Glück war der Ball brav." Nottingham wirkte danach wie ein Boxer, der nach dem ersten Wirkungstreffer nur noch taumelt. Kein Pressing, kein Aufbäumen - die Magpies blieben ihrem "No Pressing"-Mantra treu, wie es die Statistik verrät. Southampton kombinierte ruhig, geduldig, fast überheblich. Und als ob es das Drehbuch verlangt hätte, machte in der 80. Minute ausgerechnet Linksverteidiger Matthew Finnan den Deckel drauf. Nach Vorarbeit von Gabri Yanez schlenzte er den Ball humorlos ins rechte Eck - 2:0. "Das war kein Tor, das war ein Statement", jubelte ein Southampton-Fan auf der Tribüne, während Reedtz an der Seitenlinie regungslos blieb. Seine Mannschaft hatte in 90 Minuten weniger Ballbesitz (47 Prozent) und nur 42 Prozent gewonnene Zweikämpfe - keine Bilanz, mit der man Punkte sammelt. Noch einmal kurz Spannung in Minute 81: Liam Allington holte sich nach einem taktischen Foul Gelb. "Ich wollte nur das Tempo rausnehmen", erklärte er mit einem Grinsen, "aber der Schiri war wohl Fan von Nottingham." Als der Abpfiff kam, atmete Southampton erleichtert durch. 17 Torschüsse, zwei Tore - die Bilanz war solide, aber keineswegs verschwenderisch. Trainer Böning sprach von "einem reifen Auftritt mit Luft nach oben". Sein Gegenüber Reedtz hingegen fasste das Spiel nüchterner zusammen: "Wenn du 90 Minuten lang auf Sicherheit spielst, aber niemand sicher ist, dann verlierst du eben." Der City Ground leerte sich schnell, nur ein paar Kinder blieben, um Autogramme von den Spielern zu ergattern. Ein kleiner Junge rief Reedtz hinterher: "Nächstes Mal gewinnen wir!" Der Trainer drehte sich um, lächelte müde und sagte: "Das hoffe ich auch, mein Junge. Das hoffe ich auch." So endete ein Abend, an dem die Magpies alles taten, um nicht zu verlieren - und genau deshalb verloren. Southampton hingegen spielte nicht überragend, aber zielstrebig, clever und mit einem Schuss jugendlicher Unbekümmertheit. Und wer 17 Mal aufs Tor schießt, darf sich am Ende eben auch als verdienter Sieger fühlen. Oder, wie Gästecoach Böning es ausdrückte: "Manchmal gewinnt einfach die Mannschaft, die öfter den Ball aufs Tor bringt. Fußball ist so einfach - wenn man’s kann." 07.10.643993 23:05 |
Sprücheklopfer
Kopfball war für mich immer so etwas ähnliches wie Handspiel.
Günter Netzer