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Ein Abend, wie ihn die Fans an der Südküste lieben: Flutlicht, volle Ränge, fünf Tore und ein 20-jähriger Mittelfeldspieler, der so spielt, als hätte er nie etwas anderes getan. Der FC Southampton bezwang am 6. Spieltag der 1. Liga England die London Blues mit 3:2 (2:1) - und das mit einer Mischung aus jugendlichem Übermut und taktischer Disziplin, die Trainer Michael Böning sichtlich stolz machte. Schon vor dem Anpfiff war klar, dass es kein gemächlicher Fußballabend werden würde. 45.279 Zuschauer füllten das Stadion, als der Ball um 20:30 Uhr rollte. Die Blues, von Guido Träger gewohnt offensiv ausgerichtet, begannen forsch - bereits in der ersten Minute zwang Nesim Balta Southamptons Keeper Alberto Mancuso zu einer ersten Parade. Doch das sollte eher ein Weckruf für die Hausherren sein als ein Vorbote Londoner Dominanz. Ab der 20. Minute übernahm Southampton das Kommando. Mit 56 Prozent Ballbesitz und deutlich mehr Zug zum Tor (am Ende 12:7 Schüsse auf das Gehäuse) drückten die "Saints" aufs Gaspedal. Besonders das Duo Gabriel Beecroft und Liam Allington sorgte im Mittelfeld für Musik - und auf diese Melodie tanzte die Abwehr der Blues nicht besonders elegant. In der 28. Minute war es dann so weit: Beecroft, quirlig wie ein Eichhörnchen nach zwei Espressi, legte quer auf Allington, der aus 18 Metern trocken ins rechte Eck traf - 1:0. Das Stadion tobte. Trainer Böning drehte sich zur Bank und grinste: "Ich hab’s ihm heute Morgen gesagt: Schieß einfach mal. Offenbar hat er zugehört." Nur sieben Minuten später folgte das 2:0 durch Manuel Tiago, der nach einem Abpraller am schnellsten reagierte und cool einschob. "Ich wollte eigentlich flanken", gab der Portugiese später lachend zu, "aber wenn’s reingeht, war’s natürlich Absicht." Die Blues, bis dahin etwas ratlos, meldeten sich kurz vor der Pause zurück: Francois Kinmont flankte präzise, Domingo Galindo nahm den Ball volley und verkürzte zum 2:1 (45.). Ein Tor, das Trainer Träger nach dem Spiel mit einem bittersüßen Lächeln kommentierte: "Schön gemacht - leider zu selten von uns." Nach dem Seitenwechsel blieb Southampton gefährlicher. Wieder war es Allington, der in der 52. Minute genau da stand, wo ein Spieler stehen muss, der Geschichte schreiben will. Tiago legte ab, Allington zog ab - 3:1. Böning, inzwischen leicht heiser, schrie seine Freude Richtung Tribüne: "Der Junge hat keine Angst, der hat einfach Spaß!" Doch wer die Blues abschreibt, kennt sie schlecht. Guido Träger reagierte in der 62. Minute mit einem Doppeltausch, brachte Amaury Miguel und Taylan Cetin. Nur zwei Minuten später traf Balta nach schöner Vorlage von Jurcevic zum 3:2 (64.). Plötzlich war wieder alles offen. Die Partie wurde hitziger, Southampton verlor etwas an Kontrolle. Beecroft musste in der 84. Minute verletzt raus, humpelte unter Applaus vom Platz. "Nur eine Prellung", meinte er später, "aber ich wollte nicht riskieren, dass Böning mich nächste Woche auf die Bank setzt." Ersatzmann Sebastiano Carlucci fügte sich nahtlos ein, während die Blues in den letzten Minuten noch einmal alles nach vorne warfen. In der Nachspielzeit versuchte es der eingewechselte Lewis Graves mit einem Distanzschuss, doch Ersatzkeeper Gabriel Clancy, seit der 70. Minute im Tor, fischte den Ball spektakulär aus dem Winkel. Danach war Schluss - und das Stadion stand Kopf. Statistisch war der Sieg verdient: 55,9 Prozent Ballbesitz, mehr Zweikämpfe gewonnen (52,5 Prozent) und vor allem eine junge, mutige Mannschaft, die den Gegner nie wirklich zur Ruhe kommen ließ. "Wir haben heute gezeigt, dass wir nicht nur mitspielen, sondern gewinnen wollen", sagte Allington nach dem Spiel, sichtlich überwältigt. "Ich hab geträumt, eines Tages hier zu treffen - und dann gleich zweimal! Meine Mutter wird mir das nie glauben." Trainer Böning fasste es mit seinem typischen Augenzwinkern zusammen: "Wenn meine Jungs so weitermachen, muss ich bald Eintritt zahlen, um sie spielen zu sehen." Und die Blues? Trägers Fazit fiel trocken aus: "Wir haben zwei Gesichter gezeigt - das hübschere kam leider zu spät." Ein Abend, der in Southampton noch lange nachhallen dürfte - nicht nur, weil die Fans nach dem Schlusspfiff noch minutenlang sangen, sondern weil sie das Gefühl hatten, Zeuge eines kleinen Durchbruchs geworden zu sein. Liam Allington, 20, Mittelfeldspieler, zwei Tore: Man wird seinen Namen in dieser Liga wohl noch öfter lesen. Und während die Flutlichter erloschen, grinste ein älterer Zuschauer auf der Tribüne und sagte zu seinem Nachbarn: "Wenn das die Zukunft ist, dann kann sie gern morgen wieder anfangen." 26.07.643990 21:35 |
Sprücheklopfer
Es gibt jetzt gerade überall auf anderen Pressekonferenzen Trainer, die denselben Käse erzählen wie ich.
Rudi Völler