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47.772 Zuschauer sahen am Dienstagabend im St. Mary’s Stadium ein Spiel, das nur eine Halbzeit brauchte, um aus einem zähen Pokalkampf eine kleine Fußball-Lehrstunde zu machen. Der FC Southampton gewann die Zweitrundenpartie im Pokal mit 3:0 gegen den tapferen, aber überforderten Drittligisten Port Vale FC - und das vollkommen verdient. In der ersten Halbzeit allerdings war noch wenig von einem Pokalabend zum Schwärmen zu sehen. Southampton presste zwar früh, rannte an, spielte gefällig - aber Tore blieben Mangelware. "Ich hatte kurz das Gefühl, wir spielen Handball um den Strafraum herum", grinste Trainer Michael Böning nach dem Spiel. Tatsächlich kamen seine Offensivkräfte zwar zu Chancen - allein Jan Ovesen prüfte in den ersten zehn Minuten zweimal Port-Vales Keeper Bradley Whitman - doch der Ball wollte einfach nicht über die Linie. Port Vale, gecoacht vom jungen Timo Langer, versuchte dagegenzuhalten, hatte mit 51 Prozent Ballbesitz sogar leicht mehr vom Spiel, aber wenig Zwingendes nach vorne. Der einzige ernsthafte Versuch kam in der 30. Minute, als der 18-jährige Henry Farnsworth aus spitzem Winkel abschloss - der Ball trudelte harmlos in die Arme von Southamptons Torwart Gabriel Clancy. Mehr war da nicht. Nach der Pause änderte sich das Bild schlagartig. Southampton kam mit deutlich mehr Biss aus der Kabine. "Ich habe den Jungs gesagt: Wenn ihr weiter so spielt, geht ihr ins Elfmeterschießen - aber ohne mich!", verriet Böning lachend. Offenbar wirkte die Ansage. In der 55. Minute belohnte sich der Favorit endlich: Jan Ovesen startete über rechts, flankte scharf in die Mitte, wo Manuel Tiago goldrichtig stand und zum 1:0 einköpfte. Der Jubel war so groß, dass selbst der Stadionsprecher kurz die Stimme überschlug. Von da an lief die Maschine. Port Vale wirkte beeindruckt, ja fast eingeschüchtert. Die Defensive schwamm - und Southampton kombinierte sich in einen Rausch. 73. Minute: Billy Benett, der ohnehin einen bärenstarken Abend hatte, legte quer, und wieder war es Tiago, der eiskalt einschob. 2:0. "Ich weiß gar nicht mehr, wie oft Billy mir den Ball serviert hat", sagte der Doppeltorschütze später. "Ich hätte ihm fast mein Trikot gegeben - aber das wollte er nicht." Spätestens mit dem dritten Treffer war das Spiel entschieden. In der 83. Minute traf Benett selbst, nachdem Gabri Yanez einen präzisen Pass in den Rückraum gespielt hatte. Ein satter Linksschuss, keine Chance für Whitman. 3:0 - und die Fans standen. Die letzten Minuten waren Schaulaufen. Southampton wechselte durch - Kai Whitman kam für Matthew Finnan, Bailey Kendall ersetzte Liam Allington - und verwaltete das Ergebnis souverän. Port Vale mühte sich, blieb aber ohne nennenswerte Offensivaktion. Insgesamt kam das Team auf einen einzigen Torschuss - ein Wert, der eher an Rückennummern erinnert als an Angriffsbemühungen. Nach dem Spiel zeigte sich Gästecoach Langer gefasst: "Wir wussten, dass es schwer wird. Aber meine Jungs haben alles gegeben. Leider war das heute ein Klassenunterschied - und zwar in jeder Hinsicht." Sein Gegenüber Böning fasste es etwas launiger zusammen: "Wenn man 15 Torschüsse braucht, um drei Tore zu machen, ist das okay. Wenn man 15 braucht und keins macht - dann spielt man bei Port Vale." Ein kleiner Seitenhieb, den man ihm nachsehen kann, denn Southamptons Auftritt in der zweiten Halbzeit war schlicht überzeugend. Die Mannschaft spielte offensiv, druckvoll und mit Spielfreude - ganz so, wie es die taktische Marschroute vorgab. Dass Port Vale trotz höheren Ballbesitzes kaum zur Entfaltung kam, lag an der kompromisslosen Zweikampfführung der Gastgeber (59 Prozent gewonnen) und an deren kurzen, präzisen Pässen im Mittelfeld. Besonders auffällig: der junge Benett, der mit einem Tor und einer Vorlage glänzte, sowie Tiago, der seine Kaltschnäuzigkeit eindrucksvoll unter Beweis stellte. Am Ende blieb das Gefühl, dass Southampton einen Pflichtsieg souverän eingefahren hatte - ohne zu glänzen, aber mit klarer Ansage. "Wir wollen den Pokal nicht nur mitspielen, wir wollen ihn gewinnen", sagte Böning zum Abschied - und zwinkerte dabei, als wüsste er schon mehr. Und Port Vale? Die Jungs aus Staffordshire werden die Rückreise mit hängenden Köpfen, aber vielleicht auch einem Schmunzeln antreten. "Immerhin haben wir 51 Prozent Ballbesitz gehabt", meinte Kapitän Simon Boutin trocken. "Das ist doch was fürs Statistikheft." Ein Satz, der diesen Pokalabend treffend zusammenfasst: viel Ball, wenig Ertrag - und ein FC Southampton, der genau das Gegenteil daraus machte. 04.10.643990 07:25 |
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