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Ein nasskalter Januarabend, Flutlicht über Oxford, 40.986 Zuschauer im Kassam Stadium - und ein Spiel, das man so schnell nicht vergisst: Der FC Southampton gewann mit 4:2 bei Oxford City und bewies, dass Effizienz manchmal einfach glamouröser ist als Ballbesitz. Dabei fing alles an wie ein Lehrfilm über Fußballromantik: Oxford City, mutig offensiv eingestellt von Coach David Klockzien, hatte mehr Ballbesitz (53,8 Prozent) und spielte sich phasenweise kunstvoll durch die gegnerischen Linien. Nur - das Runde wollte einfach nicht ins Eckige. Stattdessen zeigte Southampton, trainiert von Michael Böning, wie man aus wenig viel macht. Schon in der 9. Minute nutzte Manuel Tiago die erste richtige Chance. Nach cleverem Zuspiel des jungen Liam Allington versenkte er den Ball trocken - 0:1. Böning grinste später: "Wir haben das Tor gemacht, bevor die Statistik überhaupt gestartet ist." Oxford Citys Keeper Harrison Le Tallec hingegen wirkte weniger amüsiert, als er die Kugel aus dem Netz fischte. In der Folge belagerten die Gastgeber das Mittelfeld, doch Southampton blieb gefährlich. Besonders Gabri Yanez, der rechte Wirbelwind, prüfte Le Tallec mehrfach. Es blieb beim 0:1 zur Pause - zu wenig für Oxford, zu viel Leerlauf für die Fans, die sich mit Pies und Bier trösteten. Nach dem Seitenwechsel wurde es dann spektakulär. In der 51. Minute vollendete Yanez einen blitzsauberen Angriff über Nicolaas Derrick zum 0:2. "Ich habe einfach draufgehalten", sagte Yanez später lachend. "Normalerweise fliegt der Ball in die Themse." Doch Oxford City antwortete sofort - und wie! Nur fünf Minuten später (56.) stürmte Rechtsverteidiger Rhys Connolly nach vorn, bekam den Ball von Amaury Semedo und donnerte ihn unhaltbar ins Tor. 1:2, das Stadion erwachte. Was folgte, war ein Feuerwerk mit englischem Humor: Direkt im Gegenzug traf Southamptons Linksverteidiger Charles Bail (57.) nach einer perfekten Flanke von Derrick - und nur eine Minute später (58.) legte derselbe Bail noch einmal nach, diesmal nach Vorlage von Yanez. Zwei Tore in zwei Minuten vom Linksverteidiger - da musste selbst Trainer Böning schmunzeln: "Wir wussten, dass er gern nach vorn geht. Aber dass er gleich ein Doppelpack schnürt? Vielleicht sollte er jetzt Stürmer spielen." Oxford City gab sich jedoch nicht geschlagen. Klockzien fuchtelte wild an der Seitenlinie, trieb seine Elf nach vorn, und in der 76. Minute belohnte sich Tiago Brito mit einem sehenswerten Schuss aus 20 Metern - 2:4. Fabio Meireles hatte das Tor mit einem eleganten Pass eingeleitet. "Das war der Moment, in dem das Stadion wieder an Magie glaubte", meinte ein Fan hinterher, der sich nach dem Schlusspfiff prompt noch ein Pint gönnte. In der Schlussphase wurde es ruppiger: Vier Gelbe Karten, verteilt auf beide Seiten, ließen den Schiedsrichter noch einmal zum Hauptdarsteller werden. Besonders Oxford-Akteur Callum Hunt (69.) und Southampton-Verteidiger Ivica Denic (94.) sammelten Verwarnungen - Letzterer schien danach etwas zu stolz auf seine Karte. "Ich wollte sie als Souvenir behalten", scherzte er. Statistisch gesehen war Oxford City das aktivere Team, aber Southampton das zielstrebigere: 18 Torschüsse zu 7, weniger Ballbesitz, aber mehr Durchschlagskraft. Besonders auffällig: Jeder Treffer der Gäste war sauber herausgespielt, zweimal über den zentralen Mittelfeldmotor Derrick, der laut Coach Böning "die Fäden zieht, ohne dass man es merkt". Nach dem Abpfiff zeigte sich Klockzien enttäuscht, aber kämpferisch: "Wir haben gut gespielt, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb. Wenn’s einer wäre, hätten wir gewonnen." Und Southampton? Die "Saints" feierten den zweiten Auswärtssieg in Folge - mit jungen Spielern, die wirken, als wollten sie die Liga im Alleingang aufmischen. Ein Journalist fragte Gabri Yanez auf dem Weg zur Kabine, ob er das Spiel genossen habe. "Natürlich", grinste er, "vor allem die Zuschauer, die uns die ganze Zeit ausgepfiffen haben. Das motiviert!" So endete ein Abend, an dem Oxford City zwar das Spiel machte, Southampton aber die Tore. Und irgendwo in der Ecke des Presseraums hörte man einen Kollegen murmeln: "Wenn Effizienz eine Kunst ist, war das heute ein Meisterwerk." Am Ende blieb den Fans beider Seiten nur das, was den Fußball so schön macht: Emotionen, Bier - und das Gefühl, dass beim nächsten Mal alles ganz anders laufen könnte. Doch bis dahin darf Southampton zufrieden schlafen - und Oxford City weiter träumen. 10.04.643987 04:50 |
Sprücheklopfer
Nevio Scala ist ein phantastischer Trainer und er hat eine tolle Mannschaft. Dortmund wird ganz sicher Weltmeister!
Giovanni Trappatoni