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Es war einer dieser Abende, an denen der Fußball seine Geschichten schreibt - oder zumindest die, die Sonthofen gerne in die Vereinschronik aufnimmt. Vor 5000 Zuschauern im heimischen Stadion besiegte der FC Sonthofen im Liga-Pokal (Regionalliga A) den SV Linx mit 2:1 (0:1). Nach einer verschlafenen ersten Halbzeit und einem Rückstand durch Linx’ Flügelflitzer Mark Fritsch drehte die Mannschaft in der zweiten Hälfte auf - und drehte das Spiel. Dabei hatte alles so zäh begonnen. Die Zuschauer waren noch dabei, ihre Bratwurst zu balancieren, als Sebastien Auclair in der ersten Minute gleich mal Linx-Keeper Oscar Haase prüfte. Der fand das offenbar belebend: "Endlich mal jemand, der mich wachschießt", witzelte er später. Sonthofen dominierte zwar mit 55 Prozent Ballbesitz, doch die Präzision fehlte. Linx lauerte, wie es sich für ein geduldig spielendes Auswärtsteam gehört, auf Fehler - und wurde in der 38. Minute belohnt. Mark Fritsch, der rechte Mittelfeldmann der Gäste, zimmerte den Ball nach Vorarbeit von Innenverteidiger Linus Schmitt in die Maschen. Eiskalt, schnörkellos, und völlig gegen den Spielverlauf. "Wir wollten sie einlullen", grinste Trainer Michal Dickschat später - vielleicht halb im Scherz, vielleicht halb im Selbstschutz. Mit dem 0:1 ging es in die Pause, und man konnte sich nicht des Eindrucks erwehren, dass Sonthofen-Trainer (dessen Name in den Unterlagen seltsam fehlte, aber seine Gestik sprach Bände) in der Kabine weniger über Taktik als über Stolz sprach. Zumindest kam die Mannschaft nach der Pause mit anderem Gesicht aus dem Tunnel. In der 52. Minute war es dann soweit: Ashton Grant, der junge Linksaußen mit dem Mut eines Straßenfußballers, nahm sich ein Herz - und den Ball - und hämmerte das Leder unhaltbar ins Netz. 1:1. Die Tribüne bebte, und Grant grinste nach dem Jubel: "Ich hab einfach mal draufgehalten. Wenn du nachdenkst, ist’s meistens zu spät." Von da an war es Einbahnstraßenfußball. Sonthofen schoss aus allen Lagen - 13 Torschüsse insgesamt, während Linx nur 8 zustande brachte. Besonders Christiano Frechaut und der quirlige Bernardo Galindez sorgten für Dauerbetrieb in der gegnerischen Hälfte. Galindez sollte es auch sein, der in der 75. Minute das Spiel endgültig auf den Kopf stellte: Nach einem präzisen Zuspiel von Rafael Meyer vollendete er zum 2:1. Haase im Linxer Tor streckte sich vergeblich, und selbst die Gästefans nickten anerkennend. "Wir haben die Flügel dicht gemacht - dachten wir zumindest", knurrte Linx-Trainer Dickschat nach dem Spiel und verschränkte die Arme. "Am Ende haben wir zu brav verteidigt. Und die da vorne", er zeigte Richtung Sonthofen-Sturm, "die hatten einfach Lust." Sonthofen dagegen spielte die letzten Minuten mit viel Herz - und ein bisschen Theatralik. Ashton Grant kassierte in der 68. Minute Gelb, weil er sich über einen Freistoßpfiff zu laut freute, Rafael Meyer folgte mit einer Verwarnung kurz vor Schluss. "Wir wollten eben zeigen, dass wir leben", grinste Meyer, der beim entscheidenden Pass zum 2:1 glänzte. Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: mehr Ballbesitz (55 zu 45 Prozent), leicht bessere Zweikampfquote (52 zu 48 Prozent) und deutlich mehr Willen. Linx versuchte es zwar noch mit langen Bällen, doch Sonthofens Defensive stand. Torwart Erland Gunnlaugsson, erst 19 Jahre jung, parierte in der Nachspielzeit einen Distanzschuss von Fabian Kopp und rettete damit die drei Punkte. Als der Schlusspfiff ertönte, sangen die 5000 Zuschauer nicht nur vor Freude, sondern auch vor Erleichterung. Sonthofen hatte gezeigt, dass man Rückstände nicht fürchtet - sondern sie als Einladung versteht. "Wir wollten Charakter zeigen, und das haben wir getan", sagte Matchwinner Galindez nach dem Spiel, während er noch Grasflecken von seinen Stutzen wischte. "Und ehrlich gesagt: Das fühlt sich besser an als ein 3:0 ohne Drama." Ein Journalist fragte zum Schluss noch, wie der Trainer den Sieg einordne. Der lächelte nur müde: "Wenn wir so weiterspielen, bekomme ich entweder graue Haare oder Pokalflair. Vielleicht beides." Und so endete ein Abend, der in Sonthofen wohl noch lange besprochen wird - in der Kabine, auf dem Heimweg und bei der nächsten Bratwurst. Denn manchmal genügt ein bisschen Mut, ein bisschen Leidenschaft und ein Bernardo Galindez, um ein Spiel zu drehen. 23.02.643994 11:35 |
Sprücheklopfer
Ja, erst Eckball und dann Tor.
Oliver Kahn auf die Frage: 'Herr Kahn, wie haben Sie die Situation gesehen, als jemand, der unmittelbar dabei war?' zu Manchesters 2:1 im CL-Finale