World Soccer
+++ Sportzeitung für internationale Wettbewerbe +++

Solna und Pruszkow liefern sich einen wilden Europaliga-Abend

Wenn 47.179 Zuschauer an einem frostigen Januarabend in die Friends Arena strömen, dann erwartet man Feuerwerk - und AK Solna und SK Pruszkow lieferten genau das: ein 2:2, das so schwankend und emotional war wie eine schwedisch-polnische Familienfeier mit zu viel Kaffee und zu wenig Schlaf.

Schon in der 14. Minute ging es los. Gunborg Söderberg, der Mann mit der Frisur eines Rockgitarristen, traf nach feinem Zuspiel von Albin Kraft zum 1:0 für Solna. "Ich hab’ einfach draufgehalten. Wenn man so einen Ball bekommt, denkt man nicht - man genießt", grinste Söderberg nach dem Spiel, während Trainer Torsh Maakay im Hintergrund versuchte, seine Mütze wiederzufinden, die beim Jubel in den dritten Zuschauerblock geflogen war.

Solna spielte in der ersten Halbzeit wie ein Team, das den Kaffee intravenös bekommt: 51 Prozent Ballbesitz, elf Schüsse aufs Tor, und eine offensive Ausrichtung, die selbst den Linienrichter ins Schwitzen brachte. Pruszkow dagegen wirkte zunächst wie auf Studienreise - solide, höflich, aber ohne allzu viel Initiative.

Nach der Pause änderte sich das Bild. Baltsar Taube, der bullige Mittelstürmer der Hausherren, erhöhte in der 50. Minute auf 2:0, nach einer butterweichen Vorlage von Lewis Donovan. "Ich dachte, der Ball sei ein bisschen zu weit", sagte Donovan später und grinste. "Aber Baltsar ist halt wie ein Magnet - nur dass er nicht Eisen, sondern Tore anzieht."

Doch dann drehte Pruszkow plötzlich auf, als hätte jemand in der Kabine den Schalter von "Schlafmodus" auf "Kampfgeist" gekippt. Nur sechs Minuten nach Taubes Treffer klingelte es auf der anderen Seite: Der 19-jährige Rechtsverteidiger Adrian Kosowski, gerade erst in die Startelf gerutscht, drosch den Ball nach einem Pass von Jerzy Zurawski unter die Latte. 2:1 - und der Gästeblock erwachte zum Leben. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Kosowski ehrlich zu. "Aber wenn’s drin ist, sag ich nicht nein."

Vier Minuten später war der Ausgleich da. Kamil Niedzielan, Innenverteidiger und Kapitän, köpfte nach einer Ecke von Constantin Furtok ein. 2:2, und plötzlich roch alles nach Dramatik. Solna wirkte geschockt, Trainer Maakay hämmerte an der Seitenlinie mit der Faust in die Luft, während sein Gegenüber Stefan Petruck die Arme verschränkt hielt und aussah, als hätte er das alles schon gestern in seinem Notizbuch skizziert.

Danach wurde es ruppiger. In der 54. Minute sah Solnas Harald Karlsson Gelb, nachdem er Kosowski umgesenst hatte - der junge Pole musste verletzt raus. "Das war kein böser Tritt", verteidigte sich Karlsson. "Er war einfach zu schnell. Ich wollte eigentlich nur Hallo sagen."

Petruck reagierte clever, brachte Angelo De Santis ins Spiel, der prompt für Unruhe sorgte. Drei gefährliche Abschlüsse (64., 82., 87.), aber Solnas Keeper Urban Brun hielt, was zu halten war. Einmal sogar mit dem Gesicht. "Tut weh, aber besser im Gesicht als im Netz", meinte Brun später lakonisch.

Maakay versuchte, mit den Einwechslungen von Jakob Afzelius und Ashton Clarke frische Energie zu bringen, stellte in den letzten Minuten auf volles Pressing. Doch Pruszkow verteidigte clever, ließ sich auch von 51 Prozent schwedischem Ballbesitz nicht beeindrucken.

Nach dem Schlusspfiff klatschten sich beide Teams ab, als hätten sie gerade gemeinsam eine Comedyshow überlebt. "Ein 2:2, das sich wie 4:4 anfühlt", sagte Petruck. Maakay nickte, leicht genervt: "Ja, aber ich hätte lieber 3:2 gehabt."

Und so blieb es bei einem Remis, das keinem hilft, aber allen gefällt. Solna bleibt offensiv beeindruckend, defensiv wacklig. Pruszkow dagegen hat Moral gezeigt - und einen 19-jährigen Rechtsverteidiger, von dem man wohl noch hören wird.

Als die Lichter in der Arena langsam ausgingen, sah man noch, wie Gunborg Söderberg mit einem Becher heißer Schokolade auf der Spielerbank saß und in den Nachthimmel grinste. "Unentschieden sind wie halbe Siege", murmelte er. "Nur dass sie keiner so richtig feiern will."

Und irgendwo in der Kälte von Solna nickte der Fußballgott zustimmend - schließlich war das hier kein langweiliges 2:2. Es war ein kleines Drama in 90 Akten, mit allem, was dazugehört: Leidenschaft, Stolz, und einem Tor, das eigentlich eine Flanke war.

23.07.643987 03:16
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag...
Dragoslav Stepanovic auf die Frage, was die kommende Woche bringt
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager