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Es war ein kalter, aber lauter Abend im Lwiwer Stadion, als 11.073 Zuschauer am 24. Spieltag der 1. Liga Ukraine ihren Sokol Lwiw zu einem 1:0-Arbeitssieg über den SC Poltawa trieben. Trainer Tim Holthaus’ Mannschaft zeigte, dass 51 Prozent Ballbesitz manchmal genügen, um 100 Prozent Herz zu beweisen. Von Beginn an war klar: Das wird kein feiner Opernabend, sondern ehrlicher Provinzfußball mit Kratzern, Stollen und Emotionen. Schon nach zwei Minuten prüfte Poltawas Linksaußen Jakow Bulykin den Lwiwer Keeper Timofej Kutschewski mit einem strammen Schuss - der Torwart parierte und brüllte anschließend seine Abwehr wach: "Wollt ihr mich hier erfrieren lassen oder was?" Das Publikum johlte. Sokol reagierte prompt: Swjatoslaw Majorow und Sergej Nikiforow feuerten in der Anfangsphase gleich mehrere Geschosse aufs Gästetor, als wollten sie eine neue Mauer aus Bällen errichten. Doch Poltawas Schlussmann Rodion Wikulow war aufmerksam, flog, hechtete, schimpfte - und hielt zunächst alles. In der 19. Minute sah der junge Linksverteidiger Ruslan Alenitschew Gelb, nachdem er Poltawas Eduard Petrenko etwas zu engagiert "begrüßt" hatte. Holthaus schüttelte lachend den Kopf: "Er hat eben Temperament. Und zwei linke Füße. Aber das gehört dazu." Dann die 30. Minute - der Moment, der das Spiel entschied. Zentralspieler Jewgraf Pogrebnjak hatte den Ball, schaute kurz, sah Grigori Jaschin starten. Ein Pass, so präzise, dass man ihn auch hätte rahmen können. Jaschin lief durch, ließ den Innenverteidiger Bogdan Starikow stehen wie eine Parkuhr und schob eiskalt ins linke Eck. 1:0 für Sokol Lwiw! Das Stadion bebte, Holthaus riss die Arme hoch - und Jaschin grinste später: "Ich wollte eigentlich flanken, aber dann dachte ich, ach, probier’s halt." Poltawa schien kurz geschockt, fing sich aber schnell. Joao Pauleta, der bullige Mittelstürmer, zwang Kutschewski mit einem Kopfball aus 21 Metern in die Flugschule. Doch die Kugel strich über die Latte - und der Torwart kommentierte später trocken: "Alles unter Kontrolle. Also fast." Bis zur Pause drückte Sokol weiter. Majorow hatte Chancen im Minutentakt, doch die Präzision ließ zu wünschen übrig. Ein Fan rief von der Tribüne: "Schieß nicht so fest, Junge, der Ball will’s auch nicht!" - Majorow grinste, aber der Ball wollte trotzdem nicht rein. Nach dem Seitenwechsel erhöhte Poltawa die Schlagzahl. Petrenko und Izquierdo versuchten es aus der Distanz, doch Kutschewski blieb Herr der Lage. Sokol verteidigte mit allem, was Beine hatte, und wenn’s eng wurde, half das Glück ein bisschen mit. In der 61. Minute fast das 2:0: Aristarkh Warlamow setzte sich im Strafraum durch, zog ab, doch Wikulow fischte das Ding aus dem Winkel - und klopfte anschließend den Pfosten, als würde er ihm danken. Die Schlussphase wurde ein einziger Nervenkrieg. Sokol warf sich in jeden Ball, Jaschin lief bis zur Erschöpfung, und Majorow schoss in der 91. Minute noch einmal drüber - aus drei Metern. "Ich hab den Wind falsch eingeschätzt", erklärte er nachher. "Drinnen zieht’s manchmal." Die Statistik spricht eine klare Sprache: 21 Torschüsse zu 7, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Sokol war aggressiver, konzentrierter, entschlossener. Poltawa spielte gepflegt, aber ohne Durchschlagskraft. Trainer Holthaus brachte es nach dem Abpfiff auf den Punkt: "Wir wollten gewinnen, sie wollten schön spielen. Schön ist relativ." Poltawas Coach, der sich nach Abpfiff nur kurz äußern wollte, murmelte: "Ein Tor Unterschied, aber fünf Liter Schweiß. Wir haben’s schwer gemacht - uns selbst, nicht dem Gegner." Und so endete ein Spiel, das kein fußballerisches Feuerwerk war, aber ein ehrlicher Kampf mit Charakter. Sokol Lwiw bleibt damit in der oberen Tabellenhälfte, während Poltawa weiter auf der Suche nach seiner Form ist - oder zumindest nach jemandem, der das Tor trifft. Am Ausgang sagte ein älterer Fan, die Mütze tief ins Gesicht gezogen, noch den Satz des Abends: "Früher war mehr Lametta, aber ein 1:0 ist auch was fürs Herz." Selten hat ein einziger Jaschin so viele kalte Hände gewärmt. 24.06.643993 03:57 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack