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Es war angerichtet im Lwiwer Stadtderby: Flutlicht, frostige Februarluft, 13.613 Zuschauer im Stadion und zwei Teams, die sich nichts schenken wollten - zumindest eine Halbzeit lang. Am Ende aber stand auf der Anzeigetafel ein erstaunlich klares 3:5 aus Sicht von Kapraty Lwiw, das sich nach aufopferungsvollem Beginn von den entfesselten Falken des Sokol Lwiw überrollen ließ. Es begann wie ein Märchen für Kapraty. Keine 60 Sekunden waren gespielt, da rauschte Linksverteidiger Zakhar Schatalow nach vorne, zog einfach mal ab - und traf. 1:0, Jubel, grüne Schals flogen, Trainer Holthaus auf der Gästebank rieb sich ungläubig die Augen. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", gab er später lachend zu. Doch das frühe Feuerwerk entpuppte sich als Strohfeuer. Sokol brauchte 26 Minuten, um den Schock abzuschütteln, dann schlug Swjatoslaw Majorow zu - natürlich auf Pass des pfeilschnellen Dmitri Lebedew. 1:1, und die Partie war wieder offen. In den Katakomben schimpfte ein älterer Fan: "Wenn schon der Außenverteidiger trifft, kann’s ja nur bergab gehen!" - prophetische Worte, wie sich später zeigen sollte. Denn zunächst sah es gar nicht so aus. Nach der Pause drehte Kapraty auf. Der 47-jährige Lars Busch - Veteran, Publikumsliebling, gefühlt mit der Geburtsurkunde des Vereins auf dem Platz - schnürte binnen zwei Minuten einen Doppelpack (51., 53.). Zuerst nach Kirastas’ Vorlage, dann nach Traumpass von Pawel Bure, der noch nicht ahnte, dass sein Spiel später schmerzhaft enden würde. 3:1! Die Heimkurve bebte, und Busch grinste: "In meinem Alter freut man sich über jedes Tor doppelt - vielleicht, weil man sie so selten schießt." Doch dann kam die 57. Minute - und mit ihr der Bruch. Rechtsverteidiger Tasos Tsigas, zuvor schon Gelb verwarnt, ließ sich zu einem übermotivierten Einsteigen hinreißen. Gelb-Rot. Kapraty zu zehnt, Busch vorne allein auf weiter Flur. Trainer Holthaus brachte frische Kräfte, darunter den 22-jährigen Jewgraf Pogrebnjak, der später zum Mann des Abends werden sollte. Sokol witterte seine Chance. In der 70. Minute traf erneut Majorow, diesmal nach Kopfballvorlage des Innenverteidigers Vadim Kassatonow. Nur fünf Minuten später markierte Juri Simin, gerade mal 19 Jahre alt, den Ausgleich - eiskalt nach Vorarbeit von Denis Mironow. Das Stadion verstummte, und auf der Kapraty-Bank sah man betretenes Schweigen. Dann kam Pogrebnjak. Der junge Mittelfeldmann, zur zweiten Halbzeit eingewechselt, spielte, als hätte er in der Pause Koffein direkt injiziert bekommen. In der 78. Minute zog er aus 20 Metern ab - drin. Zwei Minuten später: fast identisch, wieder drin. 3:5. Zwei Tore in zwei Minuten, während Kapraty nach Bures Verletzung (79.) endgültig auseinanderfiel. "Ich habe einfach geschossen, weil keiner kam", grinste Pogrebnjak nach dem Spiel, "vielleicht war das das Geheimnis." Trainer Holthaus nickte anerkennend: "Er hat gemacht, wofür wir ihn bringen - Chaos stiften." Statistisch war’s eine enge Kiste: 16 Torschüsse Kapraty, 12 von Sokol, Ballbesitz leicht zugunsten der Gastgeber (52 zu 48 Prozent). Aber was nützen Zahlen, wenn einer weniger auf dem Platz steht und der Gegner plötzlich an sich glaubt? "Wir haben uns selbst geschlagen", knurrte Kapraty-Kapitän Busch, der nach Abpfiff jeden seiner jungen Mitspieler einzeln tröstete. "Aber wenn ich mit 47 zwei Tore mache, sollte das eigentlich reichen." Ein Satz, der in der Kabine noch länger nachhallen dürfte. Für Sokol hingegen war es der Abend der Befreiung. Nach zuletzt müden Auftritten zeigte die Mannschaft Moral, Geduld - und die jugendliche Frechheit, die Trainer Holthaus immer predigt. "Wir sind jung, wir dürfen Fehler machen - solange wir sie mit Toren beantworten", sagte er. Die Fans von Kapraty hingegen traten enttäuscht den Heimweg an. Einer rief beim Hinausgehen: "Vielleicht sollte Busch auch noch im Tor spielen - da trifft wenigstens einer!" Fazit: Ein Derby, das alles hatte - Tempo, Tore, Karten, Drama und einen 47-jährigen Torjäger, der kurzzeitig den Altersrekord der Liga gefährdete. Nur eines fehlte Kapraty am Ende: die Nerven. Und ein Spieler mehr. Das nächste Derby kommt bestimmt. Und wer weiß - vielleicht ist dann selbst der alte Busch wieder zur Stelle. Schließlich hat er jetzt Blut geleckt. 19.11.643990 14:22 |
Sprücheklopfer
Es ist mir völlig egal, was es wird. Hauptsache, er ist gesund.
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