Gazeta Sportowy
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Sleza Wroclaw zerlegt SK Posen - ein rot-gelbes Feuerwerk vor 19.003 Fans

Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob SK Posen eigentlich wusste, dass das Spiel um 20:30 Uhr angepfiffen wurde. Sleza Wroclaw jedenfalls war pünktlich da - und wie! Nach nur sieben Minuten zappelte der Ball das erste Mal im Netz, und zwar auf die denkbar schönste Art: Der 18-jährige Andrej Stastny, ein Wirbelwind mit Teenager-Lächeln und Eiskunstläufer-Füßen, vollendete nach feiner Vorarbeit von Grzegorz Mila zum 1:0. Zwei Minuten später legte Mateusz Piechaczek nach - 2:0, und viele Fans hatten ihr erstes Bier noch gar nicht ausgetrunken.

"Ich habe den Jungs vor dem Spiel gesagt: Wenn wir früh treffen, kann das hier ein langer Abend für Posen werden", grinste Trainer Andy Larkin später, als wäre das 5:1 nur eine nette Randnotiz.

Das war es nicht. Denn Sleza spielte mit einer Selbstverständlichkeit, als hätte man vergessen, dass man in der 2. Liga Polen unterwegs ist. Offensiv ausgerichtet von der ersten bis zur letzten Minute, 14 Schüsse aufs Tor, etwa 50 Prozent Ballbesitz - und das Gefühl, dass da noch mehr drin gewesen wäre.

Posen, das sich in den ersten Minuten wie ein Tourist auf der Autobahn fühlte, kam erst nach der Pause ins Spiel. Pau Alvar, der rechte Flügelmann mit der typisch spanischen Mischung aus Eleganz und Unberechenbarkeit, traf in der 48. Minute zum 1:2-Anschluss. Kurz flackerte Hoffnung auf - und erlosch genau fünf Minuten später.

Denn Grzegorz Jelen, der bullige Linksaußen, machte aus einem Piechaczek-Zuspiel das 3:1. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Jelen trocken, "der Ball wollte wohl auch mal ins Netz."

Danach wurde es bitter für Posen. Der bereits verwarnte Jacek Gorski ließ sich in der 61. Minute zu einem rustikalen Einsteigen hinreißen, das in jeder Rugby-Liga Applaus bekommen hätte. Schiedsrichter Zukowski zückte Rot, und die Gäste standen mit zehn Mann da. "Ich hab den Ball gespielt", murmelte Gorski später, vermutlich zum dritten Mal an diesem Abend - nur glaubte es ihm keiner.

Die restlichen 30 Minuten wurden zur rot-gelben Gala. Stastny krönte seinen Auftritt mit dem 4:1 in der 64. Minute, wieder nach Pass von Piechaczek - und dieser revanchierte sich zwei Minuten später selbst mit dem 5:1. Ein Doppelschlag, der die Zuschauer aufsprengen ließ wie Popcorn in der Mikrowelle.

"Wir wollten offensiv bleiben, auch nach dem 4:1", erklärte Larkin hinterher mit einem Schulterzucken. "Die Jungs hatten einfach Spaß. Und wenn Fußball Spaß macht, kann man ihn kaum stoppen."

Spaß hatte allerdings nicht jeder. Posen-Trainer (dessen Name auf dem Spielberichtsbogen auffällig leer blieb) stand die Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben. Seine Mannschaft, taktisch ausgewogen gestartet, hatte am Ende nicht einmal mehr eine erkennbare Formation - laut Statistik war die Ausrichtung bei Abpfiff schlicht: "NONE". Man kann’s kaum schöner sagen.

Ein kurzer Schreckmoment für Wroclaw kam in der 72. Minute, als Grzegorz Mila verletzt raus musste. Doch selbst das tat der Spielfreude keinen Abbruch: Der eingewechselte Marek Warzycha fügte sich nahtlos ein. "Ich dachte, ich komm rein und darf die Uhr runterspielen", lachte Warzycha, "aber die Jungs haben mich gleich in drei Angriffe gezwungen."

Mit 19.003 Zuschauern war das Stadion fast ausverkauft, die Stimmung ausgelassen und voller Ironie. Ein Fan rief nach dem 5:1: "Jetzt noch eins, damit’s glatt klingt!" - aber auch ohne sechstes Tor war dieser Abend rund.

Die Statistik liest sich brutal: 14 zu 4 Torschüsse, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, ein Gegner in Unterzahl und zwei Youngster, die die Liga wachrütteln könnten. Stastny und Piechaczek - 18 und 20 Jahre alt - erzielten zusammen vier Tore und zwei Assists. Das klingt nicht nach Zufall, sondern nach Zukunft.

"Wenn die beiden so weitermachen, muss ich bald Eintritt zahlen, um sie spielen zu sehen", witzelte Trainer Larkin beim Abgang in die Kabine.

Vielleicht war das übertrieben. Vielleicht aber auch nicht. Denn an diesem Freitagabend im Februar war Sleza Wroclaw mehr als nur ein Zweitligist - sie waren ein Statement in Rot und Gelb. Und SK Posen? Nun ja, die werden die Rückfahrt wohl schweigend angetreten haben.

Ein Abend, der zeigte, dass Fußball manchmal ganz einfach ist: Wer Tore schießt, gewinnt. Und wer fünf schießt, darf dabei auch noch schön aussehen.

16.01.643991 15:40
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Mein Problem ist, dass ich immer sehr selbstkritisch bin, auch mir selbst gegenüber.
Andreas Möller
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