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Ein Abend zum Vergessen für Jeziorak Ilawa, ein Fest für die mitgereisten Fans aus Wroclaw. 18.513 Zuschauer sahen am Mittwochabend in Ilawa ein Spiel, das mit Fug und Recht als Einbahnstraßenfußball bezeichnet werden darf. Sleza Wroclaw gewann in der 2. Liga Polen mit 4:0 (1:0) - und das war fast noch schmeichelhaft für die Gastgeber. Von Beginn an ließ die Mannschaft von Trainer Andy Larkin keinen Zweifel daran, wer hier das Kommando führen würde. Während Jeziorak Ilawa sich in der eigenen Hälfte verschanzte und offenbar hoffte, dass 90 Minuten auch ohne Ballbesitz vorbeigehen, rollte Angriff um Angriff auf das Tor von Keeper Joao Carvalho zu. Schon nach fünf Minuten prüfte Stanislaw Nawalka den Torwart mit einem satten Schuss aus der Distanz - ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte. "Wir wollten eigentlich ruhig anfangen", grinste Larkin nach dem Spiel, "aber die Jungs hatten wohl vergessen, dass das Spiel 90 Minuten dauert." Tatsächlich: Sleza drückte, kombinierte, passte - kurz: sie tanzten. In der 17. Minute fiel dann das logische 0:1: Rechtsverteidiger Wladimir Wisio stürmte nach vorn, bekam den Ball von Flügelflitzer Grzegorz Mila und jagte ihn humorlos ins Netz. Dass ein Außenverteidiger den Torreigen eröffnet, passte perfekt zu diesem Abend der Überraschungen. Jeziorak-Coach, der sich nach dem Spiel lieber anonym äußern wollte ("Ich komme morgen nicht in die Zeitung, oder?"), sah seine Mannschaft immerhin kämpferisch, aber chancenlos. 0 Torschüsse - das ist kein Tippfehler, das ist Statistik. 35 Prozent Ballbesitz, eine Tacklingquote von knapp 39 Prozent - Werte, die selbst im Trainingsspiel für Stirnrunzeln sorgen würden. Nach der Pause wurde es nicht besser. Sleza, taktisch weiterhin offensiv eingestellt, spielte weiter Kurzpass-Fußball vom Feinsten. Der 18-jährige Andrej Stastny, der schon in der ersten Hälfte auffällig war, krönte seine Leistung in der 70. Minute mit einem Treffer nach feinem Zuspiel von Mateusz Piechaczek. 0:2 - und die Moral von Jeziorak endgültig am Boden. "Ich hab das Gefühl, wir haben heute gegen zwölf gespielt", murmelte Abwehrchef Manfred Wolff kopfschüttelnd in Richtung Kabine. Doch Wroclaw hatte noch nicht genug. In der 83. Minute durfte Vorbereiter Grzegorz Mila selbst ran: Nach schöner Vorarbeit von Nawalka traf er präzise ins linke Eck. 0:3, und auf der Tribüne standen die mitgereisten Fans längst, als wäre der Aufstieg schon sicher. Als Piechaczek in der 90. Minute auch noch das 0:4 drauflegte, war der letzte Rest Hoffnung in Ilawa dahin. "Wir wollten zeigen, dass wir Fußball spielen können - und das hat funktioniert", sagte Larkin mit einem Augenzwinkern. Sein Gegenüber reagierte weniger gelassen: "Ich habe meine Spieler gefragt, ob sie das Tor vielleicht mitgebracht haben, das sie angeblich treffen wollten. Keiner hat’s gefunden." Dass Sleza 17 Torschüsse abgab, spricht Bände. Jeziorak schoss kein einziges Mal auf das gegnerische Tor - eine Bilanz, die in der Klubgeschichte wohl nicht oft vorkommt. "Solche Spiele gibt’s, da läuft einfach alles schief", versuchte Linksverteidiger Lennard Lee, der in der 80. Minute noch Gelb sah, das Debakel zu erklären. Die Wroclawer ließen sich davon nicht beirren. Selbst in der Nachspielzeit drängten sie weiter nach vorn, als wollten sie beweisen, dass 4:0 nur ein Zwischenstand sei. Die Zuschauer in Ilawa verabschiedeten ihr Team mit höflichem Applaus - man könnte auch sagen, mit dem Respekt, den man einer überrollten, aber nicht gebrochenen Mannschaft zollt. Am Ende bleibt festzuhalten: Sleza Wroclaw spielte wie ein Aufstiegskandidat, Jeziorak Ilawa wie ein Team, das den Ball lieber aus sicherer Entfernung betrachtet. 64 Prozent Ballbesitz, sauberes Passspiel, vier verschiedene Torschützen - das war Fußball zum Genießen, zumindest für eine Seite. Und während Andy Larkin bei der Pressekonferenz ein breites Grinsen nicht verbergen konnte ("Ich glaube, meine Jungs haben heute sogar Spaß gehabt"), meinte ein erschöpfter Michael Link von Jeziorak trocken: "Ich nicht." Vielleicht das ehrlichste Zitat des Abends. 25.06.643993 21:42 |
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