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Ein lauer Frühlingsabend in Wieliczka, 12.500 Zuschauer im Stadion, Flutlicht, Spannung - und am Ende eine bittere Heimniederlage für Gornik Wieliczka. 2:3 hieß es nach 90 intensiven Minuten gegen die jugendlich freche Truppe von Sleza Wroclaw. Ein Spiel, das alles hatte: Tore, Platzverweise, Verletzungen - und einen Trainer, der nach Abpfiff mit hochrotem Kopf den Rasen verließ. Schon in den ersten Minuten machte Gornik klar, wer hier das Hausrecht hat. Burak Nawalka, der 32-jährige Routinier im rechten Sturm, prüfte gleich dreimal in den ersten zwanzig Minuten den jungen Keeper Blaszczykowski. "Ich hab gezielt geschossen, nur der Ball hatte andere Pläne", grinste Nawalka später mit einem Anflug von Galgenhumor. Doch das erste Tor fiel auf der anderen Seite: In der 29. Minute nutzte der 18-jährige Arkadiusz Trytko einen blitzsauberen Pass seines Kollegen Marek Waldoch und schob eiskalt ein - 0:1. Ein typischer Teenager-Treffer: frech, schnell und ohne Respekt vor großen Namen. Gornik reagierte prompt. Nur zwei Minuten später versenkte Jakub Cyron den Ball nach Vorarbeit von Stanislaw Gilewicz zum 1:1. Das Stadion tobte, Bierbecher flogen, und sogar der Stadionsprecher klang kurz wie ein Radiomoderator auf Energy Kraków. Doch kaum hatte sich die Menge beruhigt, schlug Wroclaw erneut zu: Andrej Stastny, ebenfalls zarte 18 Jahre alt, traf nach einer Ecke per Volleyschuss (35.). "Der Junge wusste gar nicht, dass man das so nicht macht", lachte sein Trainer Andy Larkin später. "Er hat’s einfach versucht - und getroffen." Aber Gornik wäre nicht Gornik, wenn sie sich so einfach ergeben hätten. Noch vor der Pause (40.) vollendete Mateusz Bosacki eine feine Kombination über die linke Seite zum 2:2-Ausgleich. Sein Jubel? Eine Mischung aus Erleichterung und Erschöpfung. "Ich wollte eigentlich zur Eckfahne rennen, aber meine Beine sagten nein", gestand Bosacki nach dem Spiel. Halbzeit - vier Tore, aber keiner zufrieden. Im zweiten Durchgang wurde das Spiel härter. Schon in der 46. Minute kassierte Wroclaws Abwehrchef Mateusz Gadocha Gelb, wenig später musste Gorniks Oleg Lewandowski verletzt raus. Trainer Marek Dobrowolski (der sich nach dem Spiel weigerte, Fragen über seine Fitnessabteilung zu beantworten) brachte Severin Meyer - der prompt selbst Gelb sah. Und dann kam der Knackpunkt: In der 67. Minute flog Marian Kazmierczak mit Gelb-Rot vom Platz, nachdem er den flinken Stastny an der Seitenlinie unsanft stoppte. "Ich wollte nur den Ball!", rief er Richtung Schiedsrichter, der unbeeindruckt blieb. Sleza witterte nun ihre Chance. In der 75. Minute schnürte Arkadiusz Trytko seinen Doppelpack - diesmal nach Vorarbeit von Stanislaw Nawalka, der das Mittelfeld dominierte, als hätte er schon 100 Spiele mehr auf dem Buckel. 3:2 für die Gäste. "Das war kein Glück, das war jugendlicher Leichtsinn mit Zielwasser", meinte Trainer Larkin schmunzelnd. In der Schlussphase versuchte Gornik alles: Ivan Barukcic und Nawalka feuerten aus allen Lagen, doch der Ball wollte einfach nicht mehr rein. Der junge Keeper Blaszczykowski flog durch den Strafraum wie ein erfahrener Akrobat. "Ich hab manchmal gar nichts gesehen, nur gespürt, wo der Ball ist", erklärte er mit unschuldigem Lächeln. In der 86. Minute schwächte sich Wroclaw selbst - Gadocha sah nach wiederholtem Foulspiel Gelb-Rot. Zehn gegen zehn, aber Gornik fand kein Durchkommen mehr. Nach Abpfiff standen zwei Welten auf dem Platz: auf der einen Seite jubelnde Teenager aus Wroclaw, die sich gegenseitig Selfies auf der Trainerbank machten, auf der anderen die abgekämpften Routiniers aus Wieliczka, die sich wortlos in die Kabine schleppten. "Manchmal gewinnt die Zukunft gegen die Erfahrung", murmelte Heimkeeper Arvid Bjerregaard, der mehrfach stark pariert hatte, aber letztlich machtlos war. Statistisch gesehen war Gornik gar nicht so schlecht: 16 Torschüsse zu 11, knapp 52 % Ballbesitz, sogar etwas bessere Zweikampfquote. Doch Fußball ist eben kein Schönheitswettbewerb. Und Sleza Wroclaw zeigte, dass Mut und Tempo manchmal mehr zählen als Routine und Ballbesitz. Ein Journalist fragte Trainer Larkin, ob er seine jungen Spieler nach diesem Sieg auf dem Boden halten könne. "Klar", antwortete der Brite trocken, "morgen muss jeder um acht Uhr zur Schule." Das Lachen auf der Pressekonferenz war laut - fast so laut wie die Fans während des Spiels. Ein verrückter Abend in Wieliczka, an dem die Jugend triumphierte, Erfahrung verzweifelte und das Publikum bekam, was es wollte: Unterhaltung pur. Und wer weiß - vielleicht erinnern wir uns eines Tages an diesen 32. Spieltag der 2. Liga Polen als den Moment, in dem Sleza Wroclaw erwachsen wurde. 14.09.643993 22:03 |
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