// Startseite
| Gazeta Sportowy |
| +++ Sportzeitung für Polen +++ |
|
|
|
Es war ein frostiger Februarabend in Pruszkow, aber auf dem Rasen brannte die Luft. 39.389 Zuschauer sahen eine Partie, die vor allem eines zeigte: SK Pruszkow kann nicht nur kämpfen, sondern auch tanzen. Mit einem 2:0 gegen Lygia Warschau untermauerten die Gastgeber am 32. Spieltag der 1. Liga Polen ihre Ambitionen - und ließen den Hauptstadtklub aus Warschau phasenweise aussehen wie eine Schulmannschaft auf Klassenfahrt. "Wir wollten früh Druck machen - und das haben die Jungs perfekt umgesetzt", sagte Trainer Stefan Petruck nach dem Spiel, während er sich ein breites Grinsen nicht verkneifen konnte. "Ich habe selten so viele gute erste 15 Minuten gesehen, in denen wir gefühlt schon alles hätten klar machen können." Tatsächlich feuerte Pruszkow in den ersten sieben Minuten gleich vier Schüsse aufs Tor ab - Dario Poggi, Constantin Furtok, Domenik Szymkowiak und Amadeus Kowalik sorgten dafür, dass Lygia-Torwart Tasos Spyropoulos schon früh die Handschuhe warm bekam. Doch das erlösende 1:0 ließ bis zur 33. Minute auf sich warten. Da zog der 18-jährige Tomasz Mieciel nach feinem Zuspiel von Rechtsverteidiger Adrian Kosowski trocken ab - und plötzlich explodierte das Stadion. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Mieciel später. "Kosowski hat da einen Zuckerpass gespielt. Danach war’s nur noch Instinkt." Das 1:0 war verdient, ja fast überfällig. Zur Halbzeit hatte Pruszkow 11 Schüsse aufs Tor abgegeben, Warschau gerade einmal zwei. Von Ballbesitz (52 zu 48 Prozent) und Zweikampfquote (56 Prozent für Pruszkow) ganz zu schweigen. Lygia-Trainer Kamil Breer versuchte zur Pause mit einem Dreifachwechsel die Wende herbeizuführen - und brachte frische Jugend: Da Cru, Gorski und Van Vleck kamen aufs Feld. Doch das half wenig. Denn kaum war die zweite Halbzeit richtig angelaufen, schlug Pruszkow erneut zu. In der 56. Minute war es Dario Poggi, der nach perfekter Vorarbeit von Angelo De Santis zum 2:0 einnetzte. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch: Flanke von rechts, Poggi nimmt den Ball direkt - Tor, Feierabend. "Ich hab ihn genau so im Training 20 Mal geübt", behauptete Poggi verschmitzt. "19 Mal ging’s daneben - aber das eine Mal zählt." Damit war das Spiel im Grunde entschieden. Pruszkow kontrollierte das Geschehen, ließ Ball und Gegner laufen und gönnte sich sogar den Luxus, die jungen Wilden aufs Feld zu schicken: Ab der 57. Minute durfte der 18-jährige Stanislaw Ogaza ran, kurz darauf der 17-jährige Yves Schäfer. Beide sorgten für frischen Wind - und einige hübsche Szenen, die das Publikum verzückten. Lygia Warschau hingegen blieb blass. Der 17-jährige Mittelstürmer William McShane versuchte es zwar mehrfach (unter anderem in der 53. Minute), doch Torwart Pedro Sousa im Pruszkower Kasten hatte einen ruhigen Abend. Einziger Aufreger: In der 86. Minute sah der eingewechselte Van Vleck noch Gelb, nachdem er sich bei einem harmlosen Einwurf zu lautstark mit dem Schiedsrichter unterhalten hatte. "Ich wollte nur wissen, ob er überhaupt die Linie sieht", murrte der 18-Jährige nach Abpfiff. Stefan Petruck nahm das Ganze gelassen. "Da haben ein paar junge Warschauer heute Lehrgeld bezahlt. Aber das ist normal. Wir waren auch mal die, die hinterherliefen." Sein Gegenüber Breer hingegen wirkte bedient: "Wir hatten einfach keinen Zugriff. Pruszkow war heute eine Klasse besser." Dass der Sieg am Ende auch in Zahlen klar war, unterstreichen die Statistiken: 19 Schüsse aufs Tor für Pruszkow, nur 6 für Lygia. Ballbesitz leicht zugunsten der Hausherren, aber vor allem: mehr Mut, mehr Tempo, mehr Ideen. Und so tanzte sich SK Pruszkow an diesem Abend in die Herzen seiner Fans - mit jugendlicher Spielfreude, taktischer Disziplin und einer Prise Frechheit. "Wenn wir so weitermachen, kann uns keiner stoppen", rief Mieciel noch in die Fankurve, während er sich den Schal umwarf. Nur einer blieb nüchtern: Torwart Sousa, der mit einem Schulterzucken meinte: "Zwei zu null, zu null gehalten - was will man mehr? Vielleicht einen heißen Tee." In Pruszkow dürfte man ihm den gerne spendieren. Schließlich war’s ein Abend, der Fußballherzen wärmte - und die Warschauer frösteln ließ. 11.04.643990 17:29 |
Sprücheklopfer
Wenn sie mich heute Scheiße fragen, wissen Sie auch nicht, ob Sie morgen noch ihren Job haben.
Andreas Brehme nach einer Niederlage auf die Frage, ob er glaubt, am nächsten Tag noch Trainer des 1.FC Kaiserslautern zu sein.[t]Andreas Brehme