// Startseite
| Gazeta Sportowy |
| +++ Sportzeitung für Polen +++ |
|
|
|
Wenn 38.591 Zuschauer an einem frostigen Januarabend ins Stadion von Pruszkow pilgern, dann erwartet man kein laues Ballgeschiebe. Und tatsächlich: Der SK Pruszkow bot beim 2:0 (1:0) gegen Jeziorak Ilawa Fußball, der so heiß war, dass selbst der Rasen dampfte - zumindest bildeten sich kleine Nebelschwaden rund um die Strafraumkante, als Stanislaw Ogaza in Minute 30 die Führung erzielte. Trainer Stefan Petruck hatte seine Mannschaft von Beginn an offensiv ausgerichtet. 71 Prozent Ballbesitz, 24 Torschüsse - wer das Spiel sah, bekam den Eindruck, die Gäste aus Ilawa hätten vor dem Anpfiff vergessen, dass sie auch mitspielen dürfen. "Wir wollten mutig auftreten", sagte Petruck nach dem Spiel schmunzelnd. "Aber ehrlich: Wenn du siehst, wie die Jungs kombinieren, kannst du nur hoffen, dass sie nicht zu früh den Führerschein machen - die fahren hier schon genug Slalom um die Gegner." Der Pokal der jugendlichen Unbekümmertheit ging diesmal an die beiden 17-Jährigen Yves Schäfer und Leandro Jorge. Schäfer, der rechte Wirbelwind, war überall zu finden - auf der Außenbahn, im Strafraum, manchmal sogar beim Einwurf des Gegners. Dass er am Ende den Schlusspunkt setzte, passte perfekt in dieses jugendliche Drehbuch. In der 88. Minute nagelte er den Ball nach Vorarbeit von Angelo De Santis in die Maschen. "Ich hab gar nicht überlegt. Ich hab einfach draufgehauen", grinste Schäfer später. "Angelo hat gesagt: ’Mach einfach dein Ding’ - also hab ich’s gemacht." Zuvor hatte Ogaza bereits im ersten Durchgang für Erleichterung gesorgt. Nach 30 Minuten wurde er über rechts von De Santis bedient, drehte sich elegant um den Verteidiger und versenkte trocken ins lange Eck. Es war die logische Konsequenz einer halben Stunde Dauerdruck, in der Jezioraks Torwart Raphael Rudolph mehr Ballkontakte hatte als alle seine Vorderleute zusammen. Die Gäste, ohnehin mit nur zwei Schüssen aufs Tor (ja, richtig gelesen: zwei!), versuchten sich an Schadensbegrenzung. Doch als Verteidiger Lennard Lee in der 56. Minute nach einem rustikalen Einsteigen den roten Karton sah, war das Spiel endgültig gelaufen. "Ich hab den Ball gespielt", verteidigte sich Lee nach dem Spiel. Der Reporter sah allerdings mehr Stollen als Ball - und der Schiedsrichter wohl auch. Für Ilawa war der Abend eine Lektion in Sachen Demut. Ihr Trainer, dessen Gesicht nach Abpfiff an eine Marmorstatue erinnerte, fasste es kurz zusammen: "Wir waren da, mehr kann ich dazu nicht sagen." Pruszkow dagegen spielte sich in einen Rausch. Krzysztof Okonski und Domenik Szymkowiak feuerten aus allen Lagen, Yves Schäfer wirbelte, und im Mittelfeld zog der 19-jährige Joaquin Maniche die Fäden, als hätte er einen unsichtbaren Dirigentenstab. Nur das Aluminium hatte etwas dagegen, dass das Ergebnis höher ausfiel. Selbst Torwart Humberto Miguel, ebenfalls erst 17, zeigte sich nach dem Abpfiff fast enttäuscht: "Ich hätte gern mal was gehalten. Aber sie haben ja kaum geschossen", grinste er und wischte sich den imaginären Schweiß von der Stirn. Die Statistik sprach ohnehin Bände: 71 Prozent Ballbesitz, 24:2 Torschüsse, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Jeziorak Ilawa war in dieser Partie ungefähr so präsent wie ein WLAN-Signal im Wald. Ein kleiner Aufreger blieb noch: In der 83. Minute kassierte Routinier Rafael Acevedo Gelb, nachdem er bei einem Zweikampf etwas zu leidenschaftlich zu Werke ging. "Ich wollte nur zeigen, dass ich noch Puls habe", scherzte der 32-Jährige später in der Mixed Zone. Am Ende stand ein klarer, verdienter Sieg für den SK Pruszkow, der mit dieser Mischung aus jugendlicher Unbekümmertheit und taktischer Disziplin derzeit zu den unterhaltsamsten Teams der polnischen 1. Liga gehört. Trainer Petruck ließ sich zum Schluss sogar zu einem beinahe philosophischen Satz hinreißen: "Manchmal musst du einfach den Ball laufen lassen - und hoffen, dass er sich in dich verliebt." Ein Satz, der nach diesem Abend durchaus seine Berechtigung hatte. Denn der Ball, so schien es, fühlte sich im Strafraum von Ilawa sichtlich wohl - und verabschiedete sich erst, als der Schiedsrichter abpfiff. Fazit: SK Pruszkow tanzt, Jeziorak schaut zu. Und wer wissen will, wie sich Zukunft anfühlt, der sollte sich merken: Schäfer, Ogaza, Jorge - Namen, die man so schnell nicht vergisst. 22.07.643987 00:59 |
Sprücheklopfer
Lorant ist von seinem Niveau her bei einem Verein, der sein Niveau hat.
Oliver Kahn