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Es war ein frostiger Pokalabend in Poniatowa, aber auf dem Rasen brannte es bereits nach wenigen Minuten lichterloh - zumindest auf einer Seite. 12.500 Zuschauer sahen, wie der Drittligist SK Pruszkow den Gastgeber Stal Poniatowa mit 2:0 aus dem Wettbewerb schoss. Und das Ergebnis schmeichelt den Hausherren noch. Von Beginn an war klar, dass die Gäste aus Pruszkow nicht zum Sightseeing gekommen waren. Bereits in der vierten Minute prüfte Amadeus Kowalik den Heimkeeper Antonio Sousa mit einem Schuss, der so hart war, dass der Ball beinahe als Komet über den Nachthimmel flog. Sousa hielt, doch das war nur der Auftakt zu einer Einbahnstraßen-Halbzeit. In der 22. Minute fiel das 0:1 - und es war so schön, dass man selbst als neutraler Beobachter fast Beifall klatschen wollte. Nach einem schnellen Angriff über links legte der 18-jährige Tomasz Mieciel mustergültig quer, und Kowalik vollendete eiskalt. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass er reingeht", grinste Kowalik später, als hätte er gerade das erste Tor seiner Karriere erzielt. Stal Poniatowa versuchte, dagegenzuhalten, aber die Versuche blieben meist theoretischer Natur. Der einzige Torschuss der Hausherren in der 19. Minute kam von Rahim Özdenak - ein harmloser Roller, den Pruszkows Keeper Pedro Sousa locker aufnehmen konnte. Elf Minuten später klingelte es erneut: Der erst 21-jährige Christopher Preston traf nach feiner Vorarbeit von Jerzy Augustyn zum 0:2 (33.). Augustyn, der noch jubelte, ahnte da wohl nicht, dass sein Name später noch einmal fallen würde - und zwar weniger schmeichelhaft. Denn nach der Pause wurde das Spiel härter, aber nicht spannender. Pruszkow dominierte mit 54 Prozent Ballbesitz, spielte 18 Mal aufs Tor, während Stal es bei einem Versuch beließ. Trainer Stefan Petruck an der Seitenlinie gestikulierte wild, aber sein Team blieb cool. "Wir wollten das Spiel kontrollieren, nicht kaputtlaufen", erklärte er nach Abpfiff. "Und ehrlich gesagt, Stal hat uns dabei geholfen." Poniatowa kämpfte, stolperte, rutschte - und verlor die Nerven. In der 71. Minute sah Augustyn Gelb, in der 78. dann glatt Rot nach einem übermotivierten Einsteigen, das man auch als Bewerbung für den örtlichen Judo-Verein verstehen konnte. "Ich habe den Ball gespielt", behauptete er später mit Unschuldsmiene. Trainer Petruck schüttelte da nur den Kopf. "Wenn das der Ball war, dann spiele ich ab sofort mit Backstein." Trotz Unterzahl ließ Pruszkow nichts mehr anbrennen. Sogar Innenverteidiger Ilja Malachow gönnte sich in der 81. Minute einen Schuss aufs Tor - weil er’s konnte. Amadeus Kowalik hätte kurz vor Schluss fast noch das 0:3 erzielt, doch sein Schuss strich knapp vorbei. Stal Poniatowa-Coach (dessen Name man sich besser nicht merken muss, um ihn zu schonen) stand nach dem Schlusspfiff minutenlang regungslos an der Seitenlinie. "Wir haben Charakter gezeigt", murmelte er in die Mikrofone - ein Satz, den Fußballtrainer meist dann verwenden, wenn ihnen sonst nichts mehr einfällt. Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit höflichem Applaus, vielleicht auch aus Mitleid. Die Fans von SK Pruszkow hingegen sangen sich warm für die nächste Pokalrunde. "Wir sind auf einem guten Weg", sagte Torschütze Preston grinsend. "Wenn wir so weiterspielen, kommt vielleicht sogar mal ein Reporter aus Warschau." Statistisch gesehen war der Abend eine klare Angelegenheit: 18:1 Torschüsse, 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe, Ballbesitzvorteil für Pruszkow. Dass es "nur" 0:2 endete, lag wohl daran, dass die Gäste nach der Pause lieber den Ball laufen ließen als das Ergebnis nach oben zu schrauben. So blieb Stal Poniatowa am Ende nur die Erkenntnis, dass man ein Fußballspiel auch verlieren kann, ohne je wirklich daran teilgenommen zu haben. Oder, wie es ein älterer Fan mit Schal und Thermoskanne beim Verlassen des Stadions auf den Punkt brachte: "Die hätten heute auch bis Mitternacht spielen können - ein Tor hätten sie trotzdem nicht geschossen." Und damit war alles gesagt. 21.07.643987 22:11 |
Sprücheklopfer
Lorant ist von seinem Niveau her bei einem Verein, der sein Niveau hat.
Oliver Kahn