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Ein Freitagabendspiel unter Flutlicht, knackig kalt und mit 37.438 Zuschauern im Stadion von Pruszków - das klingt nach Fußballromantik, nach heißer Wurst und kalten Händen. Am 11. Spieltag der 1. Liga Polen empfing SK Pruszkow den FC Lubin - und nach 90 intensiven Minuten durften die Gäste jubeln: 1:2 (1:1) lautete das Endergebnis, das die nüchternen Zahlen zwar korrekt, aber kaum gerecht der Dramatik dieses Spiels wiedergeben. Lubin erwischte den besseren Start. Bereits in der 11. Minute zappelte der Ball im Netz - ausgerechnet nach einem Standard, bei dem Innenverteidiger Bartosz Trytko plötzlich Torjäger spielte. Nach einer butterweichen Flanke von Dennis Brzeczek stieg Trytko höher als alle anderen und köpfte das 0:1. Während die Pruszkower Abwehr noch überlegte, wer eigentlich wen decken sollte, jubelte der Defensivmann schon mit ausgestrecktem Zeigefinger in Richtung Gästeblock. "Ich mach das sonst nur im Training", grinste Trytko nach dem Spiel, "aber heute war einfach zu viel Platz da." Doch die Gastgeber schüttelten sich kurz und antworteten überzeugend. In der 27. Minute tauchte der erst 19-jährige Stanislaw Ogaza nach einem feinen Pass des Routiniers Angelo De Santis im Strafraum auf und schob eiskalt ein - 1:1. Das Stadion tobte, Trainer Stefan Petruck sprang an der Seitenlinie wie ein Teenager beim Rockkonzert. "Ich hab ihm gesagt, er soll mutig sein. Dass er gleich trifft, war dann sein Fehler - jetzt muss er das nächste Mal wieder liefern!", witzelte Petruck später mit einem Augenzwinkern. Zur Pause war alles offen. Die Statistik zeigte leichte Vorteile für Lubin (Ballbesitz 54 zu 46 Prozent), aber Pruszkow hatte das Herz auf dem Platz. Die zweite Hälfte begann dann mit einem Schockmoment: Lubins Stürmer Slawomir Zurawski musste nach einem Zusammenprall verletzt raus. Trainer Andrzej Kowalski (der inoffizielle "Feuerlöscher" der Gäste) reagierte sofort und brachte Mirko Mencel - eine Einwechslung, die sich als Glücksgriff erweisen sollte. Denn nur zwei Minuten später, in Minute 52, setzte Mencel ein feines Solo über die rechte Seite an, passte flach in den Rückraum, wo Louis Badham - der Engländer mit der Frisur eines Mathematikprofessors - lauerte. Ein kurzer Blick, ein trockener Schuss ins lange Eck: 1:2. "Ich dachte, der Ball sei zu weit", sagte Badham später, "aber Mirko hat ihn perfekt gespielt. Und ich wollte einfach nach Hause fliegen mit einem Grund zum Feiern." Pruszkow rannte an, wechselte offensiv - Zdravkovic kam für Spizak, Preston ersetzte Ogaza - und drängte mit jugendlichem Elan. In der 67. Minute prüfte Philip Szamotulski den Lubiner Keeper Burak Ogaza (nicht verwandt mit Stanislaw!) mit einem Distanzschuss, doch der parierte glänzend. Die Schlussphase gehörte dann wieder den Gästen, die abgeklärt verteidigten und auf Konter lauerten. In der 84. Minute sah der erst 17-jährige Daniel Szczepaniak nach einem rustikalen Einsteigen Gelb - sein Debüt, das er sicher nicht so schnell vergisst. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", murmelte er nach Abpfiff mit gesenktem Kopf. Trainer Petruck tröstete ihn väterlich: "Wenn man so jung ist, darf man auch mal zu spät kommen - auf dem Platz, wohlgemerkt." Als Schiedsrichter Kwiatkowski nach 93 Minuten abpfiff, fiel den Gästen die Erleichterung ins Gesicht. Lubin hatte mit 11 zu 8 Schüssen und einem Hauch mehr Spielkontrolle den Sieg verdient, auch wenn es kein Offensivfeuerwerk war. "Wir haben unser Spiel durchgezogen", bilanzierte Lubins Torschütze Badham trocken, "und manchmal reicht das." Pruszkow dagegen bleibt weiter im unteren Mittelfeld der Tabelle - kämpferisch stark, aber mit zu wenig Effizienz vor dem Tor. Domenik Szymkowiak, der junge Mittelstürmer, brachte es auf den Punkt: "Wir spielen gut, aber wir treffen nicht genug. Vielleicht sollten wir im Training auf Handballtore schießen, die sind größer." Am Ende war es ein Abend, der zeigte, warum Fußball manchmal so ungerecht und doch so schön ist. Die einen jubeln, die anderen fluchen, und am Samstagmorgen reden trotzdem alle darüber. Oder, wie es ein älterer Fan auf der Tribüne formulierte, während er seine Mütze tief ins Gesicht zog: "Wenn wir jedes Spiel so verlieren, bleib ich trotzdem dabei - aber mein Blutdruck sicher nicht." Ein kleiner Trost also für Pruszkow: Herz haben sie genug. Jetzt fehlt nur noch das Quäntchen Glück - oder ein Louis Badham im eigenen Trikot. 03.10.643990 09:05 |
Sprücheklopfer
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