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An einem frostigen Januarabend bebte das Stadion von Pruszków: 39.516 Zuschauer trotzten der Kälte, um Zeuge eines Pokal-Viertelfinales zu werden, das alles bot, was man sich wünscht - außer vielleicht Logik. Am Ende besiegte SK Pruszkow den favorisierten Jarota Jarocin mit 2:1 nach Verlängerung. Die Gäste hatten doppelt so viele Torschüsse, mehr Ballbesitz und - wenn man ehrlich ist - auch die schöneren Frisuren. Aber Fußball ist bekanntlich kein Schönheitswettbewerb. Schon nach drei Minuten zeigte der erfahrene Angelo De Santis, dass Pruszkow sich nicht verstecken würde: sein Distanzschuss strich knapp vorbei. Doch nur 16 Minuten später platzte der Jubel aus allen Ecken des Stadions. Jerzy Zurawski, der 33-jährige Mittelfeldstratege mit der Ruhe eines Schachgroßmeisters, schickte Amadeus Kowalik steil. Der sprintete los, als hinge sein Vertrag davon ab, und schob eiskalt zum 1:0 ein (19.). Kowalik grinste später: "Ich hab einfach gehofft, dass Jerzy mich sieht - und dass ich nicht über meine eigenen Füße stolpere." Die Freude währte allerdings ganze zwei Minuten. Jarota Jarocin, offenbar beleidigt durch den Rückstand, antwortete postwendend. Der dynamische Slawa Budjanski flankte mustergültig auf Marco Bosingwa, der aus kurzer Distanz einköpfte (21.). Pruszkows Torwart Pedro Sousa schüttelte nur den Kopf: "Der Ball war so perfekt, ich hätte mich in Luft auflösen müssen, um den zu halten." Jarocin übernahm nun das Kommando. 22 Torschüsse - das ist mehr als doppelt so viel wie die Gastgeber zustande brachten. Ernö Soos, Rahman Özdenak und Bosingwa schossen aus allen Lagen, doch Sousa wuchs über sich hinaus. Trainer Stefan Petruck gestikulierte wild an der Seitenlinie, während Jarocins Henryk Kasperczak mit verschränkten Armen dastand, als sei alles nach Plan. "Wir wollten sie müde spielen", erklärte Kasperczak später. "Leider wurden nur wir müde." Nach dem Seitenwechsel nahm die Intensität zu, und auch der Schiedsrichter sah sich genötigt, Gelbe Karten zu verteilen. Mascarenhas (45.) und Furtok (73.) bei Pruszkow, Meireles (52.) und Crichton (70.) bei Jarocin - es herrschte Gleichstand auf der Verwarnungstafel. In der 70. Minute dann der Schockmoment: Jarocins Torschütze Bosingwa verletzte sich und musste raus. "Ich wollte den Ball volley nehmen", stöhnte er später, "aber der Ball wollte mich." Die Schlussphase der regulären Spielzeit glich einem Sturmlauf der Gäste. Budjanski und Özdenak feuerten, Galindo versuchte es mit einem Schlenzer, doch immer wieder war da Sousa. "Er hat Hände wie Magneten", fluchte Jarocins Kapitän Soos. Pruszkow verteidigte mit allem, was Beine hatte - und manchmal auch mit dem Kopf. 90 Minuten, 1:1 - Verlängerung. In der 101. Minute dann das, was man in Pruszkow wohl noch lange erzählen wird. Wieder war es der alte Fuchs Zurawski, der den entscheidenden Pass spielte. Er legte quer auf Grzegorz Chalaskiewicz, der aus 18 Metern Maß nahm und den Ball flach ins Eck setzte - 2:1! Chalaskiewicz rannte jubelnd in Richtung Fanblock, und selbst Trainer Petruck stolperte ein paar Meter aufs Feld. "Ich wollte ihn umarmen, aber er war zu schnell - das Alter, wissen Sie", lachte der Coach später. Jarocin warf nun alles nach vorn. In der 120. Minute tauchte Miguel Galindo noch einmal gefährlich auf, doch Sousa parierte auch diesen letzten Versuch - mit der Fußspitze, versteht sich. "Ich hatte keine Lust auf ein Elfmeterschießen", grinste der Torhüter im Kabinengang. Am Ende jubelte Pruszkow über den Einzug ins Halbfinale, während Jarocin enttäuscht, aber nicht ohne Stolz die Köpfe hängen ließ. Die Statistik sprach zwar klar für die Gäste (52,6 % Ballbesitz, 22 Torschüsse), doch das Resultat - 2:1 nach Verlängerung - bleibt das, was zählt. "Wir haben heute Herz gezeigt", sagte Kapitän Zurawski, der kurz vor Schluss verletzt ausgewechselt werden musste. "Und vielleicht auch ein bisschen Glück. Aber das gehört zum Pokal - sonst wäre es ja Mathematik." Trainer Kasperczak dagegen murmelte beim Abgang nur: "Wenn der Fußball gerecht wäre, wäre ich längst Nobelpreisträger." So aber steht SK Pruszkow im Halbfinale des Pokals - und die Fans sangen im Schneegestöber noch lange nach Abpfiff. Manchmal reicht eben ein Funke Leidenschaft, ein erfahrener Jerzy Zurawski und ein Torwart mit Magnethänden, um eine ganze Stadt in Ekstase zu versetzen. 13.11.643987 17:50 |
Sprücheklopfer
Gegen uns hätten wir auch gewonnen.
Klaus Allofs