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Sechs Tore, kein Sieger: Schwalmstadt und Steinbach liefern ein Spektakel

4478 Zuschauer bekamen am Freitagabend in Schwalmstadt ein Fußballspiel serviert, das an ein Drei-Gänge-Menü mit zu viel Chili erinnerte - feurig, unberechenbar und am Ende für beide Seiten schwer verdaulich. Nach 90 intensiven Minuten trennte sich der heimische SC Schwalmstadt und der SV Steinbach mit 3:3 (2:2) - ein Ergebnis, das niemanden so richtig glücklich machte, aber auch niemanden wirklich traurig.

Schon in den ersten Minuten war klar, dass hier kein gepflegter Sonntagskick bevorstand. Steinbachs junger Isländer Adrian Kristinsson - ein Stürmer mit der Schussfreude eines Laserdruckers auf Dauermodus - prüfte Schwalmstadts Keeper Illarion Kowalenko gleich mehrfach. In der 10. Minute wurde er dann belohnt: Nach feiner Vorarbeit von Marco Capucho traf Kristinsson eiskalt zur frühen Führung. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Capucho nach dem Spiel lachend zu, "aber Adrian hat halt wieder das gemacht, was er immer macht - einfach draufhalten."

Doch Schwalmstadt, angeführt von Trainer Carl Frey, ließ sich nicht lange bitten. Trotz leicht verschlafener Anfangsphase hatten die Hausherren mehr Ballbesitz (58 Prozent) und begannen, das Spiel an sich zu reißen. Das Problem: Steinbach blieb brandgefährlich. Wieder Kristinsson, diesmal nach Vorlage des jungen Christoph Vogt, erhöhte in der 25. Minute auf 2:0. Die Gäste jubelten, Frey hielt sich an seiner Wasserflasche fest - und die Fans begannen, skeptisch auf die Anzeigetafel zu starren.

Dann aber drehte Schwalmstadt auf wie ein alter Traktor, der plötzlich Turbo bekommt. Nur zwei Minuten später wuchtete Callum Edgecomb eine Hereingabe von Rechtsverteidiger Bailey Satchmore ins Netz - 1:2. Und kaum hatten die Steinbacher ihre Ordnung wiedergefunden, zappelte der Ball erneut im Tor: In der 32. Minute traf Finn Turcotte, mustergültig bedient von Rafael Betz. Das Stadion tobte, und Trainer Frey ballte die Faust. "Da war endlich die Energie, die ich von den Jungs sehen will", sagte er später.

Die zweite Halbzeit begann etwas ruhiger, zumindest im Vergleich zur Feuerwerksstimmung der ersten 45 Minuten. Schwalmstadt kontrollierte das Spiel, hatte mehr Abschlüsse (17 zu 12) und wirkte reifer. Doch Steinbach blieb gefährlich, vor allem durch - wen wohl - Adrian Kristinsson. Der 22-Jährige, längst Publikumsliebling seiner mitgereisten Fans, krönte seine Gala mit dem dritten Treffer des Abends in der 78. Minute. Nach Vorlage von Adrien Van Royen hämmerte er den Ball unhaltbar in die Maschen - Hattrick komplett, Steinbach wieder vorn.

"Ich wusste gar nicht, dass er so schießen kann", grinste Trainer Martin Schmittel nach dem Spiel. "Normalerweise fliegen die Bälle bei ihm ins Nachbardorf."

Doch Schwalmstadt wäre nicht Schwalmstadt, wenn sie sich damit abgefunden hätten. Acht Minuten vor Schluss schlug erneut das Duo Betz-Turcotte zu. Nach einer butterweichen Flanke seines Teamkollegen stieg Turcotte am höchsten und köpfte den Ball zum 3:3-Endstand ein (86.). Der Jubel war grenzenlos, die Fans sangen, und sogar Kowalenko sprintete jubelnd bis zur Mittellinie.

Die letzten Minuten waren dann pure Dramatik: Steinbachs Capucho sah Gelb (70.), Schwalmstadt drückte mit aller Macht, und in der Nachspielzeit versuchte Dylan Henderson noch mit einem Verzweiflungsschuss in der 96. Minute den Lucky Punch - doch Steinbachs Keeper Fabian Schmitz rettete mit einer Parade, die selbst den Kameramann kurz aus dem Konzept brachte.

"Das war ein Spiel für die Zuschauer, weniger für mein Herz", meinte Schwalmstadts Coach Frey nach dem Abpfiff. "Wenn wir so weitermachen, brauche ich bald einen Pulsmesser an der Seitenlinie." Sein Gegenüber Schmittel nickte nur: "Beide Teams hätten gewinnen können, beide hätten verlieren können - also nennen wir’s einfach fair."

Statistisch lässt sich das Unentschieden schwer greifen: Schwalmstadt mit mehr Ballbesitz, mehr Torschüssen und leicht besserer Zweikampfquote (52 Prozent), Steinbach mit der effizienteren Offensive dank Kristinsson. Auffällig auch: Trotz hohem Tempo blieb das Spiel weitgehend fair, keine roten Karten, nur eine Gelbe - da hat man in der Regionalliga schon anderes gesehen.

Als die Flutlichter erloschen und die Fans langsam den Heimweg antraten, blieb das Gefühl, Zeuge eines dieser seltenen Fußballabende gewesen zu sein, an denen man sich über das Ergebnis gar nicht ärgert. Sechs Tore, ein Hattrick, zwei Doppelpacks, jede Menge Emotionen - und ein Spiel, das man so schnell nicht vergisst.

Oder, wie es Schwalmstadts Torschütze Finn Turcotte mit einem Augenzwinkern sagte: "Ich weiß nicht, ob wir heute zwei Punkte verloren oder einen gewonnen haben. Aber wenn’s so weitergeht, kauf ich mir eine Dauerkarte - für mich selbst."

25.07.643990 20:22
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