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Ein kalter Januarabend in Osnabrück, Flutlicht an, 3675 Zuschauer bibbernd in den Rängen - und ein TSV Schliersee, der heiß läuft wie ein Pizzaofen. Am Ende steht ein klares 3:1 für die Gäste, und man fragt sich: War das wirklich Regionalliga D oder hatte sich da kurz der FC Fantasia eingeschlichen? Trainer Christian Gim von Eintracht Osnabrück sah nach dem Spiel so aus, als hätte er gerade erfahren, dass man beim Elfmeterschießen auch Tore schießen *muss*. "Wir hatten mehr Ballbesitz, aber irgendwie war der Ball bei denen gefährlicher", murmelte er, während er sich den Schal enger zog. Tatsächlich: 53,5 Prozent Ballbesitz für Osnabrück, aber nur fünf Torschüsse. Schliersee dagegen: 14 Schüsse, drei Treffer - Effizienz, thy name is Schliersee. Schon in der 12. Minute zeigte Gabriel Cunningham, dass er nicht zum Sightseeing gekommen war. Ein schneller Konter, ein trockener Schuss - 0:1. Der junge Engländer grinste danach in Richtung Tribüne: "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du triffst, war’s Absicht, wenn nicht, war’s ein Versuch." So einfach ist Fußball manchmal. Osnabrück fand danach kaum ins Spiel. Haci Demirel, der Routinier im Mittelfeld, versuchte mit Gesten, Pässen und gelegentlichen Flüchen, Ordnung ins Chaos zu bringen, doch seine Mitspieler schienen lieber ein Sudoku zu lösen. Nach einem leichtsinnigen Ballverlust in der 35. Minute rollte die nächste Welle über die linke Seite - Berat Calik mit einem Zuckerpass auf Ralf Bartsch, der den Ball trocken ins lange Eck setzte. 0:2, und die Gäste feierten, als hätten sie gerade den Aufstieg klargemacht. Kurz vor der Pause dann die Gelbe Karte für Demirel - sinnbildlich für Osnabrücks Frust. Der Schiedsrichter notierte, Demirel gestikulierte wild, und Trainer Gim murmelte etwas von "emotionalem Spiel". In der Kabine muss es lauter geworden sein, denn die Eintracht kam mit mehr Schwung aus der Pause. Der junge Julian Gruber, gerade mal 18 Jahre alt, spielte, als wolle er beweisen, dass man auch in Osnabrück Flügelspieler mit Mut züchten kann. Und tatsächlich: In der 63. Minute machte er das Spiel kurz spannend. Nach schöner Vorarbeit von Gordon Safaric zimmerte Gruber den Ball ins Netz - 1:2, und plötzlich war Leben drin. "Ich hab einfach gedacht: Jetzt oder nie", sagte Gruber später mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Stolz und Unglauben lag. "Leider war’s dann doch eher ’nie’." Denn kaum hatten die Fans wieder Hoffnung geschöpft, schlug Schliersee erneut zu. Zehn Minuten später legte Christoph Schulz von rechts quer, und wieder war es Ralf Bartsch, der zur Stelle war. 1:3 - und Osnabrücks Abwehr sah dabei aus, als hätte sie gerade kollektiv beschlossen, den Ball lieber aus sicherer Entfernung zu betrachten. In der Schlussphase kam von der Eintracht zwar noch ein Schuss von Christiano Sa Pint (87.), aber das war’s auch schon. Der Ball landete in den Armen des jungen Schliersee-Keepers Cameron Nolan, der anschließend seinen Mitspielern demonstrativ zuzwinkerte. "Wir haben heute einfach mutig gespielt", erklärte TSV-Trainer Christopher Fey nach dem Spiel. "Offensive Ausrichtung, Flügelspiel, keine Angst - das ist unsere Philosophie. Und wenn’s klappt, sieht’s sogar nach Fußball aus." Die Zahlen geben ihm recht: Schliersee spielte zwar mit nur 46 Prozent Ballbesitz, aber mit klarem Plan. Offensive Ausrichtung, Flügelangriffe, und Schüsse aus allen Lagen - das taktische Konzept "ANYTIME" wurde wörtlich genommen. Osnabrück dagegen blieb brav "BALANCED" - eine Taktik, die so aufregend ist wie ein lauwarmer Tee. "Wir müssen lernen, dass Ballbesitz kein Selbstzweck ist", sagte Gim noch, bevor er in der Kabine verschwand. Vielleicht denkt er schon über ein bisschen mehr Risiko nach - und über weniger Balance. Der TSV Schliersee hingegen darf sich freuen: Drei Tore, drei Punkte und ein Auswärtssieg, der lautstark gefeiert wurde. Bartsch, der Doppeltorschütze, grinste: "Ich hab heute wohl den richtigen Fuß aufgezogen." Und so endete der Abend, wie er begonnen hatte - mit kaltem Wind über Osnabrück, aber warmem Applaus für die Gäste. Eintracht Osnabrück bleibt auf der Suche nach der Balance zwischen Kontrolle und Kreativität, während Schliersee den Beweis lieferte, dass Mut manchmal mehr Tore bringt als Ballbesitz. Oder, wie ein Zuschauer auf der Tribüne trocken bemerkte: "Wenn die Osnabrücker den Ball so gern haben, sollen sie ihn halt behalten - aber bitte nicht mehr im Strafraum." 15.03.643987 18:52 |
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Ich bin Idealist. Wenn das Leben nicht so teuer wäre, würde ich alles umsonst machen.
Peter Neururer