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Ein nasskalter Januarabend, Flutlicht, 5000 Zuschauer mit dampfenden Atemwolken - Fußballromantik auf Schweizer Drittliganiveau. Der SC Tuggen empfing den Racing Club GE zum zweiten Gruppenspiel im Liga-Pokal, und wer nach einer torlosen ersten Halbzeit schon fröstelnd an den Glühweintopf dachte, bekam im zweiten Durchgang ordentlich Feuer geboten. Am Ende siegten die Gastgeber verdient mit 3:1, auch weil sie endlich das Zielwasser fanden, das in den ersten 45 Minuten wohl noch gefroren war. Die Partie begann temperamentvoll, aber unpräzise. Bereits in der 2. Minute sah Cesar Capone von Racing Gelb, nachdem er Daniel Devereux etwas zu engagiert an der Außenlinie bearbeitet hatte. Tuggen antwortete mit kontrolliertem Aufbau - Ballbesitz 54 Prozent, aber vor der Pause wenig Ertrag. Eugenio Del Carretto, der quirlige Rechtsaußen, prüfte Gästetorhüter Olivier Benoist gleich mehrfach (21., 24., 28.), doch der blieb eiskalt. "Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen", grinste Del Carretto später. "Aber wenigstens wusste ich: Irgendwann muss einer rein." Nach der Pause nahm das Spiel Fahrt auf. Tuggen kam entschlossener aus der Kabine, während Racing in der 46. Minute noch mit einem Wechsel experimentierte - der 18-jährige Thomas Eckert ersetzte Routinier Yanik Giese. Es half wenig. In der 52. Minute war es dann soweit: Del Carretto tauchte nach einem präzisen Zuspiel von Rechtsverteidiger Joel Riedel frei vor Benoist auf und versenkte trocken ins lange Eck. 1:0 - der Bann war gebrochen. Racings Antwort? Ein kurzer Aufbäumen. In der 64. Minute nutzte Capone, der bereits verwarnt war, einen Moment der Unordnung in Tuggens Hintermannschaft. Nach schöner Vorarbeit von Paul Reinhardt zog er volley ab - Ausgleich, 1:1. Der Jubel der jungen Genfer war groß, aber kurz. Trainer Truthan Trainer (ja, tatsächlich sein Nachname) brüllte von der Seitenlinie: "Weiter, Jungs, das ist unser Spiel!" - doch das war es nicht. Nur vier Minuten später schlug Tuggen zurück. Der 33-jährige Pierre Rochefort, erfahrener Linksmittelfeldmann mit Schnauzbart und Spielwitz, traf nach einem Doppelpass mit Claude Ulrich zum 2:1 (68.). "Claude hat einfach das Auge", schwärmte Rochefort später. "Er sieht Dinge, die andere nur auf der Wiederholung erkennen." Und als Racing noch überlegte, ob man wieder offensiver werden sollte, setzte Tuggen den Deckel drauf: In der 70. Minute marschierte Hermann Gariepy über rechts, bekam den Ball von Tom Aubin in den Lauf und knallte das Leder humorlos unter die Latte - 3:1. Das Stadion tobte, die Fans sangen, und Trainer Truthan raufte sich die Haare, was bei Temperaturen um den Gefrierpunkt vermutlich auch als Wärmetherapie half. "Wir haben den Faden verloren, als Tuggen das Tempo erhöhte", gab er nach dem Spiel zu. "Unsere Jungs sind jung, sie lernen." Tatsächlich war Racing phasenweise mutig, aber ineffizient: Nur sechs Schüsse aufs Tor, während Tuggen satte 14 notierte. Die Gastgeber kombinierten geduldig, blieben in der Zweikampfquote (53 Prozent) leicht vorne und wirkten insgesamt abgeklärter. Del Carretto, der mit Tor und Dauereinsatz glänzte, bekam später den imaginären Preis für den "Mann mit den meisten Schüssen aufs Fangnetz". "Ich wollte einfach Spaß haben", lachte er. "Und jetzt hab ich Muskelkater im rechten Fuß." Trainer des SC Tuggen - dessen Name in den offiziellen Daten kurioserweise fehlt, was er vermutlich selbst nicht schlimm findet - fasste zusammen: "Wir haben endlich gezeigt, dass wir auch nach der Winterpause wach sind. Das war kein Glanzstück, aber ein ehrlicher Arbeitssieg." In den letzten Minuten verwaltete Tuggen das Ergebnis souverän. Racing versuchte es noch mit Fernschüssen von Mathias Wild (81.) und Paul Reinhardt (92.), doch Keeper Stefan Belanger blieb unbeeindruckt. Nur die gelben Karten - drei insgesamt - erinnerten daran, dass es zwischenzeitlich auch ruppig zuging. Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierten die Fans zufrieden. "So kann’s weitergehen", rief ein älterer Herr mit SC-Tuggen-Schal, "aber bitte das nächste Mal früher warm werden!" Ein leicht sarkastisches, aber treffendes Fazit: Tuggen brauchte 45 Minuten, um sich an die Kälte zu gewöhnen - dann aber tauten sie auf. Drei Tore in 18 Minuten, drei Punkte im Liga-Pokal, und eine Mannschaft, die plötzlich wieder Spaß am Fußball hat. Racing Club GE dagegen fährt mit leeren Händen heim, aber vielleicht mit der Erkenntnis, dass man auch aus Niederlagen lernen kann - vor allem, wenn sie so lehrreich wie diese sind. 09.04.643987 23:15 |
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Ich bin Optimist. Sogar meine Blutgruppe ist positiv.
Toni Polster