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Ein lauer Februarabend, Flutlicht, 48.214 Zuschauer - und ein Spiel, das man wohl am besten mit "Zähneknirschen und Jubel" beschreibt. Der SC Papenburg gewann das Play-off-Rückspiel der Europaliga gegen Eintracht Völlen mit 1:0. Es war kein Fußballfest, aber eines dieser Spiele, die Trainer lieben und Zuschauer mit erhöhtem Puls nach Hause schicken. "Ich sag’s mal so: Schönheitspreis gewinnen wir heute keinen, aber wir sind weiter", grinste SC-Coach Frank Helmbrecht nach dem Schlusspfiff. Und tatsächlich: Was seine Mannschaft da über 90 Minuten bot, war weniger Zauberfußball als Abwehrarbeit mit Herz und gelegentlichen Ausbrüchen in Richtung gegnerisches Tor. Helmbrecht hatte seine Elf defensiv eingestellt - "Konter, Konter, Konter", soll er vor Anpfiff gebrüllt haben - und das Konzept ging auf. Die Gäste aus Völlen begannen aggressiv, kassierten aber schon nach einer Minute die erste Gelbe Karte: Rechtsverteidiger Ernesto Miguel kam mit gestrecktem Bein, der Schiedsrichter mit gestrecktem Arm. Willkommen im Spiel. Die Papenburger ließen sich davon nicht beeindrucken. Nach einer Viertelstunde hatte Völlen zwar mehr Torschüsse, aber Papenburg den Plan. In der 27. Minute zeigte sich, warum man im Fußball manchmal einfach den Mut zum Versuch braucht: Linksverteidiger Attila Dalnoki fasste sich ein Herz, zog von der Strafraumkante ab - und der Ball schlug unhaltbar im linken oberen Eck ein. 1:0! "Ich wollte eigentlich flanken", gab Dalnoki später lachend zu, "aber wenn’s so reingeht, sag ich natürlich: Absicht!" Völlen-Coach Dennis Hees war der Sarkasmus im Gesicht abzulesen. Seine Elf spielte phasenweise gefällig, kam durch Julio Hierro (3., 43., 47.) und Rafael Meireles (16., 73., 80.) zu Chancen, doch SC-Torhüter Daniel Cabrera hatte einen dieser Abende, an denen die Handschuhe magnetisch scheinen. "Ich weiß gar nicht, was alle haben, das war Routine", sagte er hinterher - und grinste so breit, dass selbst der Stadionsprecher lachte. Mit 55 Prozent Ballbesitz kontrollierte Papenburg das Geschehen, ohne es zu dominieren. In der Statistik stand am Ende: 10 Torschüsse Papenburg, 11 Völlen - also praktisch Gleichstand. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass die einen trafen und die anderen nicht. Die zweite Halbzeit begann mit Pressingversuchen der Gäste, doch Papenburg blieb cool. "Wir wussten, dass sie irgendwann alles nach vorne werfen", erklärte Kapitän Michail Szymanowski, der in der Innenverteidigung jeden hohen Ball wegköpfte, "und dann muss man eben wie ein Türsteher am Club-Eingang stehen: ’Du kommst hier nicht rein.’" Spätestens nach der 79. Minute war der Abend für Hees’ Team endgültig gelaufen. Linksverteidiger Sergio Domingos, schon mit Gelb vorbelastet, grätschte übermotiviert - Gelb-Rot. "Er wollte nur den Ball, aber der Ball wollte nicht", kommentierte Hees trocken. Trotz Unterzahl warfen die Völlener alles nach vorn, wechselten Lewis Preston und Michael MacLachlan ein, doch der Ball fand den Weg ins Tor nicht. In der Nachspielzeit hatte Papenburgs Stürmer Hugo Ronaldo zwei Riesenchancen (92., 95.), die den Deckel draufsetzen wollten, aber Torhüter Karsten Lange hielt Völlen zumindest im Spiel - wenn auch nur statistisch. "Ich hatte gehofft, dass der Schiedsrichter noch fünf Minuten dranhängt", sagte Hees ironisch, "aber wahrscheinlich hatte der auch genug gesehen." Das Publikum verabschiedete die Heimmannschaft mit stehenden Ovationen. 1:0 klingt knapp, fühlte sich aber wie ein Arbeitssieg mit Ausrufezeichen an. "Wir haben uns das erarbeitet, das ist keine Glückssache", betonte Coach Helmbrecht. "Die Jungs haben sich reingeworfen, als ginge es um die letzte Pizza im Mannschaftsbus." Völlen reiste enttäuscht ab, aber nicht ohne Humor. "Wir haben heute mehr geschossen als ein Westernheld, nur leider mit Platzpatronen", murmelte Stürmer Rafael Meireles beim Abgang. So bleibt unterm Strich: Papenburg steht im Viertelfinale, Völlen steht im Stau. Und wer an diesem Abend im Stadion war, wird die kämpferische Vorstellung nicht so schnell vergessen - auch wenn man sich beim nächsten Heimspiel vielleicht wieder ein paar mehr Tore wünscht. Oder, wie ein Papenburger Fan beim Hinausgehen sagte: "Schön war’s nicht. Aber schön war’s trotzdem." 16.01.643991 07:10 |
Sprücheklopfer
Ich bin davon überzeugt, dass wir die, die nicht davon überzeugt sind, davon überzeugen werden.
Christian Ziege zur Skepsis vieler deutscher Fußballfans und -experten hinsichtlich des Abschneidens der DFB-Auswahl bei der WM 2002