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Es war eines jener Spiele, die man später mit einem Grinsen und leicht erhöhtem Puls verlässt. 55.709 Zuschauer im Fyn-Stadion sahen am Freitagabend beim 22. Spieltag der 1. Liga Dänemark einen SC Fyn, der in den ersten 20 Minuten aussah, als wolle er die Meisterschaft gleich an diesem Abend klar machen - und einen Greve Fodbold, der erst spät merkte, dass Fußball auch mit Toren belohnt wird, nicht nur mit wütendem Anrennen. Am Ende hieß es 2:1 (2:1) für die Gastgeber, und Trainer Luis Pinheiro konnte erleichtert durchatmen: "Ich habe in der zweiten Halbzeit zehn Jahre älter ausgesehen. Aber gewonnen ist gewonnen." Die Partie begann, als hätte jemand vergessen, die Abwehrketten auf dem Spielplan einzuzeichnen. Schon in der 8. Minute schlug Otto Ahmed zu - nach feinem Zuspiel von Benjamin Dewey, der den Ball mit der Präzision eines Uhrmachers in den Lauf des Linksaußen legte. Ahmed blieb cool und schob zum 1:0 ein. Die Fans tobten, und Pinheiro rief seinem Co-Trainer zu: "Wenn wir so weitermachen, sind wir zur Pause durch!" Tja, denkste. Nur vier Minuten später zeigte Greve, dass auch sie am Offensivspiel teilnehmen wollten. Jorge Quaresma, quirlig wie immer, nutzte einen Pass von Tyler Young, drehte sich um die eigene Achse und traf zum 1:1. Trainer Jean Vignoble sprang an der Seitenlinie wie ein Teenager beim ersten Konzertbesuch. "Endlich mal ein Tor, das so aussieht, wie wir es im Training üben!", brüllte er Richtung Ersatzbank. Doch Fyn hatte an diesem Abend noch einen Egil Sommer im Ärmel. In der 17. Minute verwandelte der Mittelstürmer eine butterweiche Flanke von George Grantham, der kurz darauf verletzt raus musste. Sommer nickte zum 2:1 ein - und dieser Treffer sollte bis zum Schlusspfiff Bestand haben. Danach wurde es ein Spiel der verpassten Chancen. Greve schoss insgesamt 13-mal aufs Tor, Fyn nur 9-mal - aber Effizienz war klar Heimvorteil. Besonders Marco Alves und Tyler Young prüften den jungen Keeper Simon Marcussen immer wieder, doch der 19-Jährige strahlte Gelassenheit aus. "Ich dachte einfach: Wenn ich den Ball sehe, halte ich ihn. Hat erstaunlich oft funktioniert", grinste er hinterher. Die zweite Halbzeit war weniger Feuerwerk als Feilschen. Ballbesitz fast ausgeglichen - 51,9 zu 48,1 Prozent für Fyn - aber Greve drückte. In der 59. Minute dann Schreckmoment: George Grantham blieb nach einem Zweikampf liegen, musste verletzt raus. Für ihn kam Severin Nygaard - ein Verteidiger. Das war kein Zeichen von Offensivfreude, sondern von purem Pragmatismus. "Ich wollte Stabilität", erklärte Pinheiro trocken. "Und vielleicht auch ein bisschen weniger Herzrasen." Greve reagierte mit drei Wechseln zwischen der 77. und 80. Minute, brachte frische Beine in der Offensive: Petersen, Winfield und der junge Hagen Storm kamen. Letzterer sorgte tatsächlich noch für Betrieb, feuerte in der 84. Minute einen Schuss knapp über die Latte - und raufte sich die Haare. "Ich hab schon gejubelt, ehrlich!", sagte er später. Es blieb beim 2:1, weil Fyns Defensive - trotz zweier Gelber Karten für die Gäste (Schermerhorn, Van Dyck, später auch noch David Due) - erstaunlich diszipliniert verteidigte. Nur einmal, in der Nachspielzeit, stockte den Fans der Atem: Greves Aron Petersen stieg hoch, köpfte - und Marcussen lenkte den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte. Das Stadion explodierte fast vor Erleichterung. Jean Vignoble suchte nach dem Spiel nach Worten - und fand sie schließlich in typisch französischer Dramatik: "Wir haben alles gegeben. Nur das Tor hat sich heute gegen uns verschworen." Statistisch betrachtet war Greve sogar leicht überlegen, zumindest im Abschluss. Aber Fyn hatte das Glück - oder die Cleverness - auf seiner Seite. "Manchmal reicht es, die ersten zwanzig Minuten zu dominieren", kommentierte Pinheiro mit einem Augenzwinkern. "Danach kann man ja immer noch so tun, als sei das Teil des Plans gewesen." So klettert der SC Fyn dank der drei Punkte weiter in der Tabelle, während Greve Fodbold sich ärgern darf, aus der Vielzahl an Chancen zu wenig gemacht zu haben. Die Fans verabschiedeten ihre Helden mit stehenden Ovationen - und vermutlich auch der Erkenntnis, dass Fußball manchmal kein Marathon ist, sondern ein Sprint mit anschließendem Bunkerbau. Oder, um es mit dem unerschütterlichen Egil Sommer zu sagen: "Zwei Tore reichen. Mehr wäre unhöflich gewesen." 30.09.643987 18:47 |
Sprücheklopfer
Wie so oft liegt auch hier die Mitte in der Wahrheit.
Rudi Völler