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3558 Zuschauer im altehrwürdigen Stadion Husterhöhe bekamen an diesem kühlen Märzabend ein Regionalliga-Spiel geboten, das alles hatte, was man an der vierten Liga liebt - Dramatik, Emotionen, und mindestens eine Szene, bei der man sich fragt, ob der Schiedsrichter vielleicht kurz auf dem Handy nachsehen musste, was "Tackling" eigentlich bedeutet. Am Ende jubelte Pirmasens über ein 1:0 gegen Aschaffenburg, das mehr mit Zähnen und Zorn als mit fußballerischer Leichtigkeit erarbeitet war. Die Gäste aus Aschaffenburg begannen forsch, fast übermütig. Trainer Tesco Toni hatte seine Elf offensiv eingestellt - "Wir wollten zeigen, dass wir auch auswärts den Ball laufen lassen können", erklärte er später, "leider lief dann eher der Gegner." Schon in der neunten Minute prüfte Ivo Busta den Pirmasenser Keeper Dennis Frei mit einem satten Schuss, und kurz darauf hatte der junge Paulo Oliveira gleich zweimal den Führungstreffer auf dem Fuß. Doch Frei war da, wo ein Torwart hingehört: zwischen Ball und Netz. Pirmasens brauchte ein Viertelstündchen, um den Aschaffenburger Ansturm zu überstehen und selbst Akzente zu setzen. Dani Tabenkin, der quirlige Linksaußen, versuchte es gleich mehrfach, verfehlte aber das Tor so knapp, dass mancher Fan schon "Tor!" rief, bevor der Ball wieder auf der Tribüne landete. "Ich hab ihn perfekt getroffen - leider war das Tor nicht da, wo ich gezielt hatte", grinste Tabenkin nach dem Spiel. Die erste Halbzeit endete torlos, aber nicht ereignislos. Aschaffenburg zeigte mehr Ballbesitz (knapp 53 Prozent), während Pirmasens mit kurzen Pässen und schnellen Kontern lauerte. Gudrun Schweitzer, die Pirmasenser Trainerin, brüllte an der Seitenlinie mehr Anweisungen, als die Lautsprecheranlage durchsagen konnte. Ihre Mannschaft kämpfte mit Herz, aber ohne Fortune. Dann, kurz nach Wiederbeginn, kam die Szene, die das Spiel kippen ließ. In der 48. Minute sah Aschaffenburgs Rechtsverteidiger Fernando Nene Gelb - und nur eine Minute später Rot. "Ich wollte nur den Ball treffen", beteuerte er später mit Unschuldsmiene, "aber der Ball war halt an Dani dran." Mit einem Mann weniger war Toni Tescos Team gezwungen, sich etwas tiefer zu stellen, und genau das nutzte Pirmasens eiskalt. In der 59. Minute war es dann soweit: Dani Tabenkin legte nach einem schnellen Konter von links mustergültig quer auf Alexander Satchmore - und der drosch das Leder trocken ins Eck. 1:0. Das Stadion bebte, und selbst die Bratwurstverkäufer gönnten sich einen kurzen Freudenschrei. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Satchmore später, "manchmal macht man sich zu viele Gedanken. Heute nicht." Aschaffenburg versuchte, sich noch einmal aufzubäumen, aber die Unterzahl machte sich bemerkbar. Peter Rau rannte über die rechte Seite, als sei es das letzte Spiel seines Lebens, scheiterte aber immer wieder an der konzentrierten Pirmasenser Abwehr. In der 67. Minute zwang er Frei zu einer Glanzparade, die den Torwart wohl selbst überrascht haben dürfte. Ab der 70. Minute zog Schweitzer ihre Mannschaft etwas zurück - die Taktik wechselte von "offensiv auf Konter" zu "balanciert mit Pressing", wie es später in der Statistik hieß. Oder wie sie selbst lachend erklärte: "Ich hab geschrien: Alle nach hinten! Und siehe da, sie haben’s verstanden." Zwei Gelbe Karten (Tiago Gomes, 62., Samuel Reid, 84.) sorgten noch für ein paar hektische Momente, aber Pirmasens brachte das Ergebnis über die Zeit. Aschaffenburgs Trainer Toni wirkte nach dem Schlusspfiff ratlos. "Wir hatten mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse - aber weniger Tore. Vielleicht sollten wir das Ziel verschieben, nicht den Ball." 52,9 Prozent Ballbesitz und zehn Torschüsse standen am Ende zu Buche, aber keine zählbare Ausbeute. Pirmasens hingegen feierte den knappen, aber verdienten Sieg. Alexander Satchmore wurde zum Mann des Abends, Dani Tabenkin zum stillen Helden, und Torwart Dennis Frei zum heimlichen Publikumsliebling. Trainerin Schweitzer fasste es trocken zusammen: "Manchmal reicht ein Tor. Schön, wenn’s unseres ist." Und so blieb es auch nach 92 Minuten: 1:0 für FK Pirmasens - ein Sieg des Willens, der Disziplin und, ja, auch der besseren Laune. Denn während Aschaffenburg mit hängenden Köpfen in die Kabine schlich, tanzten die Gastgeber ausgelassen über den Rasen. Manchmal ist Fußball eben ganz einfach: Wer trifft, gewinnt. Und wer rot sieht, verliert den Überblick. 31.01.643994 11:20 |
Sprücheklopfer
Vieles was darin geschrieben wurde, ist auch wahr.
Werner Lorant über sein Buch 'Eine beinharte Story'