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4546 Zuschauer sahen am Mittwochabend im Stadio Comunale von Sarzana ein Fußballspiel, das in den letzten Minuten vom gemütlichen Winterkick zum emotionalen Drama mutierte. Am Ende jubelte der Gast aus der Lombardei: Rodengo Saiano siegte mit 2:1 beim favorisierten Sarzanese und drehte die Partie binnen 120 Sekunden komplett auf den Kopf. Dabei hatte alles so gut begonnen für die Gastgeber. Sarzanese-Trainer - der an diesem Abend lieber anonym bleiben wollte - ließ seine Elf wie gewohnt offensiv antreten, während Jan Beyer mit Rodengo Saiano die Devise "erst mal dicht machen" ausgegeben hatte. Die Taktikdaten belegen: defensiv, zentrierter Angriff, keine Spur von Pressing - also klassisch italienisch. Doch wer braucht schon Pressing, wenn die Hausherren von selbst die Räume öffnen? Die erste Halbzeit verlief entsprechend zäh. Vier Torschüsse für Sarzanese, zehn für Rodengo Saiano - aber keiner wollte rein. Stattdessen gab’s reichlich Gelbe Karten: Gudmund Sundström (22.) rauschte übermotiviert in seinen Gegenspieler, und Davide Simone sah kurz vor der Pause ebenfalls Gelb. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte Simone später mit einem Grinsen, als er an die Szene erinnert wurde. Direkt nach Wiederanpfiff dann die Erlösung für die Heimfans: In der 46. Minute fasste sich ausgerechnet Sundström, eben noch der Gelbsünder, ein Herz. Der rechte Außenverteidiger tauchte plötzlich im Strafraum auf - niemand weiß so recht, wieso - und drückte den Ball humorlos ins lange Eck. 1:0 für Sarzanese! Der Jubel war laut, der Trainer klatschte erleichtert, und Sundström erklärte lachend: "Ich wollte eigentlich flanken, aber der Ball hatte andere Pläne." Danach schien Sarzanese die Partie im Griff zu haben. Rodengo Saiano blieb defensiv, hielt sich aber über Ballbesitz (knapp 55 Prozent) und sichere Pässe im Spiel. Lorenzo Cerva und der blutjunge Domenico Roggiano, beide zentrale Mittelfeldspieler, zogen das Tempo an. Beyer gestikulierte an der Seitenlinie, schien aber zufrieden: "Wir wussten, dass Sarzanese mit zunehmender Spielzeit nervös wird. Geduld war unser zwölfter Mann." In der 72. Minute sah Rodengos Niccolo Gasser Gelb - und das Publikum jubelte höhnisch. Doch die Ironie des Abends: Während Sarzanese begann, auf Zeit zu spielen, bereitete sich die Lombardenjugend auf ihren großen Auftritt vor. Die 85. Minute: Giorgio Bisignano sprintet die rechte Seite entlang, flankt präzise in den Rückraum. Dort steht der 18-jährige Roggiano, nimmt den Ball volley - und trifft. 1:1! Die Gäste jubelten wie entfesselt, Sarzana verstummte. Und bevor die Heimelf überhaupt den Schock verdauen konnte, traf Lorenzo Cerva nur eine Minute später nach Vorarbeit von Roggiano zum 2:1. Zwei junge Mittelfeldspieler, zwei Nadelstiche - und das Spiel war gedreht. "Ich hab nur den Fuß hingehalten", grinste Cerva nach Abpfiff. "Domenico hat alles vorbereitet. Wir trainieren das… manchmal jedenfalls." Sarzanese versuchte es noch einmal mit wütenden Angriffen, doch außer einem harmlosen Schuss von Fabio Beto (67.) und ein paar Verzweiflungslangen Bällen kam nichts mehr zustande. Rodengo Saiano stand kompakt, klärte alles, was in den Strafraum segelte. Torhüter Luigi Nicola musste kaum eingreifen, und als der Schlusspfiff ertönte, rissen die Gäste die Arme hoch, als hätten sie gerade die Champions League gewonnen. "Das ist Fußball", sagte Coach Jan Beyer nach dem Spiel mit einem breiten Grinsen. "Wenn du 85 Minuten arbeitest und dann zwei Tore machst, fühlst du dich wie ein Genie. In Wahrheit war’s wohl einfach Glück - aber ich nehm’s!" Bei Sarzanese dagegen hingen die Köpfe. "Wir waren zu passiv nach der Führung", gab Sundström selbstkritisch zu. "Vielleicht hätten wir lieber weiter gespielt, statt zu verwalten. Aber das ist leicht gesagt, wenn man schon unter der Dusche steht." So bleibt unterm Strich ein Spiel, das sich anfangs wie ein taktisches Schachduell anfühlte und am Ende zur Achterbahnfahrt wurde. Rodengo Saiano entführt drei Punkte, Sarzanese bleibt ratlos zurück - und die Fans werden noch lange über diese zwei verrückten Minuten reden. Fazit des Abends? Fußballgötter haben Sinn für Ironie. Wer sonst lässt den Mann mit der Gelben Karte zum Torschützen werden - und dann zwei Teenager zum Helden der späten Stunde? 18.06.643987 10:03 |
Sprücheklopfer
Weisweiler und Happel sind tot, Hitzfeld ist bei den Bayern. RWO hat den besten Trainer, den man kriegen kann.
Aleksandar Ristic zur Trainerdiskussion in Oberhausen.