// Startseite
| Sportwoche |
| +++ Sportzeitung für Österreich +++ |
|
|
|
Es war ein kalter Januarabend in Eisenstadt, aber die 20.000 Zuschauer im Stadion hatten sich warm angezogen - und das war auch nötig. Nicht wegen der Temperaturen, sondern wegen des Spiels. Der FC Eisenstadt bot über 90 Minuten mehr Ballbesitz (54 Prozent!) und doch weniger Torgefahr, während der FC Altach unter Trainer Jose Raul Capablanca mit stoischer Ruhe und einem einzigen, frühen Stich den Pokaltraum der Hausherren beendete. Schon in der 13. Minute fiel die Entscheidung: Der 22-jährige Rechtsaußen Massimiliano Saracena, ohnehin an diesem Abend der auffälligste Mann auf dem Platz, verwandelte nach einem präzisen Zuspiel von Georges Carriere eiskalt zum 0:1. Ein Treffer, wie ihn Kapitän Petersen später formulierte, "den man nur schießt, wenn man jung, frech und noch nicht lebensmüde ist". Eisenstadts Torhüter Paulo Veloso streckte sich vergeblich, während Saracena jubelnd in die Altacher Bank flog - eine Szene, die sinnbildlich für das restliche Spiel stand: Altach effektiv, Eisenstadt ästhetisch. Trainer Capablanca kommentierte das Tor mit gewohntem Schachspieler-Humor: "Ein Zug, ein Matt - so ist Pokal." Und tatsächlich: Seine Mannschaft stand danach wie ein gut sortiertes Schachbrett. Die Altacher ließen Eisenstadt gewähren, überließen den Burgenländern das Mittelfeld, aber nicht den Strafraum. Eisenstadt mühte sich, suchte den Weg über die Flügel - vor allem Nevio Eusebio auf links war unermüdlich - doch es blieb beim Versuch. Vier Torschüsse in 90 Minuten sind für ein Pokalheimspiel ungefähr so viel wie ein Applaus für den Schiedsrichter: selten und meist unfreiwillig. In der 33. Minute hatte Eusebio den Ausgleich auf dem Fuß, doch Altachs Keeper Halvor Andreasen parierte mit den Fingerspitzen. "Ich hab kurz überlegt, ob ich mich einfach fallen lasse", grinste Andreasen später, "aber dann dachte ich, das wäre zu einfach." Humor hatte er, und die Handschuhe wohl auch gut vorgewärmt. Nach der Pause wechselte Capablanca doppelt: Carriere und Johansson raus, dafür Carlsen und Asparuchow rein. Die Gäste blieben weiter konzentriert, auch wenn sie ihre Chancen reihenweise vergaben. Zwischen der 46. und 53. Minute schien Saracena eher ein Scharfschütze mit Ladehemmung zu sein - gleich fünf Mal prüfte er Veloso, jedes Mal ohne Erfolg. "Ich wollte ihm ein gutes Gefühl geben", witzelte der Italiener nach dem Spiel. Eisenstadts Trainer - der Name ging im allgemeinen Seufzen unter - versuchte es mit Mut zur Offensive, doch seine Spieler schienen den Ballbesitz eher als Selbstzweck zu verstehen. "Manchmal", murmelte ein Zuschauer hinter der Pressetribüne, "spielen die, als gäbe es für jeden Querpass eine Prämie." Altach dagegen blieb gefährlich: Peltonen, Besserer und später erneut Saracena feuerten ein halbes Dutzend Schüsse ab, als wollten sie das Tornetz in Rente schicken. Doch das zweite Tor fiel nicht - was Capablanca nicht störte. "Ein 1:0 ist die eleganteste Form des Sieges", sagte er mit einem zufriedenen Lächeln, das irgendwo zwischen Gentleman und Straßenfuchs pendelte. Eisenstadt versuchte in der Schlussphase noch einmal alles. Eusebio (84.) und Kolomaznik (87.) sorgten für zwei letzte Aufreger, doch Andreasen blieb unüberwindbar. Als der Schlusspfiff ertönte, sanken die Eisenstädter auf den Rasen - nicht aus Erschöpfung, eher aus Ratlosigkeit. Statistisch gesehen war das Spiel ein kleines Paradox: mehr Ballbesitz für Eisenstadt, mehr Torschüsse (17!) für Altach, und am Ende der nüchterne Pokalrealismus eines 0:1. "Wir haben das Spiel kontrolliert", meinte ein sichtlich angesäuerter Eisenstadt-Kapitän Sean Delap, "aber leider nicht den Ball, wenn’s wichtig war." Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft trotzdem mit Applaus - vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Stolz, wer weiß das schon. Nur einer grinste noch auf dem Rasen: Massimiliano Saracena. "Ich mag Pokalspiele", sagte er mit einem Schulterzucken. "Da zählt nicht, wie oft du schießt, sondern wann du triffst." Ein Satz, der in Eisenstadt wohl noch länger nachhallen wird - und in Altach vermutlich als Lebensmotto in den Kabinenschrank graviert wird. Schlusswort? Nun, der Pokal hat seine eigenen Gesetze - und diesmal lautete das wichtigste davon: Effektivität schlägt Ästhetik. 11.07.643987 13:37 |
Sprücheklopfer
Adidas - zwei, drei Tage Arbeit im Monat. So wie Klinsmann.
Stefan Effenberg über zukünftige Job-Pläne