Jornal do Brasil
+++ Sportzeitung für Brasilien +++

Sao Raimundo zerlegt Vasco da Gama - ein Teenager schreibt Geschichte

32296 Zuschauer im Estádio Municipal von Boa Vista rieben sich am Samstagabend ungläubig die Augen: Sao Raimundo fegte Vasco da Gama mit 7:2 vom Platz - und das nach einem Halbzeitstand von 2:2. Aus einem offenen Schlagabtausch wurde in der zweiten Hälfte eine Lehrstunde, ein Spektakel, ein kleines Fußballmärchen mit einem 17-jährigen Hauptdarsteller.

Denn Bruno Nani, der blutjunge Linksaußen, entschied sich, an diesem 23. Spieltag der brasilianischen 1. Liga kurzerhand seine persönliche Eintragung in die Vereinschronik vorzunehmen. Drei Tore, zwei weitere entscheidend vorbereitet - der Junge spielte, als gäbe es kein Morgen. "Ich wollte einfach Spaß haben", sagte Nani nach dem Spiel, während er sich mit einem Handtuch den Schweiß aus den Haaren wischte. "Aber dass es gleich so läuft, hätte ich selbst nicht geglaubt."

Dabei begann alles denkbar ungünstig für die Gastgeber. Schon in der 5. Minute traf Vasco-Stürmer Robin Verellen nach Zuspiel von James Kennedy zum 0:1. Es war eine dieser kalten Duschen, die in Boa Vista selbst bei 30 Grad funktionieren. Doch Sao Raimundo schüttelte sich nur kurz und drehte dann den Hahn auf. In der 22. Minute bediente der 19-jährige Mittelfeldmann Jan Sebo den flinken Nani, der zum Ausgleich einschob. Eine Minute später nutzte Jacopo Albanese die allgemeine Verwirrung in der Vasco-Abwehr und stellte auf 2:1.

Wer glaubte, das Spiel würde jetzt gemächlich verlaufen, irrte sich. Emanuele d’Epiro glich in der 29. Minute nach feinem Pass von Luke Brady aus - und Vasco schien wieder im Rennen. Kurz darauf gab es Gelb für Henri Bedard und Alfred Varhidi, die offenbar das Wort "defensiv" in dieser Phase des Spiels aus ihrem Vokabular gestrichen hatten.

Mit 2:2 ging es in die Kabinen, und mancher Fan fragte sich, ob die Partie nun in Richtung eines epischen Schlagabtauschs laufen würde. Die Antwort kam kurz nach Wiederanpfiff - und sie kam wuchtig: Nani traf in der 50. Minute erneut, diesmal nach Vorlage von Nelson Sandoval. Danach brach der Widerstand Vascos in sich zusammen wie ein Kartenhaus im Monsun.

Vicente Gurendez erhöhte in der 58. Minute auf 4:2, Denis Baulin legte in der 66. nach. Und dann kam wieder Nani, wie aus einem Comic entsprungen: In der 73. Minute schnappte er sich einen Ball von Albanese und drosch ihn kompromisslos unter die Latte - 6:2. Eine Minute später durfte auch Martin Hamsik noch ran und setzte mit dem 7:2 den Deckel auf diese denkwürdige Partie.

Trainer Steffen Birner stand nach Abpfiff mit einem Lächeln zwischen Stolz und Ungläubigkeit an der Seitenlinie. "Ich hatte in der Halbzeit nur gesagt: Spielt frei auf, habt Mut. Dass sie das wörtlich nehmen, hätte ich nicht gedacht", grinste der Coach.

Sein Gegenüber Patrick Kunz Gouveia wirkte dagegen wie jemand, der gerade das Drehbuch eines Horrorfilms gelesen hat, in dem er die Hauptrolle spielt. "Wir wollten offensiv auftreten, das hat ja auch 45 Minuten funktioniert. Danach… naja", sagte er und zuckte mit den Schultern. "Danach war es ein anderes Spiel."

Die Statistik belegt, dass Sao Raimundo nicht nur durch Effizienz gewann, sondern auch durch Dominanz: 15 Torschüsse zu 8, 54 Prozent Ballbesitz, eine Tacklingquote von 53 Prozent. Vasco da Gama versuchte es bis zum Schluss mit Angriff, blieb aber harmlos - ihre Offensivausrichtung wirkte zunehmend wie ein frommer Wunschzettel.

Kurios wurde es in der 79. Minute, als Rechtsverteidiger Giuseppe Trebisacce verletzt vom Platz humpelte - und Birner von der Seitenlinie rief: "Nicht schlimm, wir führen ja nur 6:2!" Selbst der Schiedsrichter konnte sich da ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Am Ende feierte das Stadion jeden Pass, jeden Trick, jeden jugendlichen Übermut. Der 17-jährige Nani wurde zum Publikumsliebling und verschwand nach dem Schlusspfiff fast unter einer Welle von Umarmungen. "Mein Vater hat mir gesagt, ich soll einfach rennen", lachte er. "Ich glaube, ich bin ein bisschen zu weit gerannt."

Fazit: Vasco begann wie ein Sturm - und endete als laues Lüftchen. Sao Raimundo dagegen zeigte, dass jugendlicher Leichtsinn manchmal einfach das bessere Konzept ist.

Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne es zusammenfasste: "Ich bin alt genug, um zu wissen, dass sowas selten passiert - und jung genug, um es feiern zu können." Ein Satz, der dem 7:2 perfekt gerecht wird.

02.06.643993 10:38
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Oliver Kahn konnte ich gerade noch davon abhalten, sich zu ertränken. Der Rest hat sich auf der Toilette eingesperrt.
Mehmet Scholl zur schlechten Stimmung bei den Bayern
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager