Jornal do Brasil
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Sao Paulo tanzt Samba - Fluminense stolpert in Unterzahl

Ein lauer Sommerabend in Sao Paulo, 29.654 Zuschauer, das Flutlicht wirft lange Schatten über den Rasen: perfektes Fußballwetter - zumindest für die Gastgeber. Denn CD Sao Paulo spielte sich beim 3:0 (1:0) gegen AD Fluminense in einen wahren Rausch, während die Gäste aus Rio de Janeiro spätestens nach einer Roten Karte in der 52. Minute nur noch Statisten in einem einseitigen Fußballstück waren.

Von Beginn an war klar, wer hier den Ton angibt. Trainer Ruben Schmidt hatte seine Mannschaft perfekt eingestellt: 61 Prozent Ballbesitz, 19 Torschüsse - und das Gefühl, dass sie jederzeit noch zwei Gänge höher schalten könnten. Schon nach einer Minute prüfte Yuval Hasson den gegnerischen Keeper Silvestre Da Cru mit einem satten Distanzschuss. "Ich wollte gleich mal sehen, ob er wach ist", grinste der 34-Jährige später. Da Cru war’s - noch.

In der 30. Minute fiel dann das erste Mal der Vorhang für Fluminense. Njazi Hyypiä, ebenfalls 34, nahm eine butterweiche Flanke von Manos Gounaris volley und traf ins linke Eck. Ein Tor, das so schön war, dass selbst der Linienrichter kurz vergaß, die Fahne zu heben. "Manos hat mir den Ball auf dem Silbertablett serviert", schwärmte Hyypiä. "Ich musste nur noch Danke sagen." Das 1:0 war hochverdient, Fluminense kam kaum aus der eigenen Hälfte, und wenn doch, dann meistens durch Zufall.

Der zweite Akt begann mit einem Knall - und einem Platzverweis. Joao Gonzalo sah in der 52. Minute Rot, nachdem er James Thuringer an der Mittellinie umgepflügt hatte. "Ich wollte nur den Ball treffen", verteidigte sich Gonzalo später, während Trainer Thierry Henry die Stirn rieb. Der Franzose, sonst für elegante Auftritte bekannt, wirkte an diesem Abend eher ratlos. "Wir haben den Rhythmus nie gefunden", sagte er und fügte mit trockenem Humor hinzu: "Vielleicht war es auch einfach der falsche Takt."

Sao Paulo nutzte die Überzahl eiskalt. Fünf Minuten nach dem Platzverweis legte Thuringer den Ball Hyypiä in den Lauf, der aus 16 Metern trocken zum 2:0 abschloss. Doppeltorschütze, Publikumsliebling, und mit einem verschmitzten Lächeln kommentierte er später: "Ich bin alt genug, um zu wissen, wohin der Ball will."

Fluminense taumelte, Rio-Style war das keiner mehr. Thierry Henry wechselte hektisch - zwei Verteidiger kamen, zwei gingen -, doch der Defensivumbau brachte nur noch mehr Chaos. In der 66. Minute fiel das endgültige K.o.-Tor: Rodion Schamnow, bisher unauffällig, vollendete nach schöner Vorarbeit von Hasson zum 3:0. Der Jubel? Eher eine Mischung aus Erleichterung und Überlegenheit. Hasson klopfte Schamnow auf die Schulter: "Endlich hast du auch mal getroffen", scherzte er. Schamnow lachte: "Ich wollte den Alten nicht alles machen lassen."

Die letzten 20 Minuten waren Schaulaufen. Sao Paulo kombinierte, Fluminense lief hinterher. Selbst die Fans der Gäste nahmen es irgendwann mit Humor und stimmten ironisch "olé"-Rufe an, wenn ihre Verteidiger den Ball ins Aus droschen. Henry stand stoisch an der Seitenlinie, Hände in den Taschen, der Blick sagte alles: lieber heute als morgen wieder nach Hause.

Statistisch war es ein Klassenunterschied: 61,8 Prozent Ballbesitz zu 38,2, 19 zu 8 Torschüsse, 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe für die Hausherren. Und das, obwohl Sao Paulo nicht einmal Pressing spielte - sie brauchten es schlicht nicht. Das Team agierte abgeklärt, ruhig, fast geschäftsmäßig. Trainer Schmidt fasste es treffend zusammen: "Wir haben heute Fußball gearbeitet, nicht nur gespielt."

Als der Schlusspfiff ertönte, klatschten die Spieler sich zufrieden ab. Die Fans feierten Hyypiä mit Sprechchören, während der Finne bescheiden blieb: "Zwei Tore sind schön, aber drei Punkte sind besser." Auf der anderen Seite trottete Henry in die Kabine, ohne ein Wort zu verlieren - vielleicht überlegte er schon am nächsten taktischen Puzzle.

Fazit: Sao Paulo zeigte, warum sie als Titelkandidat gelten - abgeklärt, effizient, humorlos in der Chancenverwertung. Fluminense dagegen bewies, dass man mit zehn Mann und ohne Plan selten Samba tanzt. Und so endete ein Abend, der für die einen ein Fest war - und für die anderen eine lange Busfahrt nach Hause.

Oder, wie es ein Fan auf der Tribüne murmelte, als die Lichter ausgingen: "Das war kein Spiel, das war Unterricht."

22.02.643987 03:24
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Rainer Calmund
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