Jornal do Brasil
+++ Sportzeitung für Brasilien +++

Santos dreht das Spiel in fünf Minuten - und lässt die Drachen verpuffen

UD Santos hat am 4. Spieltag der 1. Liga Brasilien einen 2:1-Heimsieg gegen Dragon Goianiense gefeiert - und das in einem Spiel, das in den ersten 45 Minuten alles bot, was man an südamerikanischem Fußball liebt: Tempo, Chaos, Emotionen und den leisen Verdacht, dass niemand wirklich verteidigen wollte. 32.663 Zuschauer im Estádio da Luz do Sul sahen einen Start, der die Heimmannschaft zunächst eiskalt erwischte.

Schon in der 7. Minute klingelte es im Kasten von Santos-Keeper Arkadiusz Dziekanowski. Nuno Bischoff, der flinke Rechtsaußen der Gäste, setzte sich nach einem Pass von Caio Manu durch und schob trocken ein - 0:1. "Ich hatte eigentlich gar nicht so viel Platz", grinste Bischoff später, "aber die Verteidiger waren wohl noch beim Anpfiff."

Trainerin Brasilia Santos raufte sich an der Seitenlinie die Haare und brüllte: "Wir spielen zu Hause, nicht im Museum!" - was offenbar Wirkung zeigte. Denn fortan drehte UD Santos auf. Nach verhaltenem Beginn und einer Gelben Karte für Linksverteidiger Nelio Frechaut (11.) kam Schwung in die Partie. Die Gastgeber kombinierten gefällig, ließen aber einige Chancen liegen.

In der 40. Minute platzte dann der Knoten. Rafael Silva, der agile Linksaußen, tankte sich über die Flanke durch und legte quer auf Julian Derlei. Der traf mit einem satten Rechtsschuss zum Ausgleich - 1:1. Das Stadion bebte. "Ich hab nur gehofft, dass er nicht wieder querlegt", witzelte Silva nach dem Spiel.

Doch damit nicht genug: Kaum war der Jubel verklungen, legte der erst 17-jährige Fabio Bosingwa nach. Nach perfekter Vorarbeit von Ernst Jacob traf er in der 41. Minute zur Führung. Zwei Tore in zwei Minuten - das nennt man wohl jugendliche Ungeduld. "Ich hab gar nicht nachgedacht", sagte Bosingwa, "ich hab einfach draufgehauen. Vielleicht war das gut so."

Mit der 2:1-Führung ging es in die Pause - und die blieb auch bis zum Schluss bestehen, obwohl Dragon Goianiense in der zweiten Halbzeit alles versuchte. Trainer Fabian Dietz reagierte früh, brachte in der 46. Minute Isidoro Garcia für den gelbverwarnten Louis Blum. Später folgten Reece Grantham (57.) und in der 90. Minute der junge Nuno Assis. Die Drachen flogen, aber sie brannten nicht.

Zwischen der 50. und 80. Minute regnete es Torschüsse auf beiden Seiten: 13 für die Gäste, 12 für Santos. Besonders Nuno Bischoff blieb gefährlich - er prüfte Dziekanowski mehrfach (52., 54., 69.). Doch der Keeper der Gastgeber wuchs über sich hinaus. "Ich hab einfach so getan, als wären es Elfmeter", sagte er lachend.

Santos musste allerdings zittern: In der 49. Minute verletzte sich Ernst Jacob am Oberschenkel und wurde durch den 18-jährigen Nenad Stevic ersetzt. "Nenad kam rein, als ob er schon 200 Spiele hätte", lobte Trainerin Santos, "und dann dieser Schuss in der 88. Minute - schade, dass er nicht reinging."

Die Schlussphase gehörte dann den Nerven. Dragon Goianiense drückte mit aller Macht, schaltete auf lange Bälle und extremes Pressing, wie es die Statistiken bestätigen. Doch UD Santos verteidigte mit allem, was Beine hatte - und manchmal auch mit dem Bauch.

Julian Derlei, der neben seinem Treffer auch Gelb sah (66.), wurde nach dem Abpfiff noch spaßig gefragt, ob er lieber Tore oder Karten sammelt. "Kommt drauf an, was am Ende mehr Punkte bringt", lachte er.

Am Ende blieb es beim 2:1. Ein Sieg, der weniger mit Taktik als mit Leidenschaft zu tun hatte. Ballbesitz? 50,7 zu 49,2 Prozent. Zweikampfquote? 48,8 zu 51,2 - also praktisch Gleichstand. Aber auf der Anzeigetafel stand eben das, was zählt.

"Wir haben Moral gezeigt", sagte Trainerin Brasilia Santos nach dem Schlusspfiff. "Und Fabio hat heute bewiesen, dass 17 kein Alter ist, sondern eine Einstellung." Ihr Gegenüber Fabian Dietz nahm es sportlich: "Wir hatten Chancen genug. Aber manchmal ist Fußball eben kein Wunschkonzert."

Santos klettert damit vorerst in die obere Tabellenhälfte, während Dragon Goianiense weiter auf den ersten Auswärtssieg wartet. Für die Drachen bleibt das Fazit bitter: Sie kamen, sahen - und verloren in fünf Minuten den Kopf.

Ein Zuschauer fasste es auf der Tribüne so zusammen: "Das war kein Spiel, das war eine Telenovela - mit Happy End für Santos." Und wer weiß, vielleicht gibt’s nächste Woche schon die nächste Episode dieser brasilianischen Fußballsoap. Bis dahin dürfen sie in Santos ruhig ein bisschen feiern - schließlich gewinnt man nicht jeden Tag mit Herz, Humor und einem Teenager als Matchwinner.

22.02.643987 17:38
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