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Oruro, 20. Juni 2026 - 16.000 Zuschauer, zwei Tore, ein Platzverweis und jede Menge Staub in der Abendluft: Der 22. Spieltag der 1. Liga Bolivien bot alles, was das Fußballherz begehrt - zumindest, wenn man Anhänger von Santo Oruro ist. Mit einem souveränen 2:0 gegen Arauko Prando festigten die Gastgeber ihren Ruf als heimstarkes Ensemble, das Fußball lieber mit Geduld und Präzision als mit Chaos und Zufall betreibt. Schon nach acht Minuten bebte das Estadio Municipal, als Jose Maria Dominguez - der Mann mit der Geschwindigkeit eines Motorrads und der Coolness eines Taxifahrers im Berufsverkehr - den Ball nach Vorlage von Vincent Borreguero trocken ins rechte Eck setzte. "Ich habe einfach nicht nachgedacht", grinste Dominguez nach dem Spiel, "und meistens ist das das Beste, was ich tun kann." Trainer und Philosoph am Spielfeldrand nickten zustimmend. Arauko Prando wirkte in dieser Phase wie ein Tourist, der versehentlich in einer Tanzschule gelandet war: bemüht, aber ohne echten Rhythmus. Zwar kamen sie auf acht Torschüsse, doch die meisten endeten so harmlos, dass Santo-Keeper Gyula Csernai zwischendurch Zeit fand, sich die Handschuhe neu zu schnüren. In der 38. Minute dann der zweite Streich: Alberto Bischoff, der rechte Mittelfeldmotor mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks, verwandelte eine punktgenaue Vorlage von Paulus Bruhn zum 2:0. Der Jubel glich einem kleinen Erdbeben, die Tribünen wogten. Bruhn kommentierte später trocken: "Ich wollte eigentlich flanken, aber manchmal sollte man das Schicksal einfach machen lassen." Zur Halbzeit stand es 2:0 - und ehrlich gesagt fühlte es sich bereits wie eine Entscheidung an. Santo Oruro kontrollierte mit 53 Prozent Ballbesitz das Geschehen, Arauko lief hinterher, als spiele man Fang den Hut. Der zweite Durchgang wurde dann zu einer Mischung aus Geduldsspiel und bolivianischem Improvisationstheater. Santo Oruro schaltete auf Verwaltungsmodus, ohne den Spaß am schönen Spiel zu verlieren. Walther Albrecht prüfte den gegnerischen Torhüter gleich mehrfach, unter anderem in der 52., 66. und 71. Minute. "Wenn der Ball noch einmal so springt, schieße ich ihn bis La Paz", rief er lachend Richtung Tribüne, nachdem sein Versuch in der 61. Minute knapp vorbei ging. Arauko Prando versuchte es tapfer, doch die Angriffsbemühungen von Juan Gelmirez und Diego Pero wirkten zunehmend verzweifelt. Zwischen der 48. und 51. Minute reihten sich ihre Schüsse wie ein schlechtes Gedicht aneinander - ohne Pointe. Und als dann auch noch Humberto Velasco in der 81. Minute Gelb sah und sieben Minuten später mit Gelb-Rot vom Platz musste, war das Schicksal endgültig besiegelt. Trainer von Arauko, sichtbar genervt, murmelte nach dem Abpfiff: "Wir haben nicht schlecht gespielt, wir haben nur vergessen, dass man Tore schießen muss." Kollege auf der anderen Seite - souverän, mit leichtem Grinsen - erwiderte: "Wir hatten heute einfach mehr Lust auf Fußball." Die Statistik sprach eine klare Sprache: 19 Torschüsse für Santo, 8 für Arauko, 54 Prozent Zweikampfquote für die Gastgeber. Kein Wunder also, dass die Fans nach Abpfiff minutenlang "Oruro, Oruro" skandierten, während die Spieler eine Ehrenrunde drehten. Ein kleiner Junge im Trikot von Jose Maria Dominguez fragte seinen Vater: "Papa, warum hat Arauko nicht getroffen?" - "Weil der Ball nicht wollte, mein Sohn. Der Ball hat heute Santo gehört." So poetisch kann Fußball manchmal sein. Und Santo Oruro hat an diesem Abend gezeigt, dass man auch ohne Spektakel faszinieren kann - mit Disziplin, Cleverness und einem Hauch südamerikanischer Gelassenheit. Wer diesen Sieg gesehen hat, weiß: Hier wächst etwas zusammen. Vielleicht kein Meisterwerk, aber ein Team, das sich versteht. Und wenn Jose Maria Dominguez weiter so trifft, könnte man in Oruro bald von mehr träumen als nur von schönen Sommerabenden. Am Ende blieb die Erkenntnis: Fußball ist einfach, wenn man ihn spielt. Und noch schöner, wenn man ihn gewinnt. 20.06.2026 20:58 |
Sprücheklopfer
Vielleicht war es mit mir wie mit Helmut Kohl. Dessen Gesicht haben sie ja auch nicht mehr gewollt.
Berti Vogts