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Ein Fußballabend, der wie ein Märchen begann und wie ein Albtraum endete: CD Sao Paulo führte im heimischen Estádio Municipal nach drei Minuten mit 1:0 - und ging am Ende mit 1:4 unter. 23.199 Zuschauer sahen ein Spiel, das man so schnell nicht vergisst. Es begann furios. Schon nach 180 Sekunden rauschte Sergi Salvadorez, der eigentlich dafür bekannt ist, Flanken zu blocken statt Netze zu treffen, auf links durch und schweißte den Ball aus spitzem Winkel ins lange Eck - 1:0! Die Fans tobten, die Ersatzbank hüpfte, und Trainerin Tante Anna grinste so breit, dass selbst die Stadionkamera irritiert zoomte. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", lachte sie später, "aber Sergi dachte wohl, er sei Neymar." Danach? Ein Spiel wie ein Film in Zeitlupe. Sao Paulo versuchte, den knappen Vorsprung zu verwalten - und Santo Andre begann, Fußball zu spielen. Die Gäste kombinierten, dribbelten, schossen - und trafen zunächst alles, was kein Tor war. Ganze 21 Torschüsse verzeichnete AD Santo Andre, während die Gastgeber auf magere sechs Versuche kamen. In der 67. Minute war es dann soweit: Paulo Garcia legte quer, und Caio Custodio knallte das Leder aus zwölf Metern unters Dach. 1:1. Der Ausgleich war keine Überraschung, eher eine Erlösung. "Wir wussten, dass sie irgendwann müde werden würden", sagte Santo-Andre-Trainer Alexander Pachmann mit einem Lächeln, das zwischen Genugtuung und Mitleid schwankte. Was dann folgte, war ein Sturmlauf, der den Namen verdient. Daniel Tamuz (77.) brachte die Gäste in Führung - nach einem perfekten Zuspiel von Louis Lutz, der seine linke Seite über 90 Minuten wie eine Autobahn beackerte. Sao Paulo wirkte zu diesem Zeitpunkt wie ein Boxer, der nach der siebten Runde nur noch auf den Gong wartet. In der 88. Minute machte Paulo Garcia dann selbst das 3:1, assistiert von Frederic Greaves, der kurz zuvor noch Gelb gesehen hatte, weil er den Ball zu leidenschaftlich wegschoss. "Ich wollte nur Zeit schinden", grinste Greaves nach dem Spiel, "aber offenbar war das nicht nötig - wir hatten genug Tore übrig." In der Nachspielzeit (92.) setzte Garcia mit seinem zweiten Treffer den Schlusspunkt. Wieder war Greaves der Vorlagengeber, wieder jubelte Santo Andre, und wieder schaute Torwart Jan Tyrala nur ungläubig hinter sich. Die tapferen Gastgeber hatten nichts mehr entgegenzusetzen. Statistisch gesehen war es kein einseitiges Spiel - 50 Prozent Ballbesitz für beide Teams -, doch während Sao Paulo den Ball liebte, liebte Santo Andre das Tor. 21 Schüsse, vier Treffer: Effizienz, die jedem Trainer die Tränen in die Augen treibt. Bei Sao Paulo hingegen herrschte betretenes Schweigen. Rechtsverteidiger Rui Beto, der in der 59. Minute Gelb sah, murmelte beim Verlassen des Platzes: "Wenn man 1:0 führt und dann aufhört zu laufen, verliert man. So einfach." Trainerin Tante Anna versuchte, die Fassung zu wahren: "Wir haben 45 Minuten lang alles richtig gemacht - und dann alles falsch." In der Fankurve wurde nach dem Schlusspfiff diskutiert, ob man nicht einfach die erste Halbzeit als Endstand werten könne. Ein älterer Herr auf der Tribüne schlug vor, künftig nach 45 Minuten abzupfeifen. "Dann wären wir Meister!", rief er, und selbst der Ordner neben ihm musste lachen. Santo Andre hingegen feierte ausgelassen - und das völlig zu Recht. Paulo Garcia wurde zum Mann des Abends: zwei Tore, eine Vorlage, unermüdlich im Pressing, obwohl seine Mannschaft laut Statistik gar kein Pressing spielte. "Ich presse im Herzen", sagte er augenzwinkernd, "nicht in den Daten." So geht ein Abend zu Ende, der alles bot: frühe Euphorie, späte Ernüchterung, und ein Lehrstück darüber, dass Fußball nicht 45, sondern 90 Minuten dauert. Vielleicht tröstet das Sao Paulo ein wenig: Sie hatten das schönste Tor des Abends. Aber Santo Andre hatte alle anderen. 23.11.643993 00:30 |
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