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Es war ein lauer Abend in Goiânia, 52.124 Zuschauer, und Dragon Goianiense wollte eigentlich Feuer spucken. Heraus kam allerdings nur Rauch - und zwar dünner. AD Santo Andre entführte beim 31. Spieltag der brasilianischen 1. Liga mit einem verdienten 2:0-Sieg nicht nur drei Punkte, sondern auch die gute Laune der Heimfans. Von Beginn an war klar: Hier weht ein anderer Wind. Schon in der ersten Minute prüfte Caio Custodio den jungen Goianiense-Keeper Fabio Nene mit einem Schuss, der mehr nach Warnschuss als nach Tor aussah. Doch das war nur der Auftakt zu einer wahren Belagerung. Santo Andre schoss aus allen Lagen - 17 Mal insgesamt, während die Gastgeber nur sieben Mal ernsthaft auf den Kasten zielten. Ballbesitz? Ebenfalls klar verteilt: 57 zu 43 Prozent für die Gäste. Trainer Fabian Dietz, sonst ein Mann kühler Analysen, sah schon nach einer halben Stunde nicht mehr so aus, als würde er das Spiel genießen. "Wir wollten über die Flügel kommen", sagte er später, "aber anscheinend haben die Flügel heute Urlaub genommen." Die Gäste dagegen spielten schnörkellos, ruhig, fast abgeklärt. In der 40. Minute fiel dann das, was sich längst angekündigt hatte: Leandro de Almeida, gerade einmal 21 Jahre alt, traf nach feinem Zuspiel seines Namensvetters Leandro Ze Castro - man könnte sagen, ein Leandro-Doppelpack der etwas anderen Art. Der Schuss schlug flach ins rechte Eck, Nene streckte sich vergeblich. 0:1 - und das Stadion schwieg, als wäre jemand auf die Mute-Taste gekommen. In der Halbzeit sah man einige Heimfans ratlos in ihre Becher starren, während Santo Andres Trainer Alexander Pachmann in der Kabine offenbar nur ein Wort sagte: "Weiter." Zumindest klang es später so. "Wir wussten, dass sie irgendwann hinten aufmachen müssen", grinste Pachmann nach dem Spiel. "Und dann wollten wir zubeißen." Gesagt, getan. Dragon Goianiense kam zwar mit neuer Energie aus der Kabine - Dietz wechselte Nael Sa Pint für Louis Blum ein, später auch Rui Djalo für den blassen Vitor Puerta -, doch der gewünschte Effekt blieb aus. Was folgte, war das wohl taktisch disziplinierteste "Nein, danke" der Saison. Santo Andre ließ kommen, lauerte - und schlug zu. In der 78. Minute war es Amit Tamuz, der mit einem satten Distanzschuss nach Vorarbeit von Frederic Greaves das 2:0 markierte. Ein Treffer, der so trocken war, dass man dazu eigentlich ein Glas Wasser brauchte. Tamuz, 30 Jahre alt und in dieser Saison eher als Ballverteiler bekannt, riss die Arme hoch und grinste: "Ich wollte eigentlich flanken", meinte er später augenzwinkernd. "Aber wenn der Ball so schön bittet, ins Tor zu fliegen - wer bin ich, Nein zu sagen?" Goianiense mühte sich noch, wurde wütender und körperlicher, was in der 79. Minute Noe Coelho eine gelbe Karte einbrachte. "Ich habe doch nur freundlich gefragt, ob er nicht kurz Platz machen könnte", verteidigte sich der junge Mittelfeldspieler später halb im Scherz. Die Antwort des Schiedsrichters fiel gelb aus. Santo Andres Jorge Santos bekam seine Verwarnung in der 88. Minute - der Beweis, dass auch Sieger nicht immer engelsgleich sind. Doch da war das Spiel längst entschieden. Die Dragons versuchten es mit langen Bällen, Trainer Dietz ließ in der Schlussphase sogar Pressing anordnen, aber der Ball gehorchte nicht. Der letzte Hoffnungsschuss kam in der 93. Minute von Jelle Barculo, der den Ball über das Fangnetz jagte - und vermutlich noch in der Umlaufbahn ist. Nach dem Schlusspfiff klatschten die Spieler von Santo Andre in Richtung ihrer mitgereisten Fans, während auf der anderen Seite einige heimische Anhänger Richtung Ausgang pfiffen. "Wir haben heute gezeigt, dass wir auch auswärts mutig sein können", sagte Siegtorschütze Leandro de Almeida. "Und ehrlich - wenn man gegen Drachen spielt, muss man halt ein bisschen Feuerfest sein." Die Statistik bestätigt das Bild: mehr Ballbesitz, mehr Schüsse, mehr Präzision. Santo Andre spielte klug, Goianiense hektisch. Am Ende stand ein 0:2 (0:1), das so klar war, wie das Ergebnis klingt. Trainer Pachmann verabschiedete sich mit einem Grinsen: "Wir haben gegen Drachen gespielt - und sie gezähmt. Vielleicht sollten wir jetzt in der Pause ein paar Märchenbücher signieren." Ein Satz, der hängen bleibt - und wohl auch in Goiânia noch nachhallen wird. Denn wenn Drachen träumen, dann wohl heute Nacht von Leandro, Amit und einem Ball, der einfach nicht gehört hat. 14.09.643993 16:37 |
Sprücheklopfer
Ja, erst Eckball und dann Tor.
Oliver Kahn auf die Frage: 'Herr Kahn, wie haben Sie die Situation gesehen, als jemand, der unmittelbar dabei war?' zu Manchesters 2:1 im CL-Finale