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Ein lauer Abend im Februar, 49.840 Zuschauer im Estadio Municipal von Santa Eulalia, und die Sonne über Ibiza schien noch nicht bereit, das Spektakel dem Flutlicht zu überlassen. Als Schiedsrichter Ortega pünktlich um 20.30 Uhr anpfiff, ahnte noch niemand, dass Lanzarote CF an diesem 12. Spieltag der Primera Liga Spanien in eine fußballerische Brise geraten würde, die eher einem Sturm glich. Von Beginn an diktierte Santa Eulalia das Tempo. Trainer Dede Dedede hatte seine Elf defensiv ausgerichtet, aber was nach Beton klang, entpuppte sich als glänzend geölte Maschine. Die Hausherren standen kompakt, eroberten Bälle, kombinierten mit Ruhe - und wenn sie nach vorne kamen, dann mit chirurgischer Präzision. Lanzarote dagegen? Offensiv aufgestellt, aber offensiv ungefährlich. "Wir wollten mutig sein", erklärte Trainer Meister Leverkusen später, "aber Mut ohne Ball ist nur Theorie." Die Statistik spricht eine klare Sprache: 57 Prozent Ballbesitz, 20 Torschüsse zu 6 - Santa Eulalia war in jeder Kategorie überlegen. Nur die Anzeigetafel blieb lange höflich zurückhaltend. Die größte Chance der Anfangsphase hatte Valentin Henriksson, dessen Schuss in der 6. Minute Lanzarotes Keeper Xuarez mit den Fingerspitzen parierte. "Ich dachte, der Ball sei schon drin", grinste der Schwede nach dem Spiel, "aber anscheinend wollte er sich das Tor für später aufheben." In der 43. Minute fiel dann, was fallen musste. Nach einer feinen Kombination über Inigo de Torre kam der Ball zu Alexander Penksa auf rechts. Der zog trocken ab - 1:0. Ein Tor wie ein Statement: kraftvoll, präzise, unaufgeregt. De Torre, der Regisseur des Abends, kommentierte später augenzwinkernd: "Ich hab’s Penksa einfach schwer gemacht, nicht zu treffen." Kurz darauf ging es in die Pause - Lanzarote wirkte wie ein Team, das dringend neue Ideen suchte, aber nur alte fand. Kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, hallte der nächste Jubel durchs Stadion. Wieder war de Torre beteiligt, diesmal flankte er butterweich von rechts, und Linksverteidiger Tomislav Budan rauschte heran - 2:0 in der 50. Minute. Budan, sonst eher der Mann fürs Grobe, grinste breit: "Ich hab nur gemacht, was Stürmer sonst machen - den Ball reingehauen. Vielleicht sollte ich öfter da vorne auftauchen." Lanzarote versuchte, zu reagieren. Trainer Leverkusen wechselte zur Halbzeit gleich doppelt - Pierre Bisson und Henry Winston sollten frischen Wind bringen. Der Wind blieb allerdings auf Seiten der Gastgeber. Zwar kam Lanzarote über Alberto Fagnano und James Young zu einigen Abschlüssen, aber Santa Eulalias Torwart Esteban Figo blieb weitgehend beschäftigungslos. Nur einmal, in der 56. Minute, musste er sich lang machen - und tat es mit der Eleganz eines Mannes, der genau weiß, dass heute nichts anbrennen wird. Dann, in der 83. Minute, das Sahnehäubchen: Cesc Bermudo, der Routinier, frisch eingewechselt, schickte de Torre auf die Reise. Der 26-Jährige nahm den Ball mit der Brust, schaute kurz - und schlenzte ihn ins lange Eck. 3:0. Der Rest war Jubel, Gesang und ein Trainer, der an der Seitenlinie kaum noch stillstehen konnte. "Das war Fußball, wie ich ihn liebe", rief Dede Dedede nach Abpfiff in Richtung Fantribüne und verschwand dann mit einem Lächeln im Kabinengang. Nicht alles war eitel Sonnenschein: Mikhail Salenko sah in der 66. Minute Gelb, nachdem er Lanzarotes Mittelfeldmann Freddie O’Shea etwas zu deutlich zeigte, wer Herr im Haus war. "War nix", winkte Salenko später ab, "er ist einfach zu leicht." O’Shea nahm’s sportlich: "Ich bin nicht leicht - er ist nur schwer zu übersehen." Als der Schlusspfiff ertönte, stand ein 3:0 auf der Anzeigetafel, das in seiner Deutlichkeit verdient war. Lanzarote hatte zwar offensiv gespielt, aber defensiv das Konzept verloren. Santa Eulalia dagegen überzeugte mit Ruhe, Effizienz und einer Prise mediterraner Spielfreude. Trainer Leverkusen brachte es auf den Punkt: "Wenn du 90 Minuten lang dem Ball hinterherläufst, lernst du ihn irgendwann schätzen - aber leider zu spät." Und so ging ein Abend zu Ende, der für Santa Eulalia fast perfekt war. Drei Tore, drei Punkte, und ein Publikum, das sich schon zur 80. Minute gegenseitig in den Armen lag. Vielleicht kein Spiel für die Geschichtsbücher - aber gewiss eines für die Herzen der Fans. Oder, wie Kapitän Etxebarria es sagte, als er den Ball unter dem Arm vom Platz trug: "Manchmal ist Fußball einfach - du musst nur den Ball behalten, bis der Gegner keine Lust mehr hat." 04.10.643990 07:10 |
Sprücheklopfer
Das Positive war, dass wir hinten zu Null gespielt haben. Das Negative war, dass wir auch vorne zu Null gespielt haben.
Felix Magath