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Wenn 58.455 Zuschauer an einem milden Februarabend ins Estadio Municipal von Santa Eulalia pilgern, dann erwarten sie Sonne, Sangría und ein bisschen Zauberfußball. Bekommen haben sie all das - und ein Spiel, das in seiner Mischung aus Leidenschaft, Chaos und Komik fast schon an Theater erinnerte. Am Ende stand ein verdienter 3:1-Heimsieg gegen CD Denia, der weniger mit Ballbesitz als mit Zielstrebigkeit zu tun hatte. Santa Eulalia-Trainer Dede Dedede grinste nach dem Schlusspfiff wie jemand, der gerade eine besonders schwierige Sudoku-Aufgabe gelöst hat. "Wir wollten kontrolliert verteidigen und gezielt zuschlagen. Naja, und manchmal schießt halt der rechte Verteidiger das erste Tor", lachte er - ein Seitenhieb auf Caio Baiao, der in der 16. Minute die Führung erzielte. Baiao, eigentlich für Grätschen statt Treffer zuständig, hatte sich in den Angriff gewagt, bekam den Ball von Tomas Zabavnik und drosch ihn aus spitzem Winkel ins lange Eck. "Ich dachte, der Trainer schreit gleich, dass ich zurück soll", witzelte der brasilianische Außenverteidiger später. "Aber dann war der Ball drin - und er hat nur noch gelacht." Denia war in den Anfangsminuten durchaus mutig, hatte durch Pierre Barre und Daniel Michailow zwei frühe Schüsse aufs Tor, doch Santa Eulalias Keeper Esteban Figo stand wie ein Fels. Danach erstickte die Defensive der Gastgeber viele Angriffe im Keim, auch wenn die Statistik ein anderes Bild malte: 51 Prozent Ballbesitz für Denia, 11 Torschüsse - aber die Zahlen erzählten nicht die Geschichte dieser Partie. Kurz nach der Pause kam der nächste Nadelstich: In der 46. Minute erhöhte Javi Galan nach einem feinen Zuspiel von - wieder einmal - Zabavnik auf 2:0. Der Mittelfeldmann rannte jubelnd zur Eckfahne und brüllte: "Das war aus dem Lehrbuch!" - woraufhin Zabavnik nur trocken meinte: "Welches Lehrbuch? Ich hab einfach gepasst, weil ich müde war." Denia-Trainer Mark Zander reagierte mit hektischen Gesten an der Seitenlinie und forderte seine Mannschaft auf, noch offensiver zu agieren. Und tatsächlich: In der 70. Minute traf Iban Marco nach Vorlage von Ernesto Ramos sehenswert zum 2:1-Anschluss. "Da waren wir kurz wieder im Spiel", erklärte Zander später, "bis wir eine Minute danach wieder geschlafen haben." Denn kaum hatten die Denianer den Ball aus dem Netz geholt, klingelte es auf der Gegenseite: Der junge Martin Gil vollendete in Minute 71 nach Pass von Inigo de Torre zum 3:1 - und das Stadion explodierte. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte der 22-Jährige hinterher, "und gehofft, dass keiner merkt, dass ich eigentlich Flanken wollte." Das Spiel verflachte danach etwas, auch weil Santa Eulalia klug verteidigte und Denia trotz aller Offensiv-Taktik kaum mehr durchkam. Die Gäste zeigten zwar Einsatz - aggressiv, aber nicht unfair - und kassierten zwei Gelbe Karten (O’Brien in der 5., MacPherson in der 64.), doch der berühmte letzte Pass fehlte. Santa Eulalia dagegen wechselte clever: Etxebarria raus, Zabavnik rein - und der wurde prompt zum doppelten Vorlagengeber. Manchmal schreibt der Fußball eben Drehbücher, die jeder Regisseur abgelehnt hätte, weil sie zu kitschig klingen. Die Statistiker notierten am Ende 12 Torschüsse für Santa Eulalia, 11 für Denia. Also fast Gleichstand - nur eben mit drei Treffern auf der richtigen Seite. Auch die Zweikampfquote (50,4 zu 49,6 Prozent) war ein Duell auf Messers Schneide. Doch Effizienz schlägt Ästhetik, das wusste auch Trainer Dedede: "Manchmal musst du mit 48 Prozent Ballbesitz glücklich sein - besonders, wenn du 100 Prozent der Punkte mitnimmst." Auf der Pressekonferenz zeigte sich Denias Coach Zander bemüht gefasst: "Wir hatten mehr vom Ball, aber Santa Eulalia hatte mehr vom Leben." Sein Torhüter Grammozis saß daneben und murmelte: "Und ich hatte mehr vom Ball im Netz." So endete ein Spiel, das weniger durch Taktik (Santa Eulalia defensiv, Denia offensiv) als durch Timing entschieden wurde. Die Gastgeber verteidigten clever, konterten präzise und hatten in Zabavnik den Mann des Abends, auch wenn er selbst kein Tor schoss. "Ich mag es, wenn andere glänzen", grinste er - und verschwand Richtung Kabine, wo schon die Musik dröhnte. Vielleicht war es kein perfektes Spiel, aber eines mit Charakter. Und während die Fans noch sangen und die Flutlichter glühten, meinte ein älterer Zuschauer auf der Tribüne trocken: "Fußball ist manchmal wie Paella - du brauchst nicht die meisten Zutaten, sondern die richtigen." Santa Eulalia hatte an diesem Abend genau das richtige Rezept. 18.11.643990 03:55 |
Sprücheklopfer
Man darf das Spiel doch nicht so schlecht reden wie es wirklich war.
Olaf Thon