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Santa Cruz zerlegt Barcelona: Ein Abend zum Vergessen im Camp Nou

Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob der Heimvorteil eigentlich noch eine Rolle spielt. 34.852 Zuschauer sahen im altehrwürdigen Camp Nou, wie der SC Barcelona zum 12. Spieltag der "1. Liga Spanien" von CD Santa Cruz mit 0:3 (0:2) auseinandergenommen wurde. Dabei begann alles mit dem Selbstbewusstsein eines Teams, das sich viel vorgenommen hatte - und endete mit der ratlosen Miene eines Trainers, der vermutlich am liebsten schon unter der Dusche gestanden hätte, bevor der Schlusspfiff kam.

Dabei hatte Thomas Göstl, der Coach der Katalanen, vor dem Anpfiff noch vollmundig angekündigt: "Wir wollen zeigen, dass wir aus unseren Fehlern gelernt haben." Nun ja - gelernt wurde offenbar vor allem, wie man Fehler effizient wiederholt. Schon nach drei Minuten klingelte es im Kasten von Keeper Vicente Rielo. Morgan Primes, Santa Cruz’ quirliger Rechtsaußen, nutzte die erste Gelegenheit, die ihm Cameron Gage auflegte, und schob eiskalt ein. Die Gastgeber wirkten überrumpelt, das Publikum rieb sich noch den Schlaf aus den Augen.

"Ich hab’ gar nicht gesehen, dass der Ball schon drin war", gestand Verteidiger Francisco Rodrigo später mit einem bitteren Lächeln. "So schnell war das." Und tatsächlich - Santa Cruz spielte ruhig, präzise, fast akademisch. Während Barcelona wild anlief und mit dem Offensiv-Modus "Hoffentlich klappt’s irgendwie" agierte, kombinierten die Gäste mit Kurzpässen, als hätten sie ein Metronom im Mittelfeld stehen.

In der 18. Minute folgte dann der zweite Streich: Miroslav Divic, der erfahrene Linksmittelfeldspieler, traf nach feinem Zuspiel von Albert Fontàs. Das Tor war so lehrbuchmäßig, dass man es im Trainingsvideo künftig wohl als Pflichtlektüre einbauen wird. "Wir wussten, dass sie früh Druck machen", erklärte Divic später. "Also haben wir sie einfach laufen lassen - bis sie keine Lust mehr hatten."

Barcelona kämpfte, keine Frage. Elf Schüsse aufs Tor, ein paar hübsche Szenen von Youngster Xavier del Olmo, der gleich mehrfach sein Glück versuchte (15., 16., 50. und 55. Minute), doch der Ball wollte nicht rein. Santa-Cruz-Keeper Jaime Alvarez, gerade einmal 20 Jahre jung, parierte alles, was in seine Richtung flog - und das meistens mit einer stoischen Ruhe, die man sonst nur bei Yogalehrern findet.

Nach der Pause wechselte Göstl: Der 17-jährige Alejandro Grimaldo kam für Cristobal Guillen, später durfte auch der 18-jährige Iban Alcazar ran. Frisches Blut, neue Energie - zumindest in der Theorie. In der Praxis nutzte Santa Cruz die Unordnung in der 54. Minute eiskalt: Cameron Gage verwandelte nach einem cleveren Pass von Innenverteidiger Javier Martinez zum 0:3. Das Spiel war entschieden, bevor Barcelona überhaupt begriffen hatte, dass die zweite Halbzeit begonnen hatte.

"Wir waren zu brav, zu naiv, zu nett", seufzte Göstl nach Abpfiff. "Santa Cruz hat uns ausgekontert wie Jungs, die auf dem Pausenhof zu spät kommen." Sein Gegenüber Tobi Schleder grinste breit: "Wir wollten einfach Spaß haben - und wenn’s dabei drei Tore gibt, nehmen wir die halt mit."

Statistisch sah das Ganze übrigens so aus, wie es sich anfühlte: 18 Torschüsse für Santa Cruz, 11 für Barcelona. 56 Prozent Ballbesitz für die Gäste, die mit ruhiger Hand das Tempo bestimmten. Keine rote Karte, aber eine gelbe für Barcelonas Nestor Camara, der sich in der 79. Minute mit einem Frustfoul meldete - sinnbildlich für die zerrinnende Geduld seiner Mannschaft.

In den letzten Minuten versuchte Daniel Vogel noch einmal, aus der Distanz den Anschluss zu erzwingen (92.), aber sein Schuss flog so weit übers Tor, dass die Kugel vermutlich erst im Hafen landete. Die Fans verabschiedeten ihr Team mit höflichem Applaus - und ein paar Pfiffen, die mehr nach Resignation als nach Wut klangen.

Trainer Schleder lobte seine Männer: "Wir haben ruhig gespielt, die Chancen genutzt und nicht überreagiert. Es war ein erwachsener Auftritt." Und das war es tatsächlich: ein Lehrstück in Effizienz, Geduld und taktischer Disziplin.

Barcelona dagegen bleibt ein Rätsel - offensiv eingestellt, aber ohne Plan, aggressiv nur im Pressing-Menü, nicht auf dem Platz. Wenn man es positiv sehen will: Es kann eigentlich nur besser werden.

Oder, wie Esteban Bernal beim Hinausgehen murmeln hörte: "Wir haben wenigstens das Flutlicht getroffen - wenn schon nicht das Tor."

Ein Satz, der diesen Abend wohl perfekt zusammenfasst.

26.05.643987 11:37
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Verstärken können die sich, aber nicht auf der rechten Seite. Da bin ich. Ich komme selber aussem Pott. Mein Vater war auf der Hütte. Wenn ich wieder fit bin, zeig ich denen, wat malochen heißt.
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